Büchervielfalt

Für Leseratten & alle die lesen können
 


Heute möchte ich mal wieder einen meiner Lieblingsdichter Erich Mühsam zitieren. Es ist schon lustig, wie die Zeiten sich nicht wirklich verändern und der Mensch nicht draus lernt… ;-)

Das Gedicht “Erziehung”, immerhin aus dem Jahr 1909 (!) des anarchistischen Dichters aus der bayrischen Räterepublik soll an dieser Stelle mein kleiner Kommentar zur aktuellen Finanzkrise sein.

Erziehung weiterlesen »


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Bei dem Namen Paul Maar werden viele sicherlich sofort an das Sams und seine Abenteuer denken. Doch der Autor ist nicht nur gut im Romane schreiben, sondern kann seine tollen Geschichten auch gekonnt in Verse packen.

Cover zu “JAguar und NEINguar”In dem Kinderbuch mit dem gelungenen Titel “JAguar und NEINguar” wurden 200 Gedichte von Paul Maar zusammengefasst. Herausgekommen ist eine bunte Mischung aus Geschichten in Versform, Bildgedichten, Abzählreime, Rätselverse oder auch einfach Wortspiele in Form von zum Beispiel Schüttelreimen.

Viele werden sich jetzt vielleicht denken, dass Kinder heutzutage nicht mehr auf Gedichte stehen. Doch ihr werdet überrascht sein, wie gut diese ankommen. Sie sind eingängiger als bloße Geschichten und führen so die Kinder gekonnt an einen spielerischen Umgang mit Sprache heran. weiterlesen »


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Porträt von Charles BaudelaireCharles Baudelaire gehört wohl zu den unumstritten berühmtesten Dichtern Frankreichs, wenn nicht sogar weltweit. Doch über was sich viele Leute noch streiten, sind die Inhalte seiner Gedichte.

Charles Baudelaire war nach langer Zeit wieder einer der ersten Dichter, der über ALLE Themen und Facetten des Lebens geschrieben hat. Tod, gesellschaftliche Kritik, Unangepasstheit, Leichen, Krieg oder Depression finden in seinen Texten ebenso einen Platz wie “einfache” Natur- oder Tierbeschreibungen, Verlangen, Liebe und Mystik. Er hat sich nicht dem Konventionellen und damals Modernen angepasst, sondern so geschrieben, wie ihm es passte. weiterlesen »


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Heute möchte ich mal wieder den guten alten Brecht bemühen. Ich liebe seine Gedichte – vor allem die politisch, satirischen. Er hatte die seltene Gabe den Menschen genau zu beobachten um all sein merkwürdiges Verhalten dann in wenigen Zeilen treffend zum Ausdruck zu bringen.

Sein Gedicht “Siebenhundert Intellektuelle beten einen Öltank an” passt perfekt auf die wirtschaftliche Lage unseres ach so modernen und zivilisierten westlichen Welt – damals wie heute. Noch etwas tolles an Brechts Lyrik: Sie ist meist zeitlos.

Seine Gedichte bedeuten mir sehr viel, denn sie zeugen von einer unbändigen Kraft, gesellschaftlicher Schärfe, Kritik und Tiefsinn und sind trotzdem leicht verständlich und sprachlich wunderschön.

Hier also mein Statement zur gegenwärtigen Lage mit den Worten Brechts: ;-) weiterlesen »


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Wohl kein anderer deutscher Dichter, außer vielleicht Ringelnatz, hat die Lyrik auf so absurde und satirische Weise geprägt, wie Christian Morgenstern.

