Büchervielfalt

Für Leseratten & alle die lesen können
 


Archiv: Buchneuerscheinung

Leistung, Leistung, Leistung. Na, heute auch schon was geleistet? Oder leistet ihr am heutigen Feiertag etwas nichts?! Wolltet ihr nicht auch schon immer mal die personifizierte leistende Leistung in einer Welt voller leistender Leistung mit einem extra Spritzer Leistung sein? Oder habt ihr die Leistung etwa vergessen?!

Cover zu “Der Bohlenweg”Schon traurig, wenn die Welt nur daraus besteht… Aber so scheint Dieter Bohlen die Menschen zu sehen: Als Arbeitstiere, die sich ständig im Erfolgsdruck und im Leistungskampf messen müssen. Sei immer stärker, schlauer und vor allem besser als der Rest der scheiß Mitmenschen, die dich nur an deinem Erfolg hindern.

Ja, ihr könnt es an meiner Wut merken, die leistende Leberwurst des Musikfernsehens hat mal wieder mit einem neuen Erguss zugeschlagen: “Der Bohlenweg - Planieren statt sanieren“. Hier will uns der Mann mit der Fistel-Singstimme und den dämlichsten Sprüchen der Menschheitsgeschichte also nun erklären wie man Erfolg hat. Mal wieder… Schön und gut, er ist erfolgreich. Das muss man ihm lassen. Aber eben durch was?! Gut, er kann Musik schreiben, die immer so gleich klingt, dass sie jeder erkennt und dann auch gut findet, weil der Song davor war ja auch schon gut etc. Dann kann er noch kleine Stars ausnützen und sie dann wieder wegschmeißen, wenn sie einfach eigene künstlerische Gedanken entwickeln. Und natürlich kann er die Leute beleidigen. weiterlesen »


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Cover zu “Das Museum der Unschuld”Das neue Buch des türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk hat viele Kerne und Lesarten und genau dies macht “Das Museum der Unschuld” zu einem besonderen Vergnügen.

In einem für Pamuk ungewohnt leichtem Stil kommt es daher und man kann die Geschichte sofort aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Und während des Lesens kommen immer neue Aspekte hinzu. Wer will, vernimmt eine herzzereißende Liebesgeschichte um das alte Spiel à la Romeo und Julia, eine Liebe, die nicht sein darf. Oder man nimmt die die leichte Ironie oder Kritik wahr, die im Zusammentreffen von Orient und Okzident, von Arm und Reich, mitschwingt. Vielleicht steht für einen persönlich auch der Umgang mit Erinnerungen im Vordergrund… weiterlesen »


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Fast schon befremdlich ruhig wurde die Veröffentlichung des zweiten Teils der Autobiographie von Günter Grass begleitet. Ist man normalerweise Kritiker gewohnt, die sich in Heerscharen über das neue Werk hermachen, so wurde “Die Box: Dunkelkammergeschichten” zwar von einigen besprochen oder verrissen, aber eher wie nebenbei.

Cover zu “Die Box”Dies ist wahrscheinlich in erster Linie dem Steidl Verlag zu verdanken, der die Veröffentlichung still und heimlich einfach zwei Wochen vorverlegte, so dass auch der “normale” Mensch hier mal die Chance erhielt sich seine eigene Meinung zu bilden, bevor die Herren Kritiker mit ihrer Meinungsbildung einsetzen.

Wurde noch beim ersten Teil der Grass’schen Autobiographie “Beim Häuten der Zwiebel” ein riesen Medienrummel veranstaltet. Riiiieesen Bekenntnisse waren da zu lesen. Der Grass soll doch in jungen Jahren bei der SS gewesen sein und hat das neimandem erzählt. Ja, er hat nach 1945 ja immer vor allem mit seinen ultrarechten Aussagen Schlagzeilen gemacht… ;-) weiterlesen »


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Cover zu “Der Katalane”Noah Gordon ist durch seine historischen Romane um Ärzte in verschiedenen Epochen der Geschichte berühmt geworden. Der erste Teil dieser “Reihe” ist “Der Medicus” und schon fast ein Muss unter den Mittelalteromanen. Im August diesen Jahres ist nun sein neuestes Buch “Der Katalane” erschienen. Doch leider kann er damit nicht ganz an seine alte Form anknüpfen.

