In den letzten Jahren werden wir immer mehr mit Thrillern und Krimis bombadiert, deren Themen inzwischen schon fast erschöpft scheinen. Längst kennt man Psychopaten, die sich in immer abstruser werdenden Mordtiraden ergehen, Terroristen, die das Land bedrohen, moralische Protagonisten, die das Gute in der Welt wieder herstellen wollen, oder Peudoverbrechen, die mit Liebesgeplänkel überdeckt werden.
Wie gut tut da die neue Serie des Rotbuch Verlages, die versucht an den Wurzeln des Hard-Case-Crime-Genres anzuknüpfen. Nach drei Jahren ist die Reihe nun auch auf deutsch erschienen und den Anfang macht mitunter Allan Guthrie mit “Abschied ohne Küsse”. Schon das Cover erinnert einen an die Pulps der 1950er und 60er Jahre. weiterlesen »
Freunde des Hardboiles-Genres werden in David Ellis Roman “In Gottes Namen” (im Original: “The Eye of the Beholder”, sehr komisch übersetzt) eine kurzweilige, nicht sehr anspruchsvolle, aber stets spannende Geschichte finden. In guter alter Manier geht es hier mordtechnisch richtig zur Sache.
Auf dem Gelände des Mansbury Colleges werden 1989 sechs grausam zugerichtete Frauenleichen gefunden, zwei von ihnen sind Studentinnen, die restliche vier Prostituierte. Schnell sprechen alle Indizien für den Hausmeister Terry Burgos, der eine der beisen Studentinnen auch belästigt und gestalkt haben soll.
Für den jungen Anwalt Paul Riley ist der Prozess gegen Burgos der Einstieg in eine stele Karriere. Kurz vor dem Vollstrecken der Todesstrafe im Jahr 1997 flüstert der offentsichtliche Mörder Riley ins Ohr: “Ich bin nicht der Einzige”. weiterlesen »
Der schrullige und liebenswerte Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu ist schon beinahe Kult. Nun ist vor kurzem sein neuester Fall aus der Feder des Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr erschienen. Doch können sie in “Laienspiel: Kluftingers neuer Fall” an den Charme der drei Vorgänger anknüpfen?
Jein… Vorneweg, es ist wieder ein wirklich unterhaltsames Buch, es gibt natürlich einiges zu lachen und die Autoren bemühen sich sichtlich die Geschichte für jedermann zugänglich zu machen. Und genau darin liegt an manchen Stellen, und besonders in der Charakterzeichnung, der Hund begraben. Sie meinen es teilweise etwas zu gut. Weniger wäre an einigen Stellen wohl eher mehr gewesen. Das fängt schon beim Plot an:
Nachdem ein Student von österreichischen Polizisten über die deutsche Grenze gejagt wurde, erschießt er sich. Logischerweise
zeigt es sich, dass er vor kurzem zum Islam übergetreten ist und Mitglied einer Terrorzelle ist, die im Allgäu einen Anschlag planen. Doch wo wird dieser Anschlag sein? Kluftinger ermittelt nun zusammen mit den Kollegen des BKA und aus Österreich. Doch ein Verdächtiger nach dem anderen kommt ums Leben…
Allgemein finde ich die Überspitzung der Angst vor der Terrorgefahr hier besonders gut gelungen (ein Anschlag im Allgäu!
), doch die Übertreibung wirkt manchmal dermaßen fehl am Platz, dass es einfach nicht zu passen scheint. Leider!
Desweiteren sind mir die Figuren, wie schon erwähnt, in diesem Buch zu überzogen. Waren Kluftinger und seine Kollegen in den Vorgängern noch einfach kauzig, skurril und liebenswürdig, so werden sie hier schon teils zu einer Farce. Zu viele Klischees tun keinem gut!
Trotzdem: Spannend ist er meist und alles in allem muss man aber sagen, dass “Laienspiel” aber ein ganz unterhaltsames Buch für Zwischendurch ist, in dem jeder etwas finden wird, nur leider kann es an die Vorgänger nicht ganz anknüpfen.
Richard Montanari hat nun seinen dritten Roman um die Detectives Kevin Byrne und Jessica Balzano veröffentlicht und ihm ist es gelungen die Spannung der beiden Vorgänger in “Lunatic” sogar noch zu erhöhen.
Am Ufer des Schykill Fluss bei Philadelphia wird eine junge Frau gefunden. Von weitem erkennt man gar nicht, was mit ihr los ist, doch kommt man näher stellt man fest, dass sie tot ist. Sie wurde anscheinend erdrosselt und dann in ein weißes Kleid gesteckt und in sitzender Pose am See platziert. Doch am bizarrsten ist wohl, dass der Mörder ihr die Füße abgesägt hat, die ein paar Meter weiter in rote Schuhe gesteckt gefunden werden.