Dass er auch die leisen Töne beherrschte haben wir erst nach seinem Tod dank seiner Frau erfahren, aber für die meisten Menschen wird Christian Morgenstern (näheres zur Bio wird folgen ;-) ) ewig mit seinem gekonnten Sprachwitz in Verbindung gebracht werden. weiterlesen »


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Eine Frage… von Kurt Tucholsky

Autor: Nina
abgelegt in: Lyrik

Kurt TucholskyIn letzter Zeit haben wir viel gehört über Streiks, Korruptionaffären in der Wirtschaft, geheime Konten in Liechtenstein, Bespitzelungsaffären, Börsencrashs, usw. Und man kann das alles schon fast nicht mehr hören. Und wenn man es hört, dann steht man fassungslos mit offenem Mund da.

Dieses ganze BlaBla von Medien und Wirtschaftsbossen versucht offentsichtlich nur von den eigentlichen Problemen abzulenken, nämlich dass sich unser ach so gelobtes Wirtschaftssystem schleichend in eine Sackgasse gefahren hat, wenn nicht sogar schon an die nächste Wand. Das alte Problem: Die Reichen werden immer reicher und die Armen ärmer und die vielbesungene Mitteschicht wird immer kleiner…

Dazu möchte ich nun gar nicht mehr viel sagen, denn dafür reicht der Platz hier wohl nicht aus. ;-) Sattdessen lasse ich den alten Kurt Tucholsky zu Wort kommen. Und obwohl das Gedicht von 1931 ist, könnte es bis auf ein paar wenige Begriffe inhaltlich voll und ganz von heute sein:

Kurt Tucholsky
Eine Frage

Da stehn die Werkmeister – Mann für Mann.
Der Direktor spricht und sieht sie an:
” Was heißt hier Gewerkschaft!
Was heißt hier Beschwerden!
Es muß viel mehr gearbeitet werden!
Produktionssteigerung! Daß die Räder sich drehn!”
Eine einzige kleine Frage:
Für wen?

Ihr sagt: Die Maschinen müssen laufen.
Wer soll sich eure Ware denn kaufen?
Eure Angestellten? Denen habt ihr bis jetzt
das Gehalt wo ihr konntet heruntergesetzt.
Und die Waren sind im Süden und Norden
deshalb auch nicht billiger geworden
Und immer sollen die Räder sich drehn…
Für wen?

Für wen die Plakate und die Reklamen?
Für wen die Autos und Bilderrahmen?
Für wen die Krawatten? Die gläsernen Schalen?
Eure Arbeiter können das nicht bezahlen.
Etwa die der andern? Für solche Fälle
habt ihr doch eure Trusts und Kartelle!
Ihr sagt: Die Wirtschaft müsse bestehn.
Eine schöne Wirtschaft!
Für wen? Für wen?

Das laufende Band das sich weiterschiebt
liefert Waren für Kunden die es nicht gibt.
Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht
eure eigene Kundschaft kaputt gemacht.
Denn Deutschland besteht – Millionäre sind selten -
aus Arbeitern und Angestellten!
Und eure Bilanz zeigt mit einem Male
einen Saldo mortale.

Während Millionen stempeln gehn.
Die wissen für wen.


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Der Revoluzzer – Erich Mühsam

Autor: Nina
abgelegt in: Lyrik

“Sich fügen heißt lügen”Erich Mühsam schrieb eines seiner wohl berühmtesten Gedichte “Der Revoluzzer” bereits 1907. Bis heute gehört es zum Programm vieler Kabarettisten, wohl auch weil er es schon damals “der deutschen Sozialdemokratie gewidmet” hat. ;-)

Der satirische Stil ist typisch für Mühsam. Frech, ironisch, kritisch und voller Wahrheit entlarvt er die Seele und die Mentalität des “modernen” Menschen.

Und auch unsere momentane politische Lage und die Einstellung vieler Leute beschreibt das Gedicht wie kein zweites…

Aber lest selbst: :D

Erich Mühsam: Der Revoluzzer
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet

Karikatur von Erich Mühsam © erich-mühsam-gesellschaftWar einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: ‘Ich revolüzze!’
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonst unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
Rupft man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer Schrie:
‘Ich bin der Lampenputzer
Diesen guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehen, ich bitt!
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!’