Wieder ist es ein historischer Roman, doch was der Klappentext so vollmundig ankündigt, nämlich es sei “eine mitreißende Mischung aus Spannungsroman, Familiengeschichte, Liebesdrama und Historienepos”, wird leider nur in ganz wenigen Ansätzen erfüllt und ist mehr als stark übertrieben. weiterlesen »


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Ich glaube, jeder kennt ihn, jeder hat schonmal über seine Filme, seine Sketche oder seine Comics gelacht. Otto, der Ostfriesenjung von hinterm Deich, wurde letzte Woche 60 Jahre alt. Grund genug zu diesem Anlass eine Art Best-Of seines Schaffens herauzubringen.

Otto - Das Werk” hat alles, was das Fan-Herz höher schlagen lässt. In umfangreich kommentierten Fotostrecken, meist in Schwarz-Weiß gehalten, werden Highlights aus seinem Leben und vor allem seiner Karriere dargestellt. Natürlich sind auch klassische Sketche und Lieder abgedruckt, von “Leber an Großhirn” bis “Theo, wir fahr’n nach Lodz”.

Auch zahlreiche von Otto natürlich selbst gezeichnete Cartoons bringen den Leser zum Lachen und machen einem bewusst, was für ein Allround-Talent der Mann auf seine Art war. Und was darf bei all dem nicht fehlen? Richtig, die Ottifanten. Als kleinen Gimmick enthält das Buch auch ein Ottifanten-Lesezeichen. weiterlesen »


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Freunde des Hardboiles-Genres werden in David Ellis Roman “In Gottes Namen” (im Original: “The Eye of the Beholder”, sehr komisch übersetzt) eine kurzweilige, nicht sehr anspruchsvolle, aber stets spannende Geschichte finden. In guter alter Manier geht es hier mordtechnisch richtig zur Sache.

Cover zu “In Gottes Namen”Auf dem Gelände des Mansbury Colleges werden 1989 sechs grausam zugerichtete Frauenleichen gefunden, zwei von ihnen sind Studentinnen, die restliche vier Prostituierte. Schnell sprechen alle Indizien für den Hausmeister Terry Burgos, der eine der beisen Studentinnen auch belästigt und gestalkt haben soll.

Für den jungen Anwalt Paul Riley ist der Prozess gegen Burgos der Einstieg in eine stele Karriere. Kurz vor dem Vollstrecken der Todesstrafe im Jahr 1997 flüstert der offentsichtliche Mörder Riley ins Ohr: “Ich bin nicht der Einzige”. weiterlesen »


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Dank Entertainer Hape Kerkeling und seinem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ wurde in Deutschland ein regelrechter Pilgerwahn ausgelöst. Pro7 schickte sogar einige B-Prominente auf die Reise nach Santiago de Compostela, letztendlich konnten sich aber Tausende für die geschriebenen Worte und den Reisebericht von Kerkeling begeistern, dass das Buch wochenlang die Bestsellerlisten anführten.

Nun hat Herausgeberin Bettina Feldweg erneut ein Werk zum Thema „Pilgern“ zusammengestellt und hat dafür Kerkeling ein Vorwort schreiben lassen. Seine Gedanken, die er dort äußert, zeugen von der Aufrichtigkeit seiner Pilgerreise. Keinesfalls sehe er das Pilgern als Form des Wanderns, vielmehr eine Kombination aus gleichzeitigem Beten und Laufen. „Der oft atheistisch angehauchte und fitnessorientierte Mensch der Moderne sieht das Pilgern gerne als eine Art Wanderung zu sich selbst.“ Damit gibt der Autor einen wunderbaren Ausblick auf die kommenden Texte im Buch, in welchem die bewegendsten und faszinierenden Pilgerreisen vorgestellt werden.

Die Facette der Berichte reicht von Ignatius von Loyola aus dem 15. Jahrhundert bis hin zu Heiner Geissler, einstiger Generalsekretär der CDU. Weitere Texte des Buches stammen von Thomas von Kempen, Marco Polo, Bettina Selby, Shirley Mac­Laine, Brigitte Riebe und Paolo Coelho.

Wer sich wirklich für das Pilgern interessiert, wird hier einen wunderbaren Streifzug durch die Geschichte dieses Themas erleben. Welch unterschiedliche Beweggründe damals und heute dazu geführt haben, die das Pilgern wahrgenommen wurde und welche Ergebnisse am Ende der Reise standen.

