Büchervielfalt

Für Leseratten & alle die lesen können
 


Einer aus meiner Sicht genialsten Texte zum Thema Börse ist der Songtext zu Konstantin Weckers “Wenn die Börsianer tanzen…”. Dazu kann man im Prinzip nicht mehr viel hinzufügen… Vor allem, wenn wir die Pressewalzer, Börsenboogies, Brokerbeats, Politikerpolkas oder auch Bankentwists in letzter Zeit beobachten. Bei all dem Hinsehen wird einem noch schwindlig, doch irgendwie möchte man sie doch auch einfach solange tanzen lassen, bis sie einfach umfallen. ;-)

Daher heute mal nicht direkt ein Gedicht für euch, sondern eben ein Songtext. Aber so ein großer Unterschied ist dann da ja auch nicht. Oder gibt es hier einen Schubladenpacker?

Konstantin Wecker – Wenn die Börsianer tanzen…

Wenn die Börsianer tanzen
Heben sie verzückt das Bein.
Lassen dann in den Bilanzen
Auch mal Fünfe grade sein.

Ihre spitzen Köpfe wackeln
Schwer gerötet aufs Parkett
Und gewisse Damen dackeln
Hinterher und sind sehr nett. weiterlesen »


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Als Obama Präsident der USA wurde, versprach er das Folterlager von Guantanamo zu schließen. Doch im gleichen Atemzug fielen Aussagen, wie, dass es nicht so einfach sei und eine lange Zeit brauchen würde. Es ist doch immer wieder faszinierend zu sehen, wenn bei der ach so zivilisierten und häufig hochnäsigen westlichen Welt die Masken fallen. Auch unsere Regierungen haben Staatsgeheimnisse und richten auf der Welt unsägliches Leid an.

Cover zu “Fünf Jahre meines Lebens” © RowohltDoch da wir mitten in diesem System leben, verschließen viele von uns die Augen. Und da fragen sich manche immer noch, warum im Dritten Reich niemand von der Judenvernichtung gewusst haben will?

Murat Kurnaz hat Guantanamo überlebt. Fünf Jahre lang wurde er erwiesenermaßen (!) unschuldig gefoltert, misshandelt und gequält. Und trotzdem werfen ihm angesichts dieses Leids immer noch Leute eine Terror-Schuld oder gar Kommerzgedanken vor. Trotzdem setzt sich Murat Kurnaz unermüdlich für die Schließung der Folterlager ein und gibt gerade in diesen Zeiten ein Interview nach dem anderen.

Grund genug sich sein 2007 erschienenes Buch “Fünf Jahre meines Lebens” wieder ins Gedächtnis zu rufen. Darin beschreibt Kurnaz eindrücklich seine Erlebnisse in Guantanamo und damit seine eigene Geschichte. Mit 19 Jahren möchte der Bremer Deutsch-Türke Kurnaz in Pakistan auf eine Koranschule gehen. Doch bald wird er bei einer Sicherheitskontrolle in einem Bus, ohne zu wissen warum, verhaftet. Der ahnungslose Jugendliche steht unter Terrorverdacht. Wie schnell man doch in Schuldzuweisungen sein kann…

Für 3.000 Dollar kaufen die USA ihn von der pakistanischen Polizei ab!!! Sein Martyrium beginnt. Über Afghanistan kommt er nach Guantanamo Bay. “Weißt du, was die Deutschen mit den Juden gemacht haben? Genau das machen wir jetzt mit euch,” hört er gleich zu Beginn einen Soldaten sagen. weiterlesen »


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Fast jeden Tag erleben wir alle diese Szene: Wir hetzen gerade mal so nebenbei in den Supermarkt und wollen nur eine Kleinigkeit für den ausgehungerten Magen kaufen oder vielleicht sich sogar an das Abenteuer Großeinkauf wagen. Doch schon quengelt uns das erste Kind an, zwei Leute halten gerade vor dem Regal ein Schwätzchen, wo man jetzt dringend hin muss, die Preise sind zu hoch, die Farben grell, die Musik und Werbung dröhnen in unseren Köpfen und dann ist auch noch die Schlange an der Kasse zu lang.

Cover zu “Die Leiden einer jungen Kassiererin © RiemannWie häufig haben wir dann schon direkt oder nur indirekt unseren Frust an der Kassiererin abgelassen, das letzte Hindernis, das uns noch vom Verlassen dieses stressigen Ortes hindert? Wie oft hat man sich schon gedacht, warum die Person so unfreundlich ist, warum sie einen so pampig begrüßt und warum, zum Teufel nochmal, sie die Sachen nicht schneller über den Scanner zieht?

Für all diese Fragen, gibt es häufig, eine einfache Antwort: Wir sind der Grund! Wir behandeln die Kassierer doch meist wie einen Teil der Kasse, beschweren uns über Dinge, für die sie nichts können oder einfach nur, weil wir schlechte Laune haben. Und das müssen sich die Damen und Herren täglich geschätzte 2 Mio. Mal anhören. Da wären auch wir unfreundlich.

