Büchervielfalt

Für Leseratten & alle die lesen können
 


Leider, leider wird gerade das Genre der historischen Romane immer mehr mit dermaßen schlechten Büchern überflutet, dass man als eigentlicher Liebhaber schon fast aggressiv werden könnte. ;-) Ein weiteres Buch, von dem ich euch in diesem Kontext abraten möchte, ist “Die Tochter der Apothekerin” von Mara Volkers.

Cover zu “Die Tochter der Apothekerin” © Bastei LübbeDas hätte echt nicht sein müssen! Zu Anfang erscheint einem dieses Werk ja noch einigermaßen einfallsreich und auch die Mischung aus historischem Roman und Fantasy könnte ganz interessant werden. Doch dann wird man dermaßen von Klischees überflutet und erschlagen, dass man gar nicht mehr weiß ob man lachen oder weinen soll.

In diesem Buch ist wirklich alles vereint, was sich der Laie unter Mittelalter vorstellt: der Teufel, die Hexen, die Guten und die Bösen, ach ja, und natürlich die ungewöhnlich selbstbewusste Frau, von denen so manche Autoren anscheinden gar nicht genug bekommen können… Waahh! :D

Im kleinen Ort Uffingen übernimmt Elfgard Kräutlein nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit ihrer Tochter Hanna dessen Apotheke. Der Arzt Ganshirt muss dies mit großem Missfallen beobachten, denn schon bald lassen sich die Leute lieber von der Kräutlein als von ihm behandeln. Okay, sie ist ja auch Nachfahrin einer alten Natur- und Liebesgöttin, der grünen Fee (wohl zuviel Absinth beim Schreiben getrunken)… weiterlesen »


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Cover zu “Der Winterkönig” © Rowohlt Tb.Jeder kennt die Legende von König Artus, von Merlin und Camelot. Seither existieren wurde sie bereits tausende Male interpretiert, ausgeschmückt und durch etliche Mühlen gedreht. Und so denkt man sich inzwischen bei jeder neuen Version: “Nicht schon wieder!” Jedoch mit seinen Artus-Chroniken schafft es Bernard Cornwell dem Stoff eine neue Dimension zu verleihen und sie ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Gut gemacht!

Britannien im 5. Jahrhundert: Die Zeit der Römer gehört langsam der Vergangenheit an und die alten heidnischen Götter müssen dem Christentum weichen. Und König Uther muss sein Land gegen die Sachsen verteidigen. Dringend muss ein Nachfolger her, doch als dieser geboren wird, stirbt der alte König. Das Kind, Mordred, ist definitiv noch zu jung um den Platz seines Vaters einzunehmen und so muss ein Vormund, ein Ersatz, für den König her. weiterlesen »


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Cover zu “Die Botschaft der Novizin” © LübbeGeht es euch nicht auch so wie mir? Man hat Romane aus dem Mittelalter mit ach so starken und emanzipierten Frauen irgendwie satt. Ist ja schön zu erwähnen, dass es die auch gab, doch meist kollidiert die entsprechende Zeit doch jäh mit unserer Vorstellung einer modernen Frau. Aber wir werden immer mehr damit überflutet: Und es ist immer dasselbe…

Wenn ich schon Titel lese, wie “Die Tochter des Würfelspielers”, “Die Spur der Hebamme”, “Die Hüterin” oder “Die Kalligraphin” werde ich mittlerweile wütend oder muss angesichts dieser Einfallslosigkeit lachen. Nichts dagegen, wenn jemandem das gefällt, aber wenn man es dann häufig liest, wird es irgendwann langweilig.

Nur selten konnten mich ein paar Bücher diesen Schlages positiv überraschen (z.B. “Die Henkerstochter” oder “Die letzte Hexe“). Und auch das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, fiel leider in diese Kategorie. “Die Botschaft der Novizin” von Peter Dempf handelt… Na, von was? Richtig, von einer starken und klugen Frau, die unter den Verhältnissen der Zeit leidet und dann einem großen Geheimnis auf die Spur kommt… Schon wieder!!! weiterlesen »


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Cover zu “Das Zeichen des Ketzers” © Rowohlt Tb.Ich habe mich immer sehr für die Reformatoren interessiert. Nicht aus religiösen Gründen, sondern weil ich die Art ihrer Revolution sehr interessant finde. Einer der bekanntesten unter ihnen war wohl Jan Hus, der bereits 100 Jahre vor Martin Luther die katholische Kirche anprangerte und hinterfragte.