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich wie man revoluzzt
Und dabei noch Lampen putzt.


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Ringelnatz

Autor: Nina
abgelegt in: Lyrik

Joachim RingelnatzJoachim Ringelnatz, der eigentlich Hans Bötticher hieß, gehört mit Sicherheit zum Besten, was Deutschland an Dichtern zu bieten hatte.

Er ist vor allem für seine groteske Unsinnpoesie bekannt, aber Ringelnatz konnte auch anders. Gerade in späteren Jahren wittmete er sich mehr und mehr fast schon philosophischer, leicht melancholischer Lyrik. (Dazu später mehr…)

Doch hier soll es nocheinmal um die komischen und heiteren Gedichte Ringelnatz’s gehen.

Er verwendet in den fast stets durchgereimten Versen Alltagssprache und persifliert viele Bereiche unserer ach so modernen Gesellschaft. Über Sinn und Unsinn lässt sich hier streiten, denn was häufig als Nonsense abgetan wird, basiert jedoch auf einer totalen Überspitzung vieler Sichtweisen und Verhaltensregeln der Zivilisation (ähnlich wie bei Monty Python ;-) ) und wird so zur Satire.

Nun gut, am besten sprechen die Gedichte immer noch für sich. Hier eines das besonders gut zu dieser Seite passt: :D

Der Bücherfreund

Ob ich Biblio- was bin?
Phile? “Freund von Büchern” meinen Sie?
Na, und ob ich das bin!
Ha! und wie!

Mir sind Bücher, was den anderen Leuten
Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel,
Turnsport, Wein und weiß ich was, bedeuten.
Meine Bücher — wie beliebt? Wieviel?

Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl.
Bitte, doch mich auszureden lassen.
Jedenfalls: viel mehr, als mein Regal
Halb imstande ist zu fassen.

Unterhaltung? Ja, bei Gott, das geben
Sie mir reichlich. Morgens zwölfmal nur
Nüchtern zwanzig Brockhausbände heben —
Hei ! das gibt den Muskeln die Latur.

Oh, ich mußte meine Bücherei,
Wenn ich je verreiste, stets vermissen.
Ob ein Stuhl zu hoch, zu niedrig sei,
Sechzig Bücher sind wie sechzig Kissen.

Ja natürlich auch vom künstlerischen
Standpunkt. Denn ich weiß die Rücken
So nach Gold und Lederton zu mischen,
Daß sie wie ein Bild die Stube schmücken.

Äußerlich? Mein Bester, Sie vergessen
Meine ungeheure Leidenschaft,
Pflanzen fürs Herbarium zu pressen.
Bücher lasten, Bücher haben Kraft.

Junger Freund, Sie sind recht unerfahren,
Und Sie fragen etwas reichlich frei.
Auch bei andern Menschen als Barbaren
Gehen schließlich Bücher mal entzwei.

Sammlung von Ringelnatz-GedichtenWie ? – ich jemals auch in Büchern lese??
Oh, sie unerhörter Ese—
Nein, pardon! – Doch positus, ich säße
Auf dem Lokus und Sie harrten
Draußen meiner Rückkehr, ach dann nur
Ja nicht länger auf mich warten.
Denn der Lokus ist bei mir ein Garten,
Den man abseits ohne Zeit und Uhr
Düngt und erntet dann Literatur.

Bücher – Nein, ich bitte Sie inständig:
Nicht mehr fragen! Laß dich doch belehren!
Bücher, auch wenn sie nicht eigenhändig
Handsigniert sind, soll man hochverehren.

Bücher werden, wenn man will, lebendig.
Über Bücher kann man ganz befehlen.
Und wer Bücher kauft, der kauft sich Seelen,
Und die Seelen können sich nicht wehren.