Die beiden Detectives Byrne und Balzano werden auf den Mord angesetzt. Schnell gibt es einen zweiten Mord, ebenfalls am Schykill Fuss und wieder ist die Frauenleiche bizarr inszeniert. Die ersten Ermitlungen führen in eine Sackgasse. Und während sich die Medien auf die Morde stürzen und den Serienkiller “Moon” nennen, wird auch ein hochrangiger Polizist ermordet. Doch wie hängen diese beiden Fälle zusammen?
Den beiden Ermittlern dämmert es erst als es schon fast zu spät ist, denn auch Balzano und gerät in Moons Visier…
Zunächst einmal muss man bei “Lunatic” zugeben, dass das Klischee des genialen Serienkillers ja schon fast ausgelutscht ist. Und auch die problembelasteten Cops sind nicht wirklich neu. Aber Montanari gelingt es seine Geschichte so temporeich und spannend voranzutreiben, dass die flachen Charktere fast schon zur Nebensache werden.
Bis zum Ende führt einen der Autor in die Irre, was das Ende dann besonders gut macht.
Gefallen hat mir auch der schwarze Humor, der zwischendrin mal durchscheint, und die enfallsreichen und merkwürdigen Inszenierungen der Leichen. (Bäähh, ich weiß…
)
Richard Montanari hat hier bestimmt kein Meisterwerk geschrieben und moon-süchtig wird man auch nicht werden, aber man ist für eine Zeit gut unterhalten und wird es auch nicht bereuen es gelesen zu haben. Der perfekte Happs für Zwischendurch…
Wer ein Buch sucht, bei dem das Thema Vampir mal ohne die üblichen Klischees angepackt wird, dem empfehle ich Dan Simmons‘ “Kinder der Nacht”. Hier laufen keine blutsaugenden Monster in halb-romantisch-verklärten Posen durch die Nacht und sie sind auch keine Menschen zefetzenden Bestien. Nein, Simmons geht das Thema von einer wissenschaftlichen Seite aus an und verpackt dies in einen spannenden Mystery-Krimi.
Kurz nach dem Zusammenbruch des Sozialismus ist die Ärztin Kate Neumann in Rumänien unterwegs um dort Kindern in einem Waisenhaus zu helfen. Hier sterben die Kinder aus Mangel an den nötigen Hilfsmitteln oder einfach, weil sich niemand so richtig für sie interessiert. Hier begegnet ihr der kleine ausgemergelte Joshua, der zu ebenfalls zu sterben droht, wenn er keine entsprechende Hilfe bekommt. Doch die Hilfe, die das Kind, dessen Vergangenheit niemand kennt, braucht ist außergewöhnlich: Er kommt nur zu Kräften, wenn man ihm Blut injiziert.
Kate adoptiert Joshua und nimmt ihn mit in die USA. Hier stellt sie fest, dass der Junge eine Art Schattenorgan im Magenbereich hat, das dafür verantwortlich ist, dass das Kind fremdes Blut braucht. Es gelingt Kate einen Ersatzstoff herzustellen und sie ist durch Joshua noch etwas anderem auf der Spur: einem Heilmittel gegen AIDS und Krebs.
Doch noch bevor sie weiterforschen kann, wird in Kates Haus eingebrochen, ihr Ex-Mann und ihre Freundin ermordet und Joshua entführt. Welches Geheimnis umgibt diesen Jungen? Sie nimmt die Verfolgung auf und die Spur führt zurück nach Rumänien…
“Kinder der Nacht” ist wirklich spannend bis zum Ende, auch wenn dieses, für meinen Geschmack, ein bisschen zu sehr an Hollywood erinnert.
In Sachen Recherche hat der Autor gute Arbeit geleistet, so dass man ganz nebenbei auch noch einiges über Rumänien erfährt.
Natürlich kommt auch dieses Buch nicht am Mythos Dracula dran vorbei. Aber Simmons hat diesen so gut in seine Geschichte verwoben, dass man ein ganz neues Bild von Vampiren und deren historischer Position bekommt.
Manche Leute werden sich vielleicht an den medizinischen Ausdrücken stören, von denen es doch schon ein paar gibt. Aber ich finde, dass sie irgendwie zur Atmosphäre passen.
Dieses Buch ist sicherlich nicht das Beste von Simmons, aber mit Sicherheit auf dem Gebiet der Vampir-Literatur ein kleiner Meilenstein.
