Büchervielfalt

Für Leseratten & alle die lesen können
 


Necromancer

Autor: Nina
abgelegt in: Fantasy

Bei dem Titel des Buches “Necromancer” von Martha Wells werden nun viele Fans des Cyberpunk und der Science-Fiction aufheulen und an einen x-ten schlechten Klon von Gibsons “Neuromancer” denken. Doch weit gefehlt…

“Necromancer” spielt an einem Ort, der eher an das viktorianische London des 19. Jahrhunderts erinnert. Dieses Buch bringt dem Fantasy-Genre eine neue Facette, denn diese Welt hat wenig gemein mit den ewigen Mittelalter-Klischees und den zum tausendsten Mal kopierten Tolkien-Klonen.

Cover zu “Necromancer”In der Stadt Vienne in Ile-Rien ist die Technik nicht mehr von der Magie zu trennen. Die Straßen werden zwar mit Gaslaternen beleuchtet, aber genauso prägen auch Untote und Geister das Stadtbild.

Nicolas Valiere, der angesehendste Bürger in Ile-Rien, der gleichzeitig aber auch unter dem Namen Donatien der Einbrecher als erfolgreichster Dieb bekannt ist, steigt eines Abends mit seiner Bande in den Keller des Hauses Mondollot. Dort will er Gold stehlen, das er seinem Erzfeind Montesq unterschieben will. Doch jemand war schneller als er und hat Geister zurückgelassen, die es schon seit langem nicht mehr geben sollte. Sie können gerade so entkommen.

Zur selben Zeit hält sich seine Geliebte Madeline auf dem Empfang der Duchess von Mondollot auf, wo sie Zeuge wird wie der bekannte Spiritist Dr. Octave die Hausherrin zu einer Seance mit ihrem verstorbenen Mann überreden will. Dieser versucht kurze Zeit später Nicolas zu töten, doch es stellt sich heraus, dass besagter Spiritist nur ein Golem des echten Dr. Octave war.

Nach und nach stellt sich heraus, dass ein dunkler und mächtiger Magier verborgen die Fäden zieht und die Herrschaft über Ile-Rien an sich reißen will…

Martha Wells hat hier eine absolut faszinierende Welt geschaffen und bekannten Elementen und Figuren des Horror eine neue Seite verliehen. Magier sind in Ile-Rien zum Beispiel eher tragischer Gestalten, als immer nur die weisen oder lustigen Männer. Sie befinden sich ständig in dem Zwiespalt sich doch vielleicht der dunklen Magie hinzugeben.

Das Buch ist durch und durch spannend und gruselig geschrieben. Wells schreibt so atmosphärisch, dass man schnell in eine andere Welt abtaucht und erst einmal auch gar nicht zurückkommen möchte bis das Buch durch ist. Auch das Einfließen von anderen Genres wie dem Krimi oder dem Steampunk sind sehr gut gelungen.

Für Freunde der gepflegten Phantastik ein echtes Muss!


1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading ... Loading ...

Der neue Stephen King

Autor: Nina
abgelegt in: Horror

Nach Jahren voller immer schlechter werdender Romane (ich lasse jetzt mal Themen wie Ghostwriting und Kommerz außer acht ;-) ) dürften eingefleischte Stephen King Fans an seinem neuesten Werk mit dem Titel “Wahn” endlich mal wieder so richtig Freude haben.

Zu Beginn muss ich sagen, dass ich nie so King begeistert war. Bis auf ein paar wenige Kurzgeschichten sind mir die Geschichten meist zu klischeelastig. Die Horrormotive hat man fast alle schon mal gehört und sie überraschen einen auch nicht wirklich. Was Kings Stärke ist, dass er gekonnt Spannung erzeugen kann und ganze emotionale Gebäude errichten, die dann plötzlich und ohne Vorwarnung wieder einstürzen.

Cover zu “Wahn”Und dies ist auch in seinem neuesten Buch der Fall: Der bisher erfolgreiche Bauunternehmer Edgar Freemantle verliert bei einem Unfall plötzlich einen seiner Arme und erleidet schwere Knochenbrüche und eine Kopfverletzung. Daraufhin wird er von unkontrollierbaren heftigen Wutanfällen heimgesucht. Als deswegen seine Ehe zerbricht, rät Freemantles Psychiater seinem total am Boden zerstörten Patienten auf die kleine Insel Duma Key vor der Küste Floridas zu fahren und sich seinen langgehegten Traum vom Malen zu erfüllen.

