Stefan Aust (* 1946) ist ein deutscher Journalist. Er war von 1994 bis Februar 2008 Chefredakteur des wöchentlichen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und ist seit 2014 Herausgeber der konservativen Zeitung "Die Welt", deren Chefredakteur er bis Dezember 2016 war.
Biografie
Aust wurde in Stade, Niedersachsen, als Sohn des Landwirts Reinhard Aust und seiner Frau Ilse, geborene Hartig, geboren. Zusammen mit vier Geschwistern wuchs er auf einem kleinen Milchviehbetrieb auf, den seine Familie bis Anfang der 1960er Jahre bewirtschaftete. Sein Vater emigrierte im Alter von 18 Jahren nach Amerika und kehrte im Sommer 1939 nach Deutschland zurück. Sein Großvater war Kaufmann und Schiffseigner.
Aust machte sein Abitur am Athenaeum in Stade und sammelte erste journalistische Erfahrungen bei der lokalen Schülerzeitung „Wir“, wo er auch den Journalisten Henryk M. Broder kennenlernte. Das Studium der Betriebswirtschaftslehre brach Aust nach wenigen Wochen ab.
Im September 1970 befreite er auf eigene Faust und mit Hilfe eines Aussteigers der RAF, Peter Homann, die Schwestern Bettina und Regine Röhl. Die Zwillinge sind die Töchter von Ulrike Meinhof und dem damaligen konkret-Herausgeber Klaus Rainer Röhl, die von Mitgliedern der RAF nach Sizilien verschleppt worden waren. Aust brachte sie zu ihrem Vater.
Karriere
Über Wolfgang Röhl, den jüngeren Bruder von Klaus Rainer Röhl, den er bei der Schülerzeitung kennenlernte, kam Aust nach dem Abitur zur Zeitschrift konkret, wo er zunächst für das Layout zuständig war. Von 1966 bis 1969 arbeitete Aust dann als Redakteur bei konkret und später bei den St. Pauli-Nachrichten. Im Jahr 1969 reiste Aust für ein halbes Jahr in die Vereinigten Staaten.
Ab 1970 arbeitete er für den Norddeutschen Rundfunk. Er war Fernsehjournalist beim NDR und arbeitete von 1972 bis 1987 für das politische Fernsehmagazin „Panorama“.
Ab 1987 baute Aust im Auftrag von Rudolf Augstein das neue „Spiegel TV“ auf. Später übernahm er gegen den Widerstand der Spiegel-Redaktion auch das Mutterschiff, den „Spiegel“. Von 1994 bis Februar 2008 war er Chefredakteur des wöchentlichen Nachrichtenmagazins Der Spiegel.
Seit 2014 ist er Herausgeber der konservativ ausgerichteten Zeitung "Die Welt". Bis Dezember 2016 war er auch Chefredakteur der Zeitung.
Aust schreib etwa zwei Dutzend Bücher, das mit Abstand bekannteste ist "Der Baader Meinhof Komplex" sowie "Xi Jinping – der mächtigste Mann der Welt: Biografie | Ein neuer Blick auf China" (2021).
Der Baader Meinhof Komplex
Der Baader-Meinhof-Komplex (1985) erzählt in journalistischer Manier die Geschichte der linksextremen Fraktion der Roten Armee (RAF).
Es deckt den Zeitraum von den Anfängen ihrer Gründung während der Studentenbewegungen in Deutschland 1967/68 bis zum Tod ihrer wichtigsten Führer im Oktober 1977 im Gefängnis am Ende des so genannten Deutschen Herbstes ab - mit der Entführung & Ermordung Hanns Martin Schleyers, der Landshut-Entführung und dem kollektiven Suizid der inhaftierten Terroristen. Spätere Entwicklungen, vor allem die in den 1980er Jahren aktive so genannte „dritte Generation“ der RAF, werden nicht behandelt.
Das Buch von Aust - der zu Beginn seiner Karriere mit Ulrike Meinhof für unabhängige linke Publikationen arbeitete und an einigen der mit der RAF verbundenen Veranstaltungen teilnahm - gilt als erste detaillierte Beschreibung und Dokumentation der RAF und als Referenzwerk über die Terrorgruppe.
Es diente 2008 als Grundlage für den Film "Die Baader-Meinhof-Gruppe" (u.a. mit Jan Josef Liefers) unter der Regie von Uli Edel.
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