„Losgehen, um anzukommen“

mit einem Vorwort von Hape Kerkeling
288 Seiten, Gebunden
€ 14,90 [D], € 15,40 [A], sFr 26,90
ISBN: 9783890293462


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Moon-süchtig?

Autor: Nina
abgelegt in: Buchneuerscheinung, Krimi, Thriller

Richard Montanari hat nun seinen dritten Roman um die Detectives Kevin Byrne und Jessica Balzano veröffentlicht und ihm ist es gelungen die Spannung der beiden Vorgänger in “Lunatic” sogar noch zu erhöhen.

Cover zu “Lunatic”Am Ufer des Schykill Fluss bei Philadelphia wird eine junge Frau gefunden. Von weitem erkennt man gar nicht, was mit ihr los ist, doch kommt man näher stellt man fest, dass sie tot ist. Sie wurde anscheinend erdrosselt und dann in ein weißes Kleid gesteckt und in sitzender Pose am See platziert. Doch am bizarrsten ist wohl, dass der Mörder ihr die Füße abgesägt hat, die ein paar Meter weiter in rote Schuhe gesteckt gefunden werden.

Die beiden Detectives Byrne und Balzano werden auf den Mord angesetzt. Schnell gibt es einen zweiten Mord, ebenfalls am Schykill Fuss und wieder ist die Frauenleiche bizarr inszeniert. Die ersten Ermitlungen führen in eine Sackgasse. Und während sich die Medien auf die Morde stürzen und den Serienkiller “Moon” nennen, wird auch ein hochrangiger Polizist ermordet. Doch wie hängen diese beiden Fälle zusammen?

Den beiden Ermittlern dämmert es erst als es schon fast zu spät ist, denn auch Balzano und gerät in Moons Visier…

Zunächst einmal muss man bei “Lunatic” zugeben, dass das Klischee des genialen Serienkillers ja schon fast ausgelutscht ist. Und auch die problembelasteten Cops sind nicht wirklich neu. Aber Montanari gelingt es seine Geschichte so temporeich und spannend voranzutreiben, dass die flachen Charktere fast schon zur Nebensache werden.

Bis zum Ende führt einen der Autor in die Irre, was das Ende dann besonders gut macht.

Gefallen hat mir auch der schwarze Humor, der zwischendrin mal durchscheint, und die enfallsreichen und merkwürdigen Inszenierungen der Leichen. (Bäähh, ich weiß… :-) )

Richard Montanari hat hier bestimmt kein Meisterwerk geschrieben und moon-süchtig wird man auch nicht werden, aber man ist für eine Zeit gut unterhalten und wird es auch nicht bereuen es gelesen zu haben. Der perfekte Happs für Zwischendurch…


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Dieses Wochenende hat der Fußball-Golem Oliver Kahn seine Karriere beendet. Wir werden alle trauern und die hochintelligenten Aussagen dieses bescheidenen Mannes vermissen. Und passend zum Karriere-Aus kommt ein absolut gut gemeinter und selbstloser Ratgeber heraus, in dem der Sigmund Freud des Sports seine Weisheiten in Sachen Psychologie des Erfolges mit uns teilt.

Cover zu “Ich”Passend kommt er dann auch in seinem Buch, mit dem bescheidensten Titel überhaupt, “Ich” zu der grandiosen Erkenntnis, dass “Erfolg von innen kommt”. Bravo!

In einer absolut einmaligen und noch nie dagewesenen Sprache motiviert die Mutter Teresa unserer Generation dazu, Erfolg um jeden Preis zu haben. Überhaupt scheint Erfolg das absolut wichtigste im Leben zu sein. Auch kleine Erfolge besitzen keinen Stellenwert und sind, wenn überhaupt, schmückendes Beiwerk. Erfolg ist anscheinend eine Sache des Geldes und der Anzahl wie häufig man in BILD erscheint.

Und somit ist Herr Kahn wohl ein weiteres Beispiel unserer Zeit. Sich selbst zu finden oder Erfolge in der eigenen Entwicklung zu erreichen, werden alle überschattet von dem finanziellen Ruhm. Unter dem Deckmantel der Selbsterkenntnis wird diese dazu in “Ich” benutzt um seinen Reichtum und sein Ansehen zu vermehren.

