Nach der Wende konnte auch schnell der Ost-Buchhandel feststellen, was eine Wegwerf-Gesellschaft ist. So wie sich die Supermärkte im Osten sich mit West-Produkten füllten, so geschah es auch mit den Buchhandlungen: Die Ost-Bestände landeten einfach auf dem Müll um Platz für den Westen zu machen.
1933 verbrannten die Nazis die Bücher und 1991 ließ man sie auf dem Müll verschimmeln. Nach dem Fall der Mauer musste auch im Osten zwanghaft der Westen Einzug halten und so wurden rund 100 Millionen Bücher, zum Größtenteil noch druckfrisch, einfach auf mehrere Mülldeponien verteilt um in den Lagerhallen und Buchandlungen Platz zu machen. Darunter waren Klassiker, Camus, Tolstoi, Zweig, Heinrich Mann, Dostojewski, aber auch Bildbände, Sachbücher. Und vor allem Schriftsteller aus der DDR, die dank dieser Aktionen heute keiner mehr kennt. weiterlesen »
Hexenverbrennungen? Inquisition? Das sind doch grausame Relikte des Mittelalters… Denkste! Denn im Volk leben Mythen und Aberglaube länger fort als es den Geschichtsbüchern, Gelehrten und Obrigkeiten lieb ist.
Inzwischen weiß man, dass der Glaube an Hexen und deren Verfolgung teilweise noch bis ins 20. Jahrhundert überlebt hat. Dies geschah aber nicht mehr unter Rechtssprechung. Der letzte Fall in Deutschland einer rechtskräftig verurteilten Hexe in Deutschland, war der Fall der Maria Anna Schwegelin im Jahr 1775 in Kempten.
In ihr Leben und vor allem ihre Zeit nimmt uns der Autor Uwe Gardein in seinem Buch “Die letzte Hexe” mit und zeigt, dass Aberglaube und Schuldzuweisungen im normalen Volk lange weiterleben können. weiterlesen »
Mit seinem zweiten Buch “Der Begleiter” ist dem Autor Norbert Kron ein bissiges, satirisches und ein wenig tragisches Werk über unsere heutige Gesellschaft gelungen, die für Geld fast alles tun würde, aber doch nicht glücklich wird.
Norbert Kron, der selbst wie sein Protagonist, Kulturjournalist ist, zeigt uns hier sehr deutlich die Käuflichkeit unserer modernen Gesellschaft auf und wie wir alles, sogar die Liebe, zu einem geschäft machen.
Alexander Felitsch ist ein hochqualifizierter Kunstjournalist, der für Geld fast alles schreiben würde. Doch als sich seine Berliner Redaktion auflöst, kann er sich als Freier Journalist nicht mehr so recht über Wasser halten. Was also tun? Felitsch arbeitet von nun bei einem Escortservice. weiterlesen »
Schon der erste Roman von Simon Beckett ” Die Chemie des Todes” war ein voller Erfolg. Nun knüpft er mit seinem zweiten Roman “Kalte Asche” direkt an seinen Vorgänger an.
Dr. David Hunter, der forensische Anthropologe, wird auch hier wieder in einen kniffligen und garantiert tödlichen Fall verwickelt. Wie schon zuvor verschlägt es ihn für seine Arbeit wieder in die ländliche und einsame Idylle. Doch in “Kalte Asche” verstärkt sich das klaustrophobische der Einöde nochmal. weiterlesen »
Der Debütroman der irischen Autorin Tana French ist gleich ein voller Erfolg. Bei all dem Schund, der z.Z. gerade im Bereich Thriller auf den Markt gehauen wird, ist es gar nicht so leicht, noch spannende und gleichzeitig sprachlich gewandte Bücher zu finden, aber “Grabesgrün” ist so eins.
Ich muss ja sagen, ich habe ein Faible für viele Thriller und Krimis aus Großbritannien oder Irland, da sie meist in eine düstere und mysteriöse Atmosphäre gehüllt sind. Und dies gilt besonders für Tana French’s “Grabesgrün”.
Im Jahr 1984 wird der 12-jährige Adam Robert Ryan total verstört im dichten Wald von Knocknaree aufgefunden, von seinen beiden andere Freunden fehlt jede Spur. Offentsichtlich ein Verbrechen, das auch bis heute, wo Ryan selbst Ermittler bei der Kriminalpolizei ist, nicht augeklärt werden kann, wohl vor allem auch deswegen, weil er sich an nichts mehr erinnern kann, was damals passiert ist. weiterlesen »
Erich Kästner ist nicht nur ein toller Kinderbuchautor (“Pünktchen und Anton”, “Emil und die Detektive, “Das doppelte Lottchen”), sondern auch ein toller Dichter. Das beste an seinen Gedichten gefällt mir, wie auch bei Brecht oder Mühsam, dass er die kritisch, aber mit einem Augenzwinkern beobachtet.
Ohne Humor wäre einiges wohl schwerer zu ertragen und so lese ich Kästners Gedichte immer gerne, wenn ich an den Menschen und vor allem an der Politik zweifle bzw verzweifle.
Seine politischen Gedichte und Bücher wurden damals von den Nazis mit verbrannt, doch konnten seine Werke dadurch, oder wahrscheinlich gerade deshalb, wie bei vielen anderen Autoren auch nicht zerstört werden. Noch heute haben sie nichts an Aktualität verloren, was uns dieses Gedicht von Kästner beweist (auf zweierlei Hinsicht
):
Die Entwicklung der Menschheit weiterlesen »
Was?! Werdet ihr euch jetzt vielleicht denken, aber ihr habt richtig gelesen. Und obwohl Orwell tot ist, ist er immer noch aktuell und vor allem up to date.
Jeden Tag bekommt man einen kleinen Tagebuch-Eintrag des Autors von “1984” oder “Animal Farm” zu lesen.
Und das auf den Tag genau, wie Orwell selbst es vor genau 70 Jahren geschrieben hat. Veröffentlicht werden sie von den Leuten des “Orwell Prize“, eine Auszeichnung, die jedes Jahr an politische Schriftsteller verliehen wird.
Orwell war ein relativ akribischer Tagebuchführer. Er hat sich bemüht jeden Tag etwas zu schreiben und sei es auch nur eine kleine Randnotiz. Vom 9. August an können wir nun selbst in Orwells kleine private Erlebnisse eintauchen. Er schrieb die Einträge von 1938 bis 1942, und so lange wird das Blog, also von 2008 bis 2012, auch laufen. weiterlesen »
Schon als Kind war ich von Otfried Preußlers Buch “Krabat” total begeistert. Es war eines der ersten Kinderbücher bei denen ich mich richtig