Roberto Saviano ist durch seinen Bestseller “Gomorrha” über die Machenschaften der neapolitanischen Mafia, der Camorra, berühmt geworden. Wohl vor allem auch deshalb, da er in dem Buch so schonungslos enthüllt und berichtet, dass er auf der Todesliste der Mafia steht.
Schon lange kann Roberto Saviano nicht mehr ohne Bodyguards in die Öffentlichkeit, er lebt ein Leben im Verborgenen und Interviews können nur an geheimen Orten stattfinden. Klar, dass es unter diesen Bedingungen schwer für einen Autor ist an den ersten Welterfolg anzuknüpfen. Doch Saviano scheint dies zu gelingen. In “Das Gegenteil von Tod” beschreibt er die andere Seite von “Gomorrha“.
Enthüllte er in seinem ersten Buch vor allem die komplexen Strukturen der Mafia in Neapel auf journalistische Weise, geht er nun näher an die Leute heran, die tagtäglich mit dem Wahnsinn des Verbrechens umgehen müssen. Jene Italiener, die sich zwar an die Gesetze halten, doch unfreiwillig, einfach weil sie dort leben, zwischen oder direkt an die Fronten geraten. weiterlesen »
“Der Vorleser” von Bernhard Schlink hat das Bild der Deutschen im Ausland entscheidend mitgeprägt, denn das Buch wurde schlagartig zum Welterfolg. In 27 Sprachen übersetzt, war es nur eine Frage der Zeit, wann es eine Verfilmung geben würde. Nun hatte “Der Vorleser” mit Kate Winslet in der Hauptrolle bei der Berlinale Premiere.
Den Erfolg des Buches macht wohl nicht zuletzt der tiefschürfende und für viele wohl relativ ungewöhnliche Umgang mit dem Thema der Judenmorde im Deutschen Reich aus. Es geht um die Frage nach der Schuld im Nachhinein und um die (De-)Maskierung der Täter und Opfer.
Doch zunächst scheint eine ungewöhnliche Liebesgeschichte im Vordergrund zu stehen. Der 15-jährige Gymnasiast Michael lernt die 20 Jahre ältere Hanna kennen. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden mehr und Michael erlebt die erste Liebe und das erste Mal zusammen mit dieser älteren Frau, die jede Frage nach ihrer Vergangenheit abblockt. Sie liebt es, wenn er ihr vorliest.
Doch plötzlich verschwindet Hanna spurlos und Michael kann sich nur schwer damit abfinden, wie das mit dem Ende der ersten Liebe eben so ist. Jahre später werden sie sich wiedersehen und zwar vor Gericht. Es sind die Prozesse um die Morde an den Juden im KZ Auschwitz. Michael studiert inzwischen Jura und verfolgt die Prozesse zusammen mit einer Gruppe von Kommilitonen. Er traut seinen Augen und Ohren nicht, denn eine der Hauptangeklagten ist Hanna. weiterlesen »
Eine der literarischen Überraschungen des Jahres war wohl das Erstlingswerk “Der weiße Tiger” des indischen Schriftstellers Aravind Adiga. Hier lernen wir Indien kennen, wie es sonst nur selten in Büchern vorkommt: Schonungslos ehrlich und trotzdem humorvoll zeigt uns der Autor die Fratze des Landes.
Denn obwohl das Land in den letzten Jahren einen großen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren hat, herrscht dort immer noch extreme soziale Ungerechtigkeit, das strikte Kastenwesen ist immer noch nicht abgeschafft und Dreck und Armut bestimmt das Leben der meisten Menschen jenseits der Bollywood-Träume.
Der junge Balram Halwai, auch “der weiße Tiger” genannt, wächst in einem armen Dorf in der indischen Provinz auf. Er gehört zu einer der untersten Kasten, der der Zuckerbäcker. Doch, im Vergleich zu den anderen Kindern, ist Balram eine Ausnahme: Er ist der beste in der Schule und fällt auch sonst durch seinen Wortwitz und seine Neugier auf. Trotzdem kann er die Schule nicht zu Ende machen, da er und sein Bruder schon früh die Familie ernähren müssen. weiterlesen »
“Bordeaux” heißt der zweite Roman des englischen Schriftstellers Paul Torday und Bordeaux ist auch die Leidenschaft und das Verhängnis des Protagonisten Frankie Wilberforce.
Wilberforce ist Mitte 30, hat einst sein Studium geschmissen um sich eine Softwarefirma aufzubauen, die schnell erfolgreich wird. Schließlich kann er sogar 50 Mitarbeiter beschäftigen. Doch sein Leben ist leer. Er ist ein Workaholic, arbeitet an die 14 Stunden pro Tag, ernährt sich fast nur von Fast Food und ist unglücklicher Single.
Durch einen Zufall lernt er den etwas exzentrischen, alten Millionär Francis Black kennen. Dieser führt Wilberforce nun immer mehr in die britische Upper Class ein. Black wird für ihn zu einer Art Vaterfigur. Frankie schmeißt seine Firma hin und geht mit seinen neuen Freunden lieber auf Dinner-Parties und Moorhuhnjagd. weiterlesen »
Endlich ist er da, der neue John le Carré: In “Marionetten” beschäftigt er sich mit dem 11. September und seinen Folgen. Unter dem Deckmantel der Sicherheit wird jeder zum Verdächtigen und der Staat benutzt diesen Vorwand für Gesetzesänderungen und Einschränkungen der Freiheitsrechte.
