Eines der klassischen Horrormotive ist wohl der Vampir und Bram Stoker hat 1897 ihren literarischen Übervater erschaffen. Dieses Thema ist so häufig in Literatur und Film “verwurstet” worden, manchmal gut, manchmal schlecht, aber keiner kommt wirklich an das Original heran.
Der irische Schriftsteller Bram Stoker hat mit “Dracula” zum ersten Mal in der Geschichte der Weltliteratur der untoten blutrünstigen Sagengestalt eine Seele verliehen und so eine gewisse Tragik mit dieser Figur erschaffen.
1980 hörte Stoker das erste Mal von der Legende des rumänischen Fürsten Vlad III. Draculea, der auch “der Pfähler” genannt wurde. Basierend auf seiner Lebensgeschichte entwickelte er die Figur Dracula.
Das Buch hat nicht nur einen Erzähler, sondern setzt sich aus einer Ansammlung von fiktiven Briefen, Zeitungsartikeln und Tagebucheinträgen zusammen. So verleiht er der Geschichte eine gewisse Authenzität, da es wie eine Quellensammlung wirkt.
Der Londoner Rechtsanwalt Jonathan Harker reist, um dem Grafen Dracula ein Haus in London zu verkaufen, nach Transylvanien in dessen Schloss. Dort wird er festgehalten und wird Zeuge der seltsamsten Dinge.
Währenddessen reist Dracula in seinem Sarg nach London. Die Verlobte Harkers, Wilhelmina “Mina” Murray, ist dort bei ihrer Freundin Lucy Westenra zu Besuch. Als die Geschehnisse immer merkwürdiger werden, ruft man Professor Abraham van Helsing auf den Plan, der natürlich sofort auf Vampirjagd geht…
Stoker stellt hier das mystische Element des Grafen der Wissenschaft und der Technik gegenüber, wovon gerade die Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert besonders fasziniert waren.
Die tragische Figur des Grafen Dracula, der getrieben durch die Jahrhunderte nach Erlösung sucht, hat über hundert Jahre lang die Leute in seinen Bann gezogen. Nicht zuletzt wohl wegen der erotischen Komponente des verführerischen und zugleich abstoßend wirkenden Dracula, welche für das prüde viktorianische England einem Skandal gleichkam.
Das Buch chanchiert zwischen Liebesgeschichte, Abenteuerroman, Schauer- und Gruselmärchen und begeistert auch heute noch mit seinem unverwechselbaren Stil.
Ein echter zeitloser Klassiker und eine erneute Bestätigung, dass das Original meistens doch das Beste ist.
Freunden von Douglas Adams “Per Anhalter durch die Galaxis” muss ich diesen Satz wohl nicht erklären. Allen anderen sei dieses Buch ans Herz gelegt. Douglas Adams nimmt uns hier in einen Science-Fiction-Spaß mit feinstem britischen Humor mit.
Wie schon Autoren wie Terry Pratchett nimmt Douglas Adams die Welt nicht so schwer und führt uns ihre eigentliche Absurdität unterhaltsam vor Augen.
Die fünf Bücher umfassende Reihe nimmt uns mit auf eine Tour durch das gesamte Weltall, eben “Per Anhalter durch die Galaxis”.
Der 08/15-Engländer Arthur Dent entgeht nur knapp mit der Hilfe seines Freundes Ford Prefect der Zerstörung der Erde, die leider einem intergalktischen Express Way Platz machen muss. Es stellt sich hierbei als heraus, dass Arthurs langjähriger Freund Ford ein Außerirdischer ist, der quer durch das Universum trampt und so Reiseberichte und Beiträge für eine Art Lexikon mit dem Titel “Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” schreibt.
Da die Erde ja nun zerstört ist, bleibt Arthur nichts anderes übrig mit ihm zu gehen. Bewaffnet mit ihren multifunktionalen Allzweckhandtüchern geraten sie von einem Abenteuer ins nächste. Unterwegs begegnen sie unter anderem dem Präsidenten der Galaxis, Zaphod Beeblebrox, hinter dem die gesamte galaktische Polizei her ist, Trillian, der großen Liebe Arthurs, und Marvin, dem mansich depressiven Roboter, der gerne andere “denkende” Maschinen in den Selbstmord treibt.
Douglas Adams nimmt in diesen Büchern unser gesamtes Gesellschaftssystem auf den Arm, angefangen über marode hyperbürokratische Verwaltungssystem über die Grübelei nach einem tieferen Sinn im Leben hin zu Religion und Politik.