RTL hat sich die Rechte für die Verfilmung von gleich zwei “Altwerken” von Frank Schätzing gekrallt. Und es wird auch schnell klar, warum gerade diese zwei Werke, “Mordhunger” und “Die dunkle Seite”. Beide lagen lange Zeit als Manuskript unangetastet in den Schubladen Schätzings und wurden dann, natürlich nicht aus kommerziellen Gründen
, nach dem Riesenerfolg von “Der Schwarm” dann doch veröffentlicht.
Man merkt beiden Büchern an, dass sie Erstlingswerke sind. Wobei “Mordshunger” sogar noch einen Tick besser ist als “Die dunkle Seite“. Vom inhaltlichen und sprachlichen Niveau also genau das Richtige für RTL…
“Mordshunger” war, laut Schätzing, sein allererstes Buch. Doch sein Mittelalterroman “Tod und Teufel” wurde (besser wars) dann doch früher, also als sein eigentliches Debüt, verlegt.
Die schwer reiche Inka von Barneck wird von einem Nachbarn mit auggeschlitzter Kehle gefunden. Der stets hungrige Kommissar und selbst ernannter Gourmet Romanus Cüpper leitet zusammen mit seinem Assistenten Rabenhorst die Ermittlungen. Doch die Liste der Verdächtigen ist lang, denn die zickige und skrupellose Inka hatte viele Feinde. Da gibt es u.a. die eigene Tochter, die seit Jahren schon kein gutes Verhältnis mehr zu ihrer Mutter hat, ihre ehemalige Kollegin, die Inka um ihre Agentur betrogen hat, und der Ehemann, der in zweilichtige Geschäfte verwickelt ist. Doch der wahre Mörder hat sich sein Alibi geschickt zusammegebastelt…
“Mordshunger” ist neben einem klassischen Krimi gleichzeitig eine kleine Gourmetreise durch Köln. Kommissar Cüpper versucht jedem, dem er begegnet ein Rezept aus den Rippen zu leiern. Als zusätzlichen Gimmick gibt es im Anhang noch 15 Rezepte von 15 Kölner Spitzenköchen. Die Idee einen Krimi auf Kochen aufzubauen finde ich so gar nicht schlecht, denn hungrig sind in diesem Buch alle, ob nach Sex, Geld oder Macht. Zudem können Ermittlungen ja auch wie ein gutes Gericht nacht und nach aufgebaut und mit kleinen Raffinessen gewürzt werden.
Doch genau diese fehlt Schätzing in seinem Buch. Man merkt ihm das Erstlingwerk deutlich an. Die Sprache ist nich nicht ganz ausgereift. Die Geschichte und auch die Spanung hinken zeitweilen ganz schön.
Wer Frank Schätzing zum ersten Mal liest, sollte sich veilleicht lieber an “Der Schwarm” oder im historischen Bereich “Tod und Teufel” halten. Für Schätzing Fans allerdings nett zu sehen, dass jeder mal klein anfängt und wie er nach und nach seine Sprachfertigkeiten verbessert hat.
Die Verfilmung von RTL heute abend um 20:15 Uhr im TV…
Gerade jetzt, so kurz vor den Olympischen Spielen in Peking, tut jedes Buch gut, das offen mit den Machtverhältnissen Chinas umgeht und über die in den gängigen Medien gezeigten Bilder hinausgeht. Und wenn diese Kritik dann noch nicht trocken rüberkommt, sondern in eine interessante und spannende Geschichte verpackt ist, tut das doppelt so gut.
Mit “Goldener Reis” hat der englische Autor Andy Oakes den Kommissar Sun Piao aus seinem Buch “Drachenauge” wieder bemüht. Und das Anknüpfen an den Vorgängerroman ist ihm vortrefflich gelungen. Das Blut fließt mal wieder in Strömen, die Handlung hat Spannungspunkte, die einen plötzlich Mitreißen, und die Sozialkritik nimmt angesichts der aktuellen und noch kommenden Ereignisse einen noch größeren Stellenwert ein.
Auf der Baustelle des neuen Nationalstadions in Shanghai, in dem in Kürze die Olympischen Spiel 2008 stattfinden sollen, vergewaltigen von ihrem Vorgesetzten gezwungen ein paar Offiziere vier junge Frauen und foltern drei von ihnen mit Rasierklingen zu Tode. Nur eine, Lan Li, kann mit schweren Verletzungen entkommen. Nachdem sich die Soldaten bei der Tat gefilmt haben betonieren sie die Leichen ein.