Das Buch ist damit hochaktuell und zeigt uns das Chaos unserer eigenen Gesellschaft und vor allem deren Systeme, allen voran hier die Geheimdienste, auf. Inspiriert wurde der Autor le Carré, der in den 1960er Jahren selbst zum britischen Geheimdienst MI6 gehörte, vom Schicksal des Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz, der zu Unrecht dort festgehalten und brutal gefoltert wurde. weiterlesen »
Heute geht die Frankfurter Buchmesse zu Ende. Dieses Jahr war die Türkei das Gastland der Messe. Zu diesem Anlass möchte ich euch das türkische Buch vorstellen, das mich in letzter Zeit am meisten beeindruckt hat: “Glückseligkeit” von Zülfü Livaneli.
Livaneli ist in der Türkei heute ein angesehender Sänger, Filmemacher und Autor. Er ist einer, der sich vehement auch immer wieder politisch einsetzt. Dabei steht er deutlich links. Eine Zeit lang war er auch Mitglied des türkischen Parlaments und setzte sich immer wieder für eine Aussöhnung zwischen der Türkei und Griechenland ein. Aus Protest gegen die Parteienlandschaft trat er schließlich von seinen Ämtern zurück. Anfang der 1980er Jahre musste er einige Jahre wegen seiner politischen Ansichten ins Exil gehen.
Sein Roman “Glückseligkeit” und der dazugehörige Film war in der Türkei ein Riesenerfolg, gleichzeitig aber auch vielen aufgrund der Thematik ein Dorn im Auge. weiterlesen »
Gestern lief der Film “Der ewige Gärtner” auf Sat1 und ich wurde wieder an das gleichnamige wunderbare Buch von John Le Carré erinnert. Es ist ein schockierendes und aufrüttelndes Werk, eben so wie der Film, der einem das grausame Ausbeuten von ärmeren Ländern unserer westlichen Welt drastisch vor Augen führt.
Wir alle ruhen uns auf dieser Ausbeutung aus und können gleichzeitig nicht anders. Und genau diesen Zynismus konnte man auch gestern vor der Glotze wieder sehen. Am Ende, als man gerade kranke, hungernde, afrikanische Kinder sah, blendete der Sender eine Vorschau für den “Prinz von Zamunda” ein und zwischendrin konnte man natürlich wieder den Produktinformationen lauschen, die sich zum Teil auch noch um Medikamente und andere Dinge drehten, die mit größter Wahrscheinlichkeit auch auf Kosten Afrikas oder Südamerikas zu uns nach Hause kommen.
Okay, aber erst mal zur Story: Im Nairobi des Jahres 2000 tummeln sich elitäre britische Diplomaten, abgeschottet von Hunger und Elend um sie herum. Diese Welt wird scheinbar erschüttert als die Leiche der engagierten Tessa Quayle grausam zugerichtet in der Wildnis gefunden wird. Sie war die Frau des Diplomaten Justin Quayle und hat, ohne, dass ihr Mann davon wusste, auf eigene Faust gegen die üblen Machenschaften eines Pharmakonzerns ermittelt. weiterlesen »
Das neue Buch des türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk hat viele Kerne und Lesarten und genau dies macht “Das Museum der Unschuld” zu einem besonderen Vergnügen.
In einem für Pamuk ungewohnt leichtem Stil kommt es daher und man kann die Geschichte sofort aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Und während des Lesens kommen immer neue Aspekte hinzu. Wer will, vernimmt eine herzzereißende Liebesgeschichte um das alte Spiel à la Romeo und Julia, eine Liebe, die nicht sein darf. Oder man nimmt die die leichte Ironie oder Kritik wahr, die im Zusammentreffen von Orient und Okzident, von Arm und Reich, mitschwingt. Vielleicht steht für einen persönlich auch der Umgang mit Erinnerungen im Vordergrund… weiterlesen »
Hier nun also das erste der Büchern, die es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2008 geschafft haben und von denen ich euch in den nächsten Wochen das eine oder andere vorstellen möchte: “Kollateralschaden” von Olga Flor.
Vielleicht habt ihr euch auch schon einmal beim täglichen Einkauf im Supermarkt gedacht, was die anderen Einkaufenden gerade so denken, was sie um- und antreibt und wie sie so durchs Leben rutschen. Gerade an so alltäglichen Orten, bei so alltäglichen Dingen, die man mal eben schnell im Vorbeigehen erledigt, treffen willkürlich Menschen zusammen, die auf den ersten Blick nicht gemein haben.
Und genau diese Situation seziert die Grazer Autorin Olga Flor in ihrem Buch “Kollateralschaden” ganz genau. Jedes Kapitel bedeutet eine Minute Handlung im Buch. In diesem Minutentakt blickt der Leser dann nach und nach in die Köpfe der Protagonisten. Da ist zum Beispiel die Angstellte im Bauamt, der zuhause seine bettlägerige Frau pflegen muss, Doris, die immer kalorienbewusst einkauft oder die Rechtsaußen-Politikerin Luise, die doch nur einen Mann haben will. weiterlesen »
Mit seinem zweiten Buch “Der Begleiter” ist dem Autor Norbert Kron ein bissiges, satirisches und ein wenig tragisches Werk über unsere heutige Gesellschaft gelungen, die für Geld fast alles tun würde, aber doch nicht glücklich wird.
Norbert Kron, der selbst wie sein Protagonist, Kulturjournalist ist, zeigt uns hier sehr deutlich die Käuflichkeit unserer modernen Gesellschaft auf und wie wir alles, sogar die Liebe, zu einem geschäft machen.
Alexander Felitsch ist ein hochqualifizierter Kunstjournalist, der für Geld fast alles schreiben würde. Doch als sich seine Berliner Redaktion auflöst, kann er sich als Freier Journalist nicht mehr so recht über Wasser halten. Was also tun? Felitsch arbeitet von nun bei einem Escortservice. weiterlesen »