Ein unterhaltsamer Lesespaß und zurecht ein Kultbuch!
(Ach übrigens, die Neuverfilmung kommt diesen Sonntag (16.3.08) um 20.15 Uhr auf PRO7
)
Die fünf Bücher:
- “Per Anhalter durch die Galaxis”
- “Das Restaurant am Ende des Universums”
- “Das Leben, das Universum und der ganze Rest”
- “Mach’s gut, und danke für den Fisch”
- “Einmal Rupert und zurück”
Wohl keinem anderen Autor ist es gelungen Wahnsinn, Außenseitertum und Rausch in ein solch bildliches Wortgewand zu kleiden wie William S. Burroughs.
Burroughs, 1914 in St. Louis, Missouri, geboren, fällt schon zu Schulzeiten durch sein “auffälliges Verhalten” auf. Er wird beim Konsumieren von rauscherzeugenden Medikamenten erwischt, stifftet auch Mitschüler dazu an, weigert sich an bestimmten Unterrichtsmaßnahmen teilzunehmen oder spielt den Lehrern diverse Streiche.
Nichtsdestotrotz macht er 1936 seinen Abschluss in Englischer Literatur an derUniversität Harvard. Nachdem er eine Weile durch Europa gereist ist und sogar anfängt in Wien Medizin zu studieren, hält er sich dann, nach seiner Rückkehr in die USA, mit diversen Gelegenheitsjobs über Wasser, angefangen von Kammerjäger und Barmixer über Journalist bis hin zu Privatdetektiv.
Während seines anschließenden Studiums an der Columbia University in New York, trifft er auf Allen Ginsberg und Jack Kerouac. Schnell entdecken diese Drei eigentlich unterschiedliche Charaktere einige Gemeinsamkeiten: Literatur, Drogen, Depression, aber auch Rausch, Lebensfreude und Jazz.
Nach und nach avancieren die Drei zum Mittelpunkt einer kleinen literarischen Gruppe, die sich selbst die Beat Generation nennen. Sie wollen das Leben in ihrer Ganzheit erfassen und machen auch keinen Halt vor Tabuthemen. Sie schreiben offen über ihre Drogen- und Sexerfahrungen und auch ihre homosexuellen Neigungen und Experimente, damals absolut totgeschwiegen und skandalös, beschreiben sie offen und detailiert. Sie decken die Verlogenheiten des spießigen Bürgertums auf, indem sie den Menschen schonungslos hinstellen wie er ist.
William S. Burroughs ist der direkteste von ihnen. Keiner kann den Wahnsinn unserer Gesellschaft so plastisch in Worte kleiden wie er. In seinem wohl berühmtesten Werk “Naked Lunch” springt er in einem einzigen wirren Wortgeflecht (Cut-Up-Methode) hin und her und macht so die diffusen Gedanken von Rausch, Ekstase und Wahnsinn bildlich.
Man könnte über Burroghs und seinen Stil noch so viel erzählen und schreiben. Aber am besten ist es, man lässt sich selbst auf seine Werke ein und ergibt sich der orgiastisch anmutenden Direktheit.
…Fortsetzung folgt: Teil 3 - Allen Ginsberg…
Mit “Das letzte Geheimnis” ist dem Autorenduo Ian Caldwell und Dustin Thomason ein intelligenter und flüssig zu lesender Debütroman gelungen.
Die Geschichte dreht sich um ein auch real existierendes Buch aus der Renaissance, das einige für das mysteriöseste Werk überhaupt halten, die “Hypnerotomachia Poliphili”.
Vordergründig beschreibt es eine Liebesgeschichte aus dem Jahr 1499, doch in etlichen Rätseln scheint der Autor seiner Nachwelt ein großes Geheimnis hinterlassen zu haben. Jeder, der dieses Buch versucht hat zu erforschen, ist von ihm besessen oder in gefährliche Umstände verwickelt worden.
Und auch der Vater des Ich-Erzählers Tom Sullivan erging es nicht anders. Er kam schließlich bei einem Autounfall ums Leben, nachdem er sein Leben dem Buch gewidmet hatte.
Nun wird Tom Jahre später wieder mit dem Werk konfrontiert. Er und seine drei Freunde Charlie, Gil und Paul studieren an der Universität Princeton. Paul schreibt seine Abschlussarbeit über die “Hypnerotomachia Poliphili” und Tom beginnt ihm bei der Lösung der Rätsel zu helfen.