Und natürlich fehlen auch die für Skandale vorgemünzten “Enthüllungen” nicht. So habe Kahn sich zum Beispiel unter der Dusche angepinkelt. Was für eine Offenheit! BILD muss ja was zu schreiben haben…

Dieser “Ratgeber” ist dermaßen oberflächlich und von seinem eigenen kleinen Wolkenkuckucksheim aus geschrieben, dass es eine absolute Frechheit ist dies an Menschen unter dem Vorwand der Hilfe und Selbsterkenntnis zu verkaufen. Hauptsache man bleibt über die sportlichen Leistungen hinaus noch im Gespräch.

Sowieso scheinen, nach dem Skandal-Biographien-Hype, jetzt die Ratgeber der Möchtegern-Stars in zu sein. Die Bios dienten wenigstens ziemlich sichtbar nur zur Ruhm- und Geldvermehrung, aber dies jetzt noch unter einem “Wir wollen ja nur das Beste für euch” zu verstecken, ist kommerziell widerlich. Nicht nur, dass in Castingshows von Menschen wie Dieter Bohlen aus Kommerzgründen Träume und Emotionen zerstört werden, so geht es jetzt auch noch den Leuten an den Kragen, die einfach nur von ihren Idolen lernen wollen. Bescheuert genug!

Und so macht es auch Oliver Kahn, der sich im Kapitel über Authenzität beispielsweise lieber mit der Wikipedia (!) Erklärung von Authenzität von Gegenständen definiert als der von Menschen. Die Marke Ego hat gewonnen. Heil euch selbstlosen und rücksichtsvollen Vorbildern, in deren Schatten wir uns suhlen dürfen!


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In den letzten Wochen wurde wohl kaum ein Buch-Bestseller so kontrovers diskutiert wie “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche. Die einen haben sich vor Ekel geschüttelt, die anderen sich in Lobeshymnen ergossen.

Im Großen und Ganzen, muss ich sagen, kann ich den veranstalteten Medienzirkus nicht ganz verstehen. Charlotte Roche wollte provozieren und hat es geschafft. Was heutzutage ja gar nicht mehr so einfach ist… (siehe auch Beat Generation oder Lou Reed)

Cover zu “Feuchtgebiete”Neben einer etwas vernachlässigten Story von einem Mädchen das nach einer missglückten “Arschrasur” im Krankenhaus landet, offen mit ihrer Sexualität experimentiert und sich schließlich in ihren Pfleger verliebt, wird man von einem Tabubruch zum nächsten gejagt.

Hier probiert sie den Geruch ihrer Vagina an Männern als eine Art Parfum aus, da beschreibt sie wie sie Avocadokerne züchtet um sie zur Selbstbefriedigung zu nutzen.

Roche verdeutlicht hier durch absolute Überspitzung und sehr direkte Ironie die eigentlich bizarre Einstellung zum menschlichem Körper in unserer Gesellschaft. Wir leben in einer Welt, in der alles Natürliche unterdrückt wird. Angefangen bei Deos, die unseren Geruch übertünchen, über nicht schmatzen, rülpsen oder furzen bis hin zu Sex als etwas tabuisiertes zu betrachten.

Wer die Aussagen in “Feuchtgebiete” allzu ernst nimmt, bestätigt nur noch diese Einstellung. Nicht, dass ich nicht froh wäre über Duschgels und Co., aber wenn man es mal genau bedenkt ist unsere übertriebene Hygieneeinstellung wirklich bizarr.

Und genau hier setzt Charlotte Roche an, indem sie uns all unseren Ekel drastisch vor Augen führt. Wegen so etwas ein derartiges Spektakel zu veranstalten ist das eigentlich eklige und bizarre… Aber ich gönne ihr den Rummel bezüglich der Verkaufszahlen.

“Feuchtgebiete” ist wirklich witzig und sprachlich ganz gut geschrieben. Ich fand es aber nach ein paar Seiten leider etwas langweilig, da das Schema sich ständig wiederholt - gewollte Provokation löst einen Tabubruch ab usw. Aber das muss wohl auch so sein, damit das Drastische wirkt.

Alles in allem mal etwas anderes und ein direkter Beweis dafür mit wievielen Tabus sich unsere ach so aufgekärte Gesellschaft immer noch herumschlägt.


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