Und dann kommt noch der Status im eigenen Betrieb dazu. Kassierer haben in den meisten Großmärkten keinerlei Eigenverantwortung, müssen für alles den Chef rufen, werden dann noch überwacht, ja, müssen sogar darum bitten, aufs Klo gehen zu dürfen. weiterlesen »


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Gestern schloss die Buchmesse in Leipzig für dieses Jahr wieder ihre Pforten. Und die Veranstalter waren ganz begeistert: 147.000 Besucher, das sind ganze 14% mehr als im Vorjahr! Und auch die Jugend stürmt immer mehr die Messe. Doch kann die Buchbranche diese Euphorie halten?

Ja, Lesen ist momentan so beliebt wie schon lange nicht mehr und auch immer mehr junge Menschen greifen wieder zum Buch. (Bei dem Fernsehprogramm auch kein Wunder… ;-) ) Und mehr und mehr kann man das Buch wieder in die Alltagskultur zurückkehren sehen. Bücher sind schon lange kein Nischenthema mehr und wer immer noch den Tod des Buches prophezeit, der hat die Augen nicht auf gemacht.

Ja, das Buch lebt weiter, egal ob als E-Book oder auf die gute alte Art, nur die Inhalte haben sich leider gewandelt… Mir scheint, Verlage haben sich gezielt an Medien wie dem Fernsehen orientiert und ihre Programme auf diese Alltagskultur ausgerichtet. So gibt es zu jeder Show gleich ein Buch, zu jedem Z-Promi eine Biographie und auch Serien kommen in Buchform auf den Markt. Die Comic-Sparte (nichts gegen Comics) wächst von Jahr zu Jahr mehr auf den Messen.

Ratgeber und schlechte Retorten-Romane feiern Hochkonjunktur und hier und da ist die Buchmesse längst schon ein Schaulaufen für Fernsehköche und Möchtegern-Sternchen. Ja, es waren auch viele “echte” Schriftsteller auf der Messe. ;-) weiterlesen »


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In seinem neuen Buch “Empörung” stellt der US-amerikanische Autor Philip Roth einmal mehr sein außergewöhnliche Talent unter Beweis. Er schafft es seine bisherigen Hauptthemen wie Alter, Tod, Agonie, Sex, Rebellion, Scheitern, Freiheit oder Außenseitertum auf nur gerade mal 200 Seiten zu solch einer Dichte zu komprimieren, dass der Leser sich tief berührt fühlt und gleichzeitig ein Gefühl der Enge bekommt.

Cover zu “Empörung” © HanserDer Roman ist vielleicht kein neues Meisterwerk, jedoch verdichtet Roth sein Können so, dass man sich fast schon von der Sinnlosigkeit des Lebens eingehüllt und umnebelt fühlt. Seine Hauptmotive werden hier diesmal aus der Sicht der Jugend behandelt.

57 Jahre nach seinem Tod, berichtet Marcus Messner, vielleicht nach Zuckermann ein neues Alter Ego, von einem Ort irgendwo im Jenseits aus, noch einmal von den letzten zwei Jahre seines Lebens. Im Tod scheint es dabei wie im Leben: Messner ist Gefangener seiner selbst. Nur ist das Gefängnis wohl deutlich schlimmer, da er nun als alter, weiser Mann auf seine damaligen Taten und seinen viel zu frühen Tod zurückblickt.

Marcus wuchs als Vorzeigesohn in einer jüdischen Familie in Newark auf. Sein Vater war ein koscherer Metzger und so half Marcus ihm, wo er nur konnte. Das Blut und das Schlachten werden ihn irgendwie sein Leben lang nicht mehr loslassen.

Sein Vater liebte ihn, ohne Frage. Doch je älter Marcus wurde, um so mehr Sorgen machte sich der Vater grundlos. Er erfand Szenarien, welche dem Sohn zustoßen könnten. Und Marcus fühlte sich immer mehr beschränkt. Um der Enge des Elternhauses zu entgehen, flieht er auf ein protestantisches College weit weg. weiterlesen »


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Roberto Saviano ist durch seinen Bestseller “Gomorrha” über die Machenschaften der neapolitanischen Mafia, der Camorra, berühmt geworden. Wohl vor allem auch deshalb, da er in dem Buch so schonungslos enthüllt und berichtet, dass er auf der Todesliste der Mafia steht.

Cover zu “Das Gegenteil von Tod” © Hanser VerlagSchon lange kann Roberto Saviano nicht mehr ohne Bodyguards in die Öffentlichkeit, er lebt ein Leben im Verborgenen und Interviews können nur an geheimen Orten stattfinden. Klar, dass es unter diesen Bedingungen schwer für einen Autor ist an den ersten Welterfolg anzuknüpfen. Doch Saviano scheint dies zu gelingen. In “Das Gegenteil von Tod” beschreibt er die andere Seite von “Gomorrha“.