Plötzlich passieren merkwürdige Dinge und eine Mordserie beginnt. Wird sich Tom dem Bann des Mauskriptes aus der Renaissance entziehen können? Oder werden sie den mysteriösen Rätseln auf die Spur kommen? Ein Wettlauf gegen die Zeit und sie selbst beginnt.
“Das letzte Rätsel” pendelt zwischen den Genres Thriller, historischer Roman und typischen Campusgeschichten hin und her. Neben der obligatorischen Jagd nach verschollenen Rätseln gelingt es den Autoren die menschliche Komponente nicht außer Acht zu lassen. Sie zeichnen die Charaktere, besonders natürlich den Ich-Erzähler, sehr genau und erreichen so Identifizierungspunkte, die bei manchen anderen Thrillern vor lauter Mystery häufig leider auf der Strecke bleiben.
Die historischen Fakten um die “Hypnerotomachia Poliphili” sind gut recherchiert. An ein paar Stellen hat man manchmal nur leider den Eindruck, dass die Autoren so viel Material gesammelt haben, dass die Geschichte kurzzeitig auf der Strecke zu bleiben scheint.
Alles in allem ein gut zu lesender Roman für unterhaltsame und spannende Stunden, der einen aber nicht nachhaltig beschäftigt oder beeindruckt.
Das meiner Meinung nach genialste Buch zum Thema Leben und Sinnfindung ist “Der Steppenwolf” von Hermann Hesse. Dieses Buch ist ebenso zeitlos wie aktuell, vielleicht momentan wieder aktueller denn je.
Ich höre jetzt schon einige sagen: “Oh, deutscher Klassiker. Wie langweilig!” Aber dem muss ich entschieden widersprechen. Für alle, die mehr vom Leben wollen oder einfach, egal wie, auf der Suche nach sich selbst sind, ist dieses Buch genau das Richtige.
Harry Haller mietet eine Mansardenwohnung in einem kleinbürgerlichen Dreifamilienhaus. Er fällt nicht groß auf, pflegt nur spärlichen bis gar keinen Kontakt zu seinen Nachbarn und verschwindet irgendwann wieder spurlos. Seine Aufzeichnungen dieser Zeit, mit dem passenden Untertitel “Nur für Verrückte”, hinterlässt er dem Neffen seiner Vermieterin. Dieser ist der fiktive Herausgeber des Werkes.
Harry Haller erzählt nun seine Geschichte. Er kommt aus bürgerlichen Verhältnissen und fühlt sich auch immer auf eine fast kindliche Weise zu dieser Welt hingezogen, doch irgendwie kommt er sich immer von ihr entfremdet und wie ein Außenseiter vor. In ihm wohnt noch eine andere Person: der Steppenwolf. Dieser zieht nachts gern durch heruntergekommene Bars und hat so gar keine bürgerlichen Gedanken. Doch diese “wilde” Seite in sich unterdrückt Haller so gut es geht.
Bis er eines Tages das “Traktat vom Steppenwolf” zu lesen bekommt und langsam beginnt sich mit der anderen Seite auseinanderzusetzen.
In einer Bar lernt er die Prostituierte Hermine kennen. Sie und deren geheimnisvoller Freund Pablo führen Harry in die ausgelassene Welt der Musik, des Feierns, des Rausches und der Lust ein und fördern so seine kreative und künstlerische Ader nach langer Zeit wieder zu Tage.
Doch Harry hat seine Lektion immer noch nicht richtig gelernt. Er muss erst durch die Hölle der Selbsterkenntnis und des Wahnsinns gehen bis er begreifen wird, dass in ihm nicht nur zwei Personen, sondern tausende wohnen und er lernen muss diese anzunehmen um richtig mit ihnen umgehen zu können.
Hermann Hesse führt uns hier auf meisterliche Art und Weise die Zwiespältigkeit des Lebens vor Augen; dieser schwierige Grad zwischen der bürgerlichen Welt und dem bloßen Sein. Zudem bietet er ein Zuhause und eine absolute Genugtuung für all diejenigen, die lieber Leben und kreativ sind, als sich voll und ganz einem schnöden Alltag anzupassen. Kein Wunder, dass das Buch in den 60er Jahren zum Kultbuch und zum Symbol des Aufbegehrens gegen das Establishment wurde.