In diese Zeit entführt uns die Autorin Sabine Wassermann mit ihrem Buch “Das Zeichen des Ketzers“, genauer gesagt zum tragischen Ende von Johannes (Jan) Hus. Konstanz 1415, die Stadt am Bodensee ist voll von Menschen. Sie alle sind zum Konzil von Konstanz angereist um bei dem Urteil gegen Jan Hus dabei zu sein. Unter ihnen auch der Abt Rogatus mit dem ihm untergebenen Mönch Alban. Zu ihrem Schutz haben sie Albans Bruder Martin, einen Söldner, engagiert.

Die beiden Brüder stehen sich nicht gerade nahe und könnten unterschiedlicher nicht sein. Während der fromme Alban heimlich den Lehren von Jan Hus angehört, verabscheut Martin, der nicht gerade ein Kostverächter ist, diese Ansichten.  weiterlesen »


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Cover zu “Nebelheim” © Hoffmann und CampeGerade in den letzten Jahren boomen ja die historischen Romane und im Zuge dessen bekommt man ja eine Menge Schrott hinterhergeworfen. Und mal ganz ehrlich, könnt ihr noch Romane über ach so starke Frauen in einer ach so gemeinen Welt lesen? Ich jedenfalls nicht mehr! Absolut erfrischend ist in diesem Kontext das Romandebüt des Filmemachers Stephan Puchner mit dem Titel “Nebelheim”.

Was einem an Puchner sofort auffällt, ist die herausragende Sprache. Endlich mal wieder ein historischer Roman, bei dem der Autor auch wirklich schreiben kann und nicht nur glaubt es zu beherrschen! Seine Sprache schlägt gekonnt einen Spagat zwischen der mittelalterlichen und der modernen Redeweise. So hat man zwar das Gefühl direkt im damaligen Geschehen zu sein, aber trotzdem wirkt es nicht verstaubt oder gar gekünstelt. weiterlesen »


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Cover zu “Die Siedler von Catan” © LÜBBEEines der beliebtesten Spiele überhaupt ist wohl “Die Siedler von Catan”. Klar, dass auch hier, wie bei allem, was von Erfolg gekrönt ist, das Marketing rund herum übertrieben wurde. Und so war ich auch bei einem Buch zum Spiel zunächst extrem skeptisch und wollte es erst gar nicht lesen, doch ich wurde schlagartig eines Besseren belehrt.

Das Buch ist das Ergebnis eines gelungenen Experiments, denn der Erfinder des Spiels, Klaus Teuber, hatte schon seit langem von einer Geschichte geträumt, die dem Spiel mehr Lebendigkeit verleiht. Und dann fand er die Autorin historischer Romane, Rebecca Gablé. Sie hatte bei dieser neuen Herausforderung sichtlich Freude und hat dem Spiel weitere Dimensionen hinzugefügt, ohne einfach nur des Kommerzes wegen ein paar schlechte Schinken rauszuhauen (Man denke da nur an die entsetzlichen Star Wars Bücher, um nur eines der leider zahlreichen Beispiele zu nennen). weiterlesen »


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An dem Erstlingswerk des Spaniers Antonio Garrido mit dem Titel “Das Pergament des Himmels” scheiden sich die Geister: Die einen werfen ihm vor historisch schon sehr von den realen Fakten abzuweichen, die anderen loben wiederum seine spannende Geschichte.

Cover zu “Das Pergament des Himmels” © Rütten & LoeningIch denke, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Will man einfach atmosphärisch und kurzweilig unterhalten werden, ist “Das Pergament des Himmels” genau das Richtige. Geht es einem aber so wie mir und historische Bücher sind nur dann gut, wenn die Recherche auch stimmt, sollte man am besten die Finger davon lassen.

Der Gelehrte Gorgias muss mit seiner Tochter Theresa aus Konstantinopel fliehen und findet im Würzburg der Karolingerzeit eine neues Zuhause. Gerade ist er dabei ein wichtiges Pergament zu übersetzen, doch seine Arbeit wird ihm entwendet und er selbst wird bei dem Überfall schwer verletzt. weiterlesen »


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Cover zu “Historische Serienmörder”Für Liebhaber von Historischem, alten Krimigeschichten oder obskuren Schauer- und Gruselgeschichten, habe ich heute einen besonderen Tipp: Bücher aus dem Verlag Kirchschlager. Der Historiker und Schriftsteller Michael Kirchschlager hatte 2001 die Idee zu einem Fachverlag für historische Kriminalliteratur.