Inspektor Di übernimmt die Ermittlungen, denn es ist nicht das erste Verbrechen dieser Art. Doch bevor Di überhaupt mit seiner Arbeit beginnen kann, wird ihm der Fall auch schon entzogen und an die Volksbefreiungsarmee abgegeben. Doch anscheinend wusste Di bereits zuviel. Er und sein Partner werden ermordet und ihre Leichen bizarr zur Schau gestellt.
Sun Piao, der im Zuge einer Säuberungsaktion zu einer Art Umerziehung in die Psychatrie gesteckt wurde, kehrt nach dieser Zeit nach Shanghai zurück. Er und sein Partner Pan Yaobang ermitteln nun inoffiziell gegen die Mörder Suns ehemaligen Vorgestzten Di. Doch immer mehr wird klar, dass sich die Morde bis in die Führungspositionen der chinesischen Regierung ziehen. Immer mehr werden sie in eine Welt aus politischen Intrigen, Korruption und Prostitution hineingezogen. Und sie kratzen hierbei nur an der Spitze des Eisberges. Ihre Lage wird zunehmend gefährlicher…
“Goldener Reis” wartet, wie auch schon im Vorgänger, mit einem charismatischen Ermittlerduo auf. Der coole, aber stets sympatische Sun und sein kongenialer Partner Pan, der meist einfach lieber mit dem Kopf durch die Wand geht als den komplizierteren Weg zu gehen, wagn sich in einer gut durchdachten Geschichte in die Kreise der Mächtigen des Landes.
Zwischendrin erfährt man in kleinen Einschüben näheres über die Lage und die Lebenssituation in China. Er prangert offen die Scheindemokratie an, in der das Militär die fats uneingeschränkte Macht inne hat, und eröffnet dem Leser zudem neue und aufschlussreiche Einblicke in die wirtschaftlichen Vorgänge, vor allem der der Ernährungsindustrie.
Bei allen Informationen und gut recherchierten Details lässt Oakes aber nie die Spannung und das Vorantreiben der Geschichte außer Auge. Auch sein sprachlicher Stil überzeugt.
Für alle, die beim Krimilesen das Denken nicht abschalten wollen…
Europaweit wurde der Schwede Mikael Niemi auf einen Schlag durch seinen Debütroman “Populärmusik aus Vittula” bekannt. Nun hat er bei seinem dritten Buch die Form des Krimis gewählt, wohl auch um den ewigen Vergleichen mit seinem Erstlingswerk zu entkommen. (Hat ja super geklappt, wie man hier sieht…
)
“Der Mann, der starb wie ein Lachs” ist vor allem eine Ode an Niemis Heimat und eine überzeugende Darstellung der schwierigen Beziehung zwischen Schweden und Finnland.
Als die Gemeindeangestellte Rauha Jauhöjärvi vor der Tür Martin Uddes steht um nach dem alten Mann zu sehen, wird ihr ganz komisch zumute. Das ganze Haus ist von einem widerlichen Gestank umgeben. Sie tritt ein und ihre düstere Vorahnung bestätigt sich.
Drinnen ist es stickig und warm. Die Herdplatte ist voll aufgedreht und darauf liegt ein verkohltes Etwas, doch das schlimmste befindet sich im Schlafzimmer. Auf seinem Bett liegt Udde mit einem Lachsspeer aufegspießt.
Die junge Polizistin Therese Fossnes wird auf den Fall angesetzt und ist nicht gerade begeistert an einem abgelegenen Ort zu ermitteln, wo sie den Dialekt nicht versteht und ihr die Leute komisch vorkommen. Zu allem Überfluss verliebt sie sich ausgerechnet in den Hauptverdächtigen und erkennt, dass hinter dem Fall mehr steckt als erwartet.
Ich muss leider sagen, die Geschichte ist für einen Krimi nicht sehr spannend, aber wenn man das Buch von mehr als nur diesem einen Blickwinkel aus betrachtet, zieht es einen trotzdem in seinen Bann. Besonders die Sprachexperimente und der teilwiese skurrile und absurde Humor Niemis überzeugen.
Das Buch kommt extrem authentisch und emotionsgeladen daher, wobei man ständig zwischen Schroffheit und zärtlicher Sympathie hin und her gerissen ist.
Vor allem die Charaktere sind besonders gut herausgearbeitet und dies von den Protagonisten bis hin zu Nebendarstellern.
“Der Mann, der starb wie ein Lachs” ist tiefgründig, vielschichtig und sehr “nordisch”. Er beschreibt Menschen, die verzweifelt um den Erhalt ihrer Kultur kämpfen, und liefert zugleich tiefe Einblicke in die Seele des schwedischen Landstriches Tornedalens.