Als Kind habe ich “Die Chroniken von Narnia” vom britischen Autor C. S. Lewis verschlungen und spätestens seit der Verfilmung vor zwei Jahren dürften sie einigen wieder ins Gedächtnis gerufen worden sein.
“Die Chroniken von Narnia” sind eine Serie aus sieben Büchern, die alle Episoden der Geschichte des fantastischen Reiches Narnia erzählen. Man konnte sie erst im Nachhinein in eine gewisse Chronologie bringen, da sie nicht in der logischen Reihenfolge veröffentlicht wurden.
In allen Büchern geraten Kinder in das zu unserer Welt parallel existierende Narnia und lenken die Geschichte dieses Universums.
Der am meisten vorkommende Erzählstrang und daher wohl auch der bekannteste sind die Ereignisse um die Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy Pevensie, die in dem Buch “Der König von Narnia” ihren Anfang nehmen.
Sie entdecken eines Tages beim Versteckspielen in einem großen alten Kleiderschrank den Eingang in eine andere Welt, Narnia. Dort herrscht seit 100 Jahren Winter, den die “Weiße Hexe” Jadis als aktuelle Herrscherin des Landes herbeigeführt hat. Sie streifen durch die Gegend und treffen auf einige seltsame Wesen, sprechende Tiere und Geschöpfe, die sehr an die griechische Mythologie erinnern. Als sie auf den Löwen Aslan, eine der zentralen Figuren der Chroniken, treffen, kämpfen sie mit diesem gegen die “Weiße Hexe”. Werden sie den Frühling nach Narnia zurückbringen können? Wie wird es mit den Geschwistern weitergehen?
Die Abenteuer der Pevensies werden in weiteren Büchern fortgesetzt und selbst, wenn sie nicht die zentrale Rolle spielen sind ihr Taten im Hintergrund präsent.
Narnia vereint christliche Motive mit der griechischen, englischen und irischen Mythologie.
C.S. Lewis hat mit Narnia ein Universum erschaffen, das einen sofort in seinen Bann zieht und besonders Kinder werden ihre helle Freude hier haben.
Die Bücher in der Erzählreihenfolge (mit Erscheinungsjahr in Klammern):
“Das Wunder von Narnia” (1956)
“Der König von Narnia” ( 1950)
“Der Ritt nach Narnia” (1954)
“Prinz Kaspian von Narnia” (1951)
“Die Reise auf der Morgenröte” (1952)
“Der selberne Sessel” (1953)
“Der letzte Kampf” (1956)
Keine andere Gruppe von Schriftstellern hat die Grenzen der Gesellschaft so bewusst, konsequent und extrem ausgetestet und überschritten wie die Beat Generation.
In den fünfziger Jahren in New York und San Francisco um die Schriftsteller William S. Burroughs, Jack Kerouac und Allen Ginsberg herum entstanden, avancierten die Beatniks schnell für die einen zum Kult und zu einer Protesthaltung, für die anderen zu Bürgerschrecks und unpatriotischen Nichtsnutzen. Sie ebneten mit ihrer offenen Einstellung gegenüber Sex, Drogen und Mystik der Hippiebewegung den Weg. Offen schrieben sie über alle guten und schlechten Seiten des Lebens. Ohne Tabus oder Einschränkungen berichteten sie über Gewalt, Wahnsinn, Depression, aber auch Rausch, Jazzmusik oder gleichgeschlechtliche Liebe.
Sie waren eine Gruppe junger Menschen, die der spießigen amerikanischen Mittelschicht ablehnend gegenüberstanden, und ihnen eine offene Weltsicht entgegensetzen wollten. Sie versuchten ohne gesellschaftliche Grenzen und Tabus ihr Leben nach ihren Wünschen zu gestalten. Sie fühlten sich wie Außenseiter und weil sie es auch waren, gingen sie komplett in dieser Position auf.
Die drei bekantesten Beatniks, Burroughs, Ginsberg und Kerouac, möchte ich hier nach und nach kurz vorstellen. Alle drei waren sehr verschieden, und doch ergänzten sich ihre Themen hervorragend, da jeder sein “Spezialgebiet” hatte.
Der unumstrittene König von Sex, Drogen und Gewalt war William S. Burroughs.
Ginsberg war der wohl poetischste von ihnen. Er schrieb ausschließlich Gedichte, häufig über den offenen Umgang mit Homoerotik und Wahnsinn. Er wandte sich auch Themen wie Mystik oder Politik auf eine lyrische Art und Weise zu.