Die Insel gehört der 85-jährigen, an Alzheimer erkrankten, Elizabeth Eastlake. Schnell freundet sich Freemantle mit deren Pfleger Wireman an und er beginnt ein Bild nach dem anderen zu malen. Ja, das Malen überfällt ihn regelrecht und die rauschhaften Malattacken dauern dann schonmal die ganze Nacht über. Zudem muss er mit seinen Phantomschmerzen kämpfen. Doch trotzdem beginnt er sich nach und nach besser zu fühlen.

Doch auf einmal beginnen seine Bilder ein rätselhaftes Eigenleben zu entwickeln. Sie werden von selbst immer dämonischer und verwandeln sich in düstere Motive. Anscheinend versucht eine dunkle Macht auf Duma Key Freemantle zu benutzen.

Zusammen mit Wireman kommt er Stück für Stück hinter die unheimliche Familiengeschichte von Elizabeth. Doch Freemantle wird immer mehr von seinen Bildern in den Wahnsinn getrieben…

Wie schon gesagt, halte ich die Geschichten von Stephen King meist für zu sehr an den Haaren herbeigezogen und von anderen Figuren des Horrors abgekupfert. Dies ist auch bei “Wahn” der Fall. Vor allem der Schluss ist leicht lachhaft… Aber einzelne Szenen sind durchaus gut beschrieben und man gruselt sich zeitweise doch ganz schön.

“Wahn” ist definitiv besser als seine Vorgänger und Fans werden ein paar schlaflose Nächte vor sich haben. Für alle anderen ist es ein ganz netter Zeitvertreib. Den Medienhype hat das Buch wirklich nicht verdient.


1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading ... Loading ...

Cover zu “Dr jekyll und Mr Hyde”Nur wenige Werke haben ihre Nachwelt so sehr beeinflusst, dass sie derart häufig adaptiert, verfremdet oder kopiert wurden, dass man das Original schon fast wieder vergessen hat. So geschehen mit ein paar Klassikern des Horrors.

Wie “Dracula” oder “Frankenstein” hat auch “Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde” von Robert Louis Stevenson kommende Generationen von Autoren beeindruckt und beeinflusst.

Diese Klassiker sollte man bei all den wandelnden Klischees, Abziehbildchen oder Witzfiguren nie vergessen. Es sind herrausragende und zeitlose Werke über die menschliche Seele, Ängste und gesellschaftliche oder moralische Zustände.

Robert Louis Stevenson, der vor allem Weltruhm durch sein Werk “Die Schatzinsel” erlangte, veröffentlichte die Erzählung mit dem Titel “Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde” im Jahr 1886.

Dr. Henry Jekyll, ein angesehener Wissenschaftler der Londoner Oberschicht, überschreibt von einem Tag auf den anderen in seinem Testament seinen gesamten Nachlass an einen gewissen Mr. Hyde. Dies lässt seinen Anwalt Gabriel J. Utterson stutzig werden. Zudem es immer mehr scheint, dass Mr. Hyde auf den bisher vorbildlichen Dr. Jekyll einen schlechten Einfluss ausübt.

Als dann ein Mord geschieht, für den Hyde verantwortlich sein soll, verschwindet dieser plötzlich. Dr. Jekyll geht daraufhin wieder seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nach und verhält sich fast noch vorbildlicher als zuvor.

Doch einige Zeit später verändert er sich wieder. Er zieht sich zu fiberhaften Experimenten in sein Labor zurück und bricht jeglichen Kontakt zur Außenwelt ab.

Eines Tages finden Jekylls Butler und Utterson die Leiche von Mr. Hyde in Jekylls Labor und letzterer ist verschwunden.

Utterson findet dann das schreckliche Geheimnis Hydes heraus: Er hat eine Droge entwickelt mit der man die dunkle und animalische Seite der menschlichen Seele hervorbeschwören kann. Doch Jekylls Experiment ist außer Kontrolle geraten…

Robert Louis Stevenson hat mit “Dr. Jekyll und Mr. Hyde” einen gut durchdachten und spannenden Klassiker der Horrorliteratur geschaffen.

Er kritisiert offen den falschen und oberflächlichen Umgang in der Gesellschaft und die Unterdrückung der Triebe. Gleichzeitig warnt er auch vor Übertreibung.

Zudem hat er als einer der ersten europäischen Autoren die Wirkung von Drogen offen thematisiert.

Eine wahnsinnig gute und tiefgründige Gruselgeschichte, die einen zum nachdenken anregt. Nicht umsonst hat sie Generationen von Autoren inspiriert und beeinflusst.


1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading ... Loading ...

Eines der klassischen Horrormotive ist wohl der Vampir und Bram Stoker hat 1897 ihren literarischen Übervater erschaffen. Dieses Thema ist so häufig in Literatur und Film “verwurstet” worden, manchmal gut, manchmal schlecht, aber keiner kommt wirklich an das Original heran.

