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Carmilla (1872), der weibliche Vampir ist eine Gothic-Novelle des irischen Autors Joseph Sheridan Le Fanu und eines der frühen Werke der Vampir-Fiction, das Bram Stoker's Dracula (1897) um 26 Jahre vorausging.

Es wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die von einem weiblichen Vampir namens Carmilla verfolgt wird, die sich später als Mircalla, Gräfin Karnstein, herausstellt (Carmilla ist ein Anagramm von Mircalla). Die Figur ist ein prototypisches Beispiel für einen lesbischen Vampir, der romantische Begierden gegenüber der Protagonistin äußert. In der Novelle wird Homosexualität bemerkenswerterweise nie als antagonistischer Charakterzug anerkannt, sie bleibt subtil und relativ unerwähnt. Die Geschichte ist oft anthologisiert und wurde viele Male in Filmen und anderen Medien adaptiert.

Le Fanu präsentiert die Geschichte als Teil der Fallsammlung von Dr. Hesselius, dessen Abweichungen von der medizinischen Orthodoxie ihn zum ersten okkulten Detektiv der Literatur machen.

Inhalt

Laura, die jugendliche Protagonistin, erzählt, beginnend mit ihrer Kindheit in einem "malerischen und einsamen" Schloss inmitten eines ausgedehnten Waldes in der Steiermark, wo sie mit ihrem Vater lebt, einem wohlhabenden englischen Witwer im Ruhestand aus dem Dienst des österreichischen Kaiserreichs. Als sie sechs Jahre alt war, hatte Laura eine Vision von einer sehr schönen Besucherin in ihrem Schlafgemach. Später behauptet sie, in die Brust gestochen worden zu sein, obwohl keine Wunde gefunden wurde.

Zwölf Jahre später bewundern Laura und ihr Vater den Sonnenuntergang vor dem Schloss, als ihr Vater ihr von einem Brief seines Freundes, General Spielsdorf, erzählt. Dessen Nichte starb kürzlich unter mysteriösen Umständen.

Laura, traurig über den Verlust einer potentiellen Freundin, sehnt sich nach einer Gefährtin. Ein Kutschenunfall vor Lauras Haus bringt unerwartet ein Mädchen in Lauras Alter in die Obhut der Familie. Ihr Name ist Carmilla. Beide Mädchen erkennen die andere sofort aus dem "Traum" wieder, den sie beide in ihrer Jugend hatten.

Carmilla erscheint nach ihrem Kutschenunfall verletzt, aber ihre geheimnisvolle Mutter teilt Lauras Vater mit, dass ihre Reise dringend ist und keinen Aufschub duldet. Sie arrangiert, dass ihre Tochter bei Laura und ihrem Vater bleibt, bis sie in drei Monaten zurückkehren kann. Bevor sie geht, weist sie streng darauf hin, keine Fragen an ihre Tochter zu stellen. Was Laura und ihr Vater nicht ahnen ist, dass durch diesen unerwarteten Besuch merkwürdige Dinge geschehen und Laura in großer Gefahr schwebt...

Fazit

Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert in der Steiermark. Die Atmosphäre wirkt geheimnisvoll, romantisch, mysteriös und ein wenig düster. Fern ab von dem billigen Schund, den man heutzutage unter dem Namen Carmilla findet, ist dieses Buch eine Ausnahme. Es ist spannend, originell und kurzweilig und mit viel Hingabe geschrieben. Der Klassiker bedient sich einer sanften erotischen Aura, die in modernen Vampir-Romanen zum Großteil untergegangen ist.

Autor

Joseph Thomas Sheridan Le Fanu (1814 - 1873 ) gehört zu den bekanntesten Autoren der klassischer Schauerliteratur (Gothic Tales, Mystery Novels und Horror Fiction). Er war einer der führenden Geistergeschichten-Autoren seiner Zeit und von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Genres in der viktorianischen Ära.
Drei seiner bekanntesten Werke sind das Locked-room-Mysterium "Uncle Silas", die lesbische Vampir-Novelle "Carmilla" und der historische Roman "The House by the Churchyard".