Seitdem bekommt das kleineFamilenunternehmen stetig immer neue Fans und gilt als Insider-Tipp. Denn Kirchschlager befasst sich unter anderem viel mit wahren Fällen historischer Täter. So hat er ein Lexikon über “Historische Serienmörder” verfasst, in dem, nach einem Essay, der einen interessanten Einblick in den Geist eines Serientäters liefert, näher auf einzelne Killer eingegangen wird. Wichtig ist auch, dass hier unterhaltsam und aufschlussreich nicht nur mit Brutalitäten um sich geschmissen wird, sondern auch das jeweilige kulturelle und soziale Milieu näher beleuchtet wird. weiterlesen »


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Cover zu “Die Henkerstochter”Das Buch “Die Henkerstochter” hat mich zunächst interessiert, da es in der bayrischen Stadt Schongau nahe Augsburg spielt und ich selbst gebürtige Augsburgerin bin und am Lech aufgewachsen. Doch schnell wurde der Handlungsort Nebensache, denn Oliver Pötzsch schafft es, einen sofort zu fesseln.

Er nimmt uns mit in die Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg in die Welt der Folterer und Henker und verabschiedet sich dabei zum Glück von vielen Klischees. Interessant ist auch, dass Pötzsch selbst Nachfahre der bekannten Schongauer Henkerdynastie Kuisl ist, um die es in dem Buch geht, und so praktisch einen Teil seiner Familiengeschichte verarbeitet hat.

Der Sohn eines Flößers wird tot im Lech treibend aufgefunden und es ist nur zu offensichtlich, dass es kein Unfall war. Der Sohn eines Baders und selbst studierter Medicus Simon Fronwieser untersucht die Leiche und findet heraus, dass der Junge durch mehrere Messerstiche getötet wurde. Was aber noch mehr auffällt ist, dass auf die Schulter des Toten ein seltsames Mal tätowiert wurde. Schnell ist für die Schongauer klar, dass es sich hierbei nur um Hexerei handeln kann und eine alte Hebamme wird zum Sündenbock. weiterlesen »


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So langsam meint man doch alles über das Mittelalter zu wissen, sei es von diversen Abhandlungen, historischen Romanen oder Filmen, die einem mehr oder weniger realistisch die Welt vor 1000 Jahren vor Augen führen. Doch “Das Leben im Mittelalter” von Robert Fossier ist anders.

Der mittlerweile über achtzigjährige Historiker Fossier hat hiermit nicht nur faszinierende und streibare Thesen aufgestellt, sondern wohl auch sein Lebenswerk geschaffen.

Robert Fossier, 1927 geboren, war Professor für mittelalterliche Geschichte an der Uni von Nancy und der Sorbonne (!) in Paris. Er hat schon unzählige Sachücher und Nachschlagewerke zum Thema Mittelalter veröffentlicht, aber “Das Leben im Mittelalter” ist das wohl außergewöhnlichste.

Cover zu “Das Leben im Mittelalter”Er zeigt uns hier das Leben des normalen Menschen zu jener Zeit und stellt so neue Erkenntnisse vor allem über den Alltag und die Aufteilung in die einzelnen Stände vor.

Es geht in diesem Buch um den Großteil der damaligen Bevölkerung, dem einfachen Volk, das keineswegs nur aus leibeigenen, ungebildeten Trotteln bestand, sondern vielmehr genau die gleichen Triebfedern und Ängst hatten wie wir heute. Da fast alle Quellen aus adliger Hand stammen, hatten wir laut Fossier bisher ein komplett einseitiges Bild von den Standesunterschieden.

Natürlich herrschte eine Diskrepanz zwischen Bauern und Adel, doch diese bestand vor allem in der Behausung und ein paar mehr Rechten. Allein schon der Speiseplan war fast identisch und unterschied sich lediglich in der Menge. In Abfallgruben von Reichen fanden Archäologen genau die selbe Nahrungszusammensetzung wie in denen der Armen.

Auch die Kleidung war im Grunde nicht sehr verschieden, vor allem Wolle und Leder, nur Seide war ein seltener Luxus des Adels. Und auch die Wasch- und Hygienegewohnheiten ähnelten sich. Die Menschen des Mittelalters waren zum Beispiel sauberer als die am Hofe Ludwigs XIV.

Dies sind nur ein paar der Thesen mit denen Robert Fossier teils alte Meinungen widerlegt und mit Klischees aufräumt.

Er führt uns vor Augen wie ähnlich sich doch die Menschen, trotz Jahrhunderten dazwischen, sind und dass man ältere Kulturen und deren Errungenschaften respektieren muss. Auch im Mittelalter herrschte Krieg und Verfolgung, es gab Krankheiten und Mneschen hielten sich an Dogmen und Geld fest. Was hat sich da am Menschen denn so groß verändert, außer die fortschreitende Technologisierung?

“Das Leben im Mittelalter” ist für Robert Fossier gar nicht so düster.

Einen interessanten Artikel aus der FAZ und das Buch selbst zu bestellen, gibt es bei buecher.de.


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