Der irische Schriftsteller Bram Stoker hat mit “Dracula” zum ersten Mal in der Geschichte der Weltliteratur der untoten blutrünstigen Sagengestalt eine Seele verliehen und so eine gewisse Tragik mit dieser Figur erschaffen.

Fürst Vlad, “Der Pfähler” © jim snapper1980 hörte Stoker das erste Mal von der Legende des rumänischen Fürsten Vlad III. Draculea, der auch “der Pfähler” genannt wurde. Basierend auf seiner Lebensgeschichte entwickelte er die Figur Dracula.

Das Buch hat nicht nur einen Erzähler, sondern setzt sich aus einer Ansammlung von fiktiven Briefen, Zeitungsartikeln und Tagebucheinträgen zusammen. So verleiht er der Geschichte eine gewisse Authenzität, da es wie eine Quellensammlung wirkt.

Der Londoner Rechtsanwalt Jonathan Harker reist, um dem Grafen Dracula ein Haus in London zu verkaufen, nach Transylvanien in dessen Schloss. Dort wird er festgehalten und wird Zeuge der seltsamsten Dinge.

Währenddessen reist Dracula in seinem Sarg nach London. Die Verlobte Harkers, Wilhelmina “Mina” Murray, ist dort bei ihrer Freundin Lucy Westenra zu Besuch. Als die Geschehnisse immer merkwürdiger werden, ruft man Professor Abraham van Helsing auf den Plan, der natürlich sofort auf Vampirjagd geht…

Stoker stellt hier das mystische Element des Grafen der Wissenschaft und der Technik gegenüber, wovon gerade die Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert besonders fasziniert waren.

Cover zu Bram Stokers “Dracula”Die tragische Figur des Grafen Dracula, der getrieben durch die Jahrhunderte nach Erlösung sucht, hat über hundert Jahre lang die Leute in seinen Bann gezogen. Nicht zuletzt wohl wegen der erotischen Komponente des verführerischen und zugleich abstoßend wirkenden Dracula, welche für das prüde viktorianische England einem Skandal gleichkam.

Das Buch chanchiert zwischen Liebesgeschichte, Abenteuerroman, Schauer- und Gruselmärchen und begeistert auch heute noch mit seinem unverwechselbaren Stil.

Ein echter zeitloser Klassiker und eine erneute Bestätigung, dass das Original meistens doch das Beste ist.


1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading ... Loading ...

Cover zu “Der Club Dumas”Wer den Film “Die neun Pforten” von Roman Polanski mit Johnny Depp spannend fand, wird das Buch, auf dem der Film basiert lieben.

Aber “Der Club Dumas” von Arturo Pérez-Reverte bietet einem, wie es bei Bücherverfilmungen meistens so ist, mehr. Schon allein weil der Film sich nur auf einen Teil des Inhalts bezieht und am Ende doch ziemlich davon abweicht.

Lucas Corso ist eine Art Bücherjäger für seltene Ausgaben und antiquarische Kostbarkeiten. Er bekommt von unterschiedlichen Kunden zwei Aufträge: erstens soll er das okkulte Werk “Die neun Pforten ins Reich der Schatten”, dessen Autor vor Jahrhunderten auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, auf seine Echtheit prüfen und zweitens herausfinden, ob ein Manuskript eines Kapitels der “Drei Musketiere” von Alexandre Dumas authentisch ist.

Schon von beginn an passieren seltsame Dinge und es heften sich ihm zwei Verfolger an seine Fersen: eine merkwürdige Studentin und ein glatzköpfiger Mann mit einer Narbe im Gesicht.

Er gerät nach und nach in einen Strudel von Verschwörungen, übernatürlichen Phänomenen und dämonischen Kräften. Für ihn, der in keinster Weise an Aberglaube oder gar okkulte Dinge glaubt, geraten Realität, Dichtung und Fantasterei aus den Fugen. Schnell stellt er fest, dass es am Ende nur noch darum geht heil aus dieser Hölle wieder herauszukommen.

Arturo Pérez-Reverte beweist uns mit diesem Werk eindrucksvoll, dass Anspruch und Unterhaltung auch gut zusammen funktionieren. Für Bücherfans und alle, die es noch werden wollen, ein absolutes Fest. Ohne Klischees gelingt es dem Autor Thriller, Krimi, Bücherleidenschaft und Mystik miteinander zu verbinden.

Ein spannendes Buch, das obwohl es Klassiker der Literaturgeschichte neu aufrollt, nie belehrend wirkt, sondern einem faszinierende Einblicke und neue Sichtweisen präsentiert.


1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading ... Loading ...