Enthüllte er in seinem ersten Buch vor allem die komplexen Strukturen der Mafia in Neapel auf journalistische Weise, geht er nun näher an die Leute heran, die tagtäglich mit dem Wahnsinn des Verbrechens umgehen müssen. Jene Italiener, die sich zwar an die Gesetze halten, doch unfreiwillig, einfach weil sie dort leben, zwischen oder direkt an die Fronten geraten. weiterlesen »


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Heiner Müller © Jürgens Ost und Europa Photo, BerlinGestern wäre der Dramatiker und Autor Heiner Müller 80 Jahre alt geworden. Grund genug hier einmal wieder seine Werke und seinen politischen Einsatz in unser Gedächtnis zu rufen.

Ich bin ein großer Freund seiner kritischen Schriften, Theaterstücke und Gedichte, weshalb ich euch morgen den Autor auch noch einmal näher vorstellen werde.

Heute wollte ich eigentlich ein Gedicht von ihm online stellen und bin dann bei meiner Recherche über seine berühmte Rede vor Demonstranten in Berlin am 4. November 1989 gestolpert. Beim Lesen musste ich dann breit grinsen, denn einiges ist heute immer noch extrem aktuell, ob nun im Westen oder im Osten. Daher habe ich mich an dieser Stelle für die Rede entschieden: weiterlesen »


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Cover zu “Teufelskind” © GoldmannNatsuo Kirino – Das ist die Skandalautorin Japans. Sie hat es als erste Autorin gewagt, Frauen aus der vom Patriarchat geprägten Gesellschaft des Landes ausbrechen zu lassen und ihre Hauptfiguren blutig Rache an der verdrehten und brutalen Welt nehmen lassen. Doch genau diese Skandale haben ihren internationalen Erfolg ausgemacht.

Nun ist ihr mittlerweile sechszehnter Roman “Teufelskind” auch hierzulande erschienen. Und auch in diesem Werk dreht es sich um eine Frau, die aufgrund der widrigen Lebensumstände zur Furie wird.

Die kleine Aiko Matsushima wächst in einem Bordell in Tokio auf. Schon von klein auf hat sie nicht gerade die Sonnenseite des Lebens gepachtet. Von allen wird sie nur als “nutzloser Dreck” herumgeschupst. Ihren Vater kennt sie nicht und auch die Mutter ist schon lange fort. Das einzige, das Aiko von ihr geblieben ist, ist ein Paar weiße Schuhe, die sie hütet und zu denen sie eine fast engere Beziehung hat als zu irgendeinem Menschen. Denn Aiko hat auch keine Freunde oder weitere Verwandte.

Als das Bordell geschlossen werden muss, kommt sie in ein Waisenhaus. Und auch dort ist sie Außenseiter und wird von allen verachtet. Schon früh beginnt sie deshalb sich an gewissen Personen zu rächen oder legt Feuer. weiterlesen »


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Finanzkrise hier, Finanzkrise da. Und während Mutter Beimer Merkel gestern auch noch das deutsche Konjunkturpaket versucht hat schön zu reden (“damit ist Deutschland EU-weit ganz vorne” ja klar!), rotieren manch andere wohl im Grab, weil sich die Geschichte mal wieder wiederholt.

Einer von ihnen ist sicher Kurt Tucholsky. Und es gibt ein Gedicht aus dem Jahr 1930, das die momentanen Ereignisse auch heute wieder auf den Punkt trifft. Es wird fälschlicherweise immer Tucholsky untergeschoben. In Wahrheit ist das titellose Gedicht nicht von ihm, sondern von einem gewissen Richard G. Kerschhofer. Wie und warum es dann als Tucholsky’s Werk ausgegeben wurde, ist noch unklar, aber ich bin mir sicher der Inhalt wäre in seinem Sinn gewesen. Und immer munter weiterrotieren… ;-) weiterlesen »


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Cover zu “Marionetten” © Ullstein HcEndlich ist er da, der neue John le Carré: In “Marionetten” beschäftigt er sich mit dem 11. September und seinen Folgen. Unter dem Deckmantel der Sicherheit wird jeder zum Verdächtigen und der Staat benutzt diesen Vorwand für Gesetzesänderungen und Einschränkungen der Freiheitsrechte.

Das Buch ist damit hochaktuell und zeigt uns das Chaos unserer eigenen Gesellschaft und vor allem deren Systeme, allen voran hier die Geheimdienste, auf. Inspiriert wurde der Autor le Carré, der in den 1960er Jahren selbst zum britischen Geheimdienst MI6 gehörte, vom Schicksal des Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz, der zu Unrecht dort festgehalten und brutal gefoltert wurde. weiterlesen »


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