Den Namen Mikael Niemi sollte man sich unbedingt unter den skandibavischen Autoren merken!
Das Romandebüt des Kolumnisten Linus Reichlin kommt als etwas kauziger und schräger Krimi daher. Dass es gerade diese Form annimmt mag einige überraschen. Kennt man Reichlin doch bisher eher als Autor von zum Beispiel Kolumnensammlungen mit Titeln wie “Kampf gegen den Orgasmus”.
Doch “Die Sehnsucht der Atome” schlägt einen eher skurrilen und philosophischen Tonfall an.
Der Schauplatz ist Brügge: Der belgische Inspektor Hannes Jensen steht kurz vor seiner Frühpensionierung und beginnt sich zu langweilen, daher befasst er sich mit Quantenphysik. Schon bald hält er sich einsam und frustriert für ein bindungsunfähiges Helium-Atom, das alleine durch eine Welt mit bindungsfreudigen Teilchen schwirrt.
Doch dann wird er in einen heiklen Fall verwickelt: Ein Ehepaar wird ermordet. Aber nicht zusammen, nein, er stirbt in einem Hotel in Brügge, sie zuhause in Kalifornien. Trotz der riesigen Entfernung sind die Todesursache und sogar der Todeszeitpunkt identisch.
Zudem verschwinden ihre Söhne spurlos, wahrscheinlich von religiösen Fanatikern nach Mexiko entführt. Jensen beginnt den Kindern hinterherzureisen. Er trifft auf die blinde O’Hara, die die Entführer ebenfalls aus persönlichen Gründen stellen will.
Daraus entwickelt sich ein schräger Plot, teils Liebesgeschichte, teils Abenteuer.
Leider reicht es plottechnisch nicht immert für eine spannende Krimigeschichte, obwohl die Geschichte wirklich mysteriös ist. Doch die wirklich merkwürdigen Einfälle des Autors, die teils überspitzte Charakterzeichnung und die philosophischen Gedankensprünge machen das Buch zu einem echten Lesevergnügen.
Wer schon immer einmal wissen wollte, was die Heisenbergsche Unschärferelation eigentlich mit der Liebe zu tun hat oder wie man als blinde Frau am besten (und skurrilsten) an Informationen kommt, ist hier genau richtig.
Der Name Frank Schätzing wird vielen von seinem Ököthriller “Der Schwarm” her ein Begriff sein. Doch Schätzing, der Leiter einer Werbeagentur, hat zu Beginn seiner Karriere sich eher durch Lokalkrimis im Kölner Raum einen Namen gemacht.
“Tod und Teufel” ist ein Krimi der im Gewand des historischen Romans daherkommt.
Der liebenswerte Dieb und Taugenichts Jakop, der wegen seiner roten Haare auch “der Fuchs” genannt wird, wird im Köln des 13. Jahrhunderts aus Versehen Zeuge eines Mordes. Während er auf einem Baum sitzt und eigentlich nur ein paar Äpfel stehlen will, sieht er wie der Dombaumeister vom Gerüst des gerade entstehenden Kölner Doms gestoßen wird.
Doch, da genau in diesem Moment auch der Ast bricht, auf dem er sitzt, muss ihn wohl auch der Mörder gesehen haben. Jeder, dem Jakop von der Sache erzählt, kommt auf geheimnisvolle Art ums Leben. “Dem Fuchs” wird schnell klar, dass seine einzige Chance sein Leben zu retten darin besteht den Mörder ausfindig zu machen, bevor dieser Jakop findet…
Frank Schätzing beweist mit diesem Buch mal wieder sein Talent, Bücher zu schreiben, an denen jeder etwas findet und die sich deshalb gut verkaufen lassen. Er hat ein unvergleichliches Gespür für den Massengeschmack.
Und so kommt es auch, dass “Tod und Teufel” ein kurzweiliges und gut zu lesendes Buch ist. Die Fakten und die mittelalterliche Lebensweise sind gut recherchiert und so fühlt sich der Leser auf unterhaltsame Art und Weise in der Zeit zurückversetzt.
Zugegeben die Handlung ist nicht besonders originell und auch nur an manchen Stellen spannend, aber in diesem Fall muss sie dies auch nicht zwangsläufig sein.
Es ist ein kurzweiliges Buch, das einen für ein paar Stunden unterhält und das man dann aber auch genauso schnell wieder vergisst. Perfekt zum Beispiel als Urlaubslektüre…