Mehr zu Ringelnatz und noch mehr Gedichte gibts bei ringelnatz.net


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Autor Berthold BrechtHeute möchte ich euch eines meiner Lieblingsgedichte zeigen. Ich liebe die Gedichte Brechts sehr und vor allem die frühen haben es mir angetan. Fast kein anderer Autor kann Gesellschaftskritik, Ironie, Satire, Lebenslust, Lebensfrust und Trauer so vereinen wie Bertold Brecht.

Sein frühes Stück “Baal” ist meiner Meinung nach vollkommen unterschätzt. Sowieso ist die Figur Baal ein Motiv, dass Brecht in vielen seiner Gedichte begleitet und fasziniert hat. Dieser Charakter pendelt ständig zwischen Kunst, Egozentrik und dem bloßen Sein hin und her und kommt daher gesellschaftlich überhaupt nicht klar. Das Leben soll in einem Schluck auf einmal aufgesaugt werden.

Aber am besten lass ich eines der Gedichte selber sprechen:

Bertold Brecht
Der Choral vom großen Baal

Als im weißen Mutterschoße aufwuchs Baal
War der Himmel schon so groß und still und fahl
Jung und nackt und ungeheuer wundersam
Wie ihn Baal dann liebte, als Baal kam

Und der Himmel blieb in Lust und Kummer da
Auch wenn Baal schlief, selig war und ihn nicht sah:
Nachts er violett und trunken Baal
Baal früh fromm, er aprikosenfahl

Und durch Schnapsbudike, Dom, Spital
Trottet Baal mit Gleichmut und gewöhnt sich´s ab.
Mag Baal müd sein, Kinder, nie sinkt Baal:
Baal nimmt seinen Himmel mit hinab.

In der Sünder schamvollem Gewimmel
Lag Baal nackt und wälzte sich voll Ruh´:
Nur der Himmel, aber immer Himmel
Deckte mächtig seine Blöße zu.

Und das große Weib Welt, das sich lachend gibt
Dem, der sich zermalmen läßt von ihren Knien
Gab ihm einige Ekstase, die er liebt
Aber Baal starb nicht, er sah nur hin.

Sammlung von Brechts GedichtenUnd wenn Baal nur Leichen um sich sah
War die Wollust immer doppelt groß
Man hat Platz, sagt Baal, es sind nicht viele da
Man hat Platz, sagt Baal, in dieses Weibes Schoß.

Gibt ein Weib, sagt Baal, euch alles her
Laßt es fahren, denn sie hat nicht mehr!
Fürchtet Männer nicht beim Weib, die sind egal:
Aber Kinder fürchtet sogar Baal.

Alle Laster sind zu etwas gut
Und der Mann auch, sagt Baal, der sie tut.
Laster sind was, weiß man, was man will.
Sucht euch zwei aus; Eines ist zuviel!

Seid nur nicht so faul und verweicht
Denn Genießen ist bei Gott nicht leicht.
Starke Glieder braucht man und Erfahrung auch:
Und mitunter stört ein dicker Bauch.

Zu den feisten Geiern blinzelt Baal hinauf
Die im Sternenhimmel warten auf den Leichnahm Baal
Manchmal stellt sich Baal tot. Stürzt ein Geier drauf
Speist Baal einen Geier, stumm, zum Abendmahl.

Unter düstren Sternen in dem Jammertal
Grast Baal weite weite Felder schmatzend ab.
Sind sie leer, dann trottet singend Baal
In den ewigen Wald zum Schlaf hinab.

Und wenn Baal der dunkle Schoß hinunterzieht:
Was ist Welt für Baal noch? Baal ist satt.
Soviel Himmel hat Baal unterm Lid
Daß er tot noch grad g´nug Himmel hat.

Als im dunklen Erdgeschoße faulte Baal
War der Himmel noch so groß und still und fahl
Jung und nackt und ungeheuer wunderbar
Wie ihn Baal einst liebte, als Baal war.

Dieses Gedicht wurde übrigens von Konstantin Wecker genial vertont.

Und es gibt auch einen super Film zum Stück “Baal” mit Matthias Schweighöfer.


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