Jack Kerouac hingegen predigte das Leben von Außenseitern, die, ohne an einen Ort gebunden zu sein, die Welt mit all den Räuschen und Verlockungen offen umarmten.
…Fortsetzung folgt: Teil 2 - William S. Burroughs…
Wir sind es von Künstlerbiographien ja eher gewöhnt, dass der entsprechende Star glorifiziert wird. Häufig verschwindet die Wahrheit hinter Lobeshymnen und dem obligatorischen “I love him!” oder der Promi wird dermaßen in den Dreck gezogen, dass er wie der letzte Unmensch auf uns wirkt. So oder so geht die wahre Person verloren.
Bei dem Buch von Victor Bockris “Lou Reed - Eine Biographie” ist das anders. Er versucht den Künstler als Menschen mit Fehlern und Schwächen, aber auch guten Seiten darzustellen. Man hat stets den Eindruck er meint es ehrlich. Zudem zeigt er Lou Reed nicht nur in irgendwelchen weltfremden Posen, sondern skizziert ihn wie einen “normalen” Menschen.
Lou Reed, geboren 1942 in New York, wird Mitte der Sechziger mit der Gruppe Velvet Underground als anfänglicher Teil von Andy Warhol’s Factory bekannt. Die eher düsteren Texte lassen keinen Tabubruch aus und zeichnen sich durch ein hohes Maß an Poesie aus. Schon früh zeigt sich Reed’s Liebe zur Literatur, die er wohl wegen seiner Studienzeit entdeckte.
Seine Familie und sein Heranwachsen werden beleuchtet. Entgegen aller Behauptungen Reed’s, die wohl eher der Selbstinszenierung dienten, hatte er eine Familie, die trotz aller Tabubrüche versuchte zu ihm zu halten, auch wenn er es ihr nie einfach gemacht hat.
Man verfolgt Lou Reed durch alle bisherigen Stationen seiner Musikkarriere. Von der Zusammenarbeit mit David Bowie, in der das legendäre Kultalbum “Transformer” entstand, über seine berühmt-berüchtigte Metal-Machine-Music-Phase bis hin zur kurzfristigen Wiedervereinigung mit seiner Hass-Liebe aus Velvet-Underground-Tagen John Cale. Man kann einem Künstler beim Reifen zusehen mit allen menschlichen Schwierigkeiten, die gerade bei einer psychisch labilen Person wie Lou Reed natürlich extremer ausfallen.
Wie schon erwähnt bleibt der Autor immer möglichst sachlich und versucht den Menschen hinter der Maske des Meisters der Selbstinszenierung darzustellen. Vielleicht gelingt ihm das deshalb so gut, weil Victor Bockris selbst das Leben der Factory von Andy Warhol jahrelang begleitet hat. Er war also eher ein Beobachter, als ein Bewunderer. Gute Vorraussetzungen für eine sachliche Beurteilung…
Für Lou-Reed-Fans und alle, die es noch werden wollen, ein gelungenes Buch.
Der Augsburger Peter Dempf hat in seinem Buch “Das Amulett der Fuggerin” versucht ein Stück Geschichte seiner Heimatstadt einzufangen. Hierbei bleibt er jedoch zu sehr an der Oberfläche.
Augsburg um 1500: Die junge Patriziertochter Sybilla Artzt, schon als Kind ein neugieriger Wildfang, der die Männer um den kleinen Finger wickelt, heiratet den aufstrebenden Kaufmann Jakob Fugger. Sie erfüllt die typische Frauenrolle der Zeit; bleibt zuhause und führt das Leben einer Fürstin, während der Ehemann durch Europa reist und der Familie Fugger zu unermässlichem Reichtum und Ansehen verhilft.
Einsam und vernachlässigt, wird sie Zeugin der politischen Ränkespiele Jakobs und versucht immer wieder im Hintergrund einzugreifen. Sie überredet ihren Mann beispielsweise zum Bau der ersten Armensiedlung der Welt, der Fuggerei.
Doch mehr und mehr stellt sie fest, dass Reichtum und Macht nicht glücklich machen und sie begibt sich, zunächst heimlich, in die Arme ihrer Jugendliebe Konrad Rehlinger.
Peter Dempf hat die historischen Fakten in diesem Roman gut recherchiert und der Einblick in die Geschichte ist ihm teilweise auch gelungen. Doch das Buch plätschert fröhlich zwischen Seifenoper und Möchtegernanspruch hin und her.
Die Charaktere bleiben stets an der Oberfläche. Verzweifelt versucht der Autor Spannung aufzubauen, doch ist sie da, ist sie auch schon wieder weg. So versucht er sich an historische Figuren zu klammern, doch nimmt dies teils absurde Züge an. Beispielsweise wenn die Fuggerin auf den letzten 50 Seiten (keine Angst, ich verrate nichts
) Martin Luther, der auf einmal auftaucht, zur Flucht aus Augsburg verhilft. Naaatüürliich…
Für mich als gebürtige Augsburgerin war es nett, die alten Fleckchen der Stadt im Buch wiederzufinden. Ansonsten, hat mich die Lektüre eher enttäuscht. Gerade die Fugger bieten soviel Stoff für spannende Geschichten…
Ich finde es ja löblich vom Autor, dass eine Frau auch mal Drahtzieherin sein darf, aber dann bitte nicht als schmachtender Rosamund-Pilcher-Verschnitt! Sowieso hatte ich manchmal den Eindruck, dass Peter Dempf bei seinem Versuch sich in eine Frau hineinzuversetzen lieber seine eigenen kleinen Fantasien hineinfließen lässt…
Alles in allem, ein vor sich hin plätscherndes Buch, das sich gut nebenbei zum oder vor dem Einschlafen lesen lässt (in jeglicher Hinsicht). Gut auch gegen Einschlafstörungen. Müdigkeit ist garantiert!
Lange vor Dan Browns spannenden, aber nicht sehr gut recherchierten, Verschwörungstheorien um den Orden der Templer, beschäftigte sich Umberto Eco, vor allem bekannt durch Historische Bücher wie “Der Name der Rose”, mit diesen Theorien um Mystik, Geheimbünde und Weltherrschaft.
Drei Lektoren, Casaubon, Belbo und Diotallevi, aus einem kleinen Verlag in Mailand stoßen auf ein merkwürdiges Manuskript aus dem 14. Jahrhundert. Da sie sich beruflich eh viel mit Mystik und Okkultismus beschäftigen, merken sie schnell, dass es sich um das verschollene Vermächtnis des 1312 zeschlagenen Templerordens handeln könnte.
Als sie, anfangs mehr zum Spaß, beginnen nach geheimen verschlüsselten Botschaften zu suchen, passieren auf einmal merkwürdige Dinge. Sie sind anscheinend nicht die einzigen, die auf der Jagd nach dem Geheimnis der Schrift sind.
Das Manuskript enthält offenkundig den großen Plan der Templer. Alle 120 Jahre treffen sich die jeweiligen 36 Nachkommen der Ritter um diesen Plan und die Templergeheimnisse mündlich weiterzugeben. Sie finden heraus, dass die Durchführung dieses geheimen Planes bald ansteht.
Als der Autor eines Buches über Verschwörungstheorien und ein Kunde der Protagonisten spurlos verschwindet, nimmt die Polizei die Ermittlungen auf und Casaubon, der Ich-Erzähler des Buches, geht für zwei Jahre nach Brasilien. Aber auch hier lassen ihn die okkulten Themen nicht los. Er gerät in Kontakt mit der südamerikanischen Spiritualität und lernt einen Mann kennen, der vorgibt der Graf von Saint-Germain und unsterblich zu sein.
Zurück in Mailand wird Casaubon sehr schnell wieder in dutzende von mystischen Theorien und Ereignisse verwickelt. Aber auch ihre Mitstreiter um die Lösung des Geheimnisses treten wieder auf den Plan und schrecken auch nicht vor Mord zurück.
Umberto Eco gelingt es in diesem Werk meisterlich eine spannende Geschichte im Genre des Okkulten und der Verschwörungstheorien zu erzählen und gleichzeitig ständig diese mit einem Augenzwinkern zu parodieren. Es führt uns eindrucksvoll vor, dass man sich selbst im Alltag aus allem und jedem einen Geheimplan oder eine Verschwörung zusammenreimen kann. (Wenn da nicht mal Dan Brown eine offensichtliche Inspirationsquelle gefunden hat…
)
Das Buch ist voll von historischen und okkulten Geschichten und Tatsachen, die einem immer in einem amüsanten oder spannenden Stil beigebracht werden, ohne jemals zu belehren.
Manche Stellen sind zwar wirklich hart zu lesen und man wird das Buch je nach Stimmung auch mal weglegen müssen, aber dranbleiben lohnt sich hier allemal. Also durchhalten! Ihr werdet nicht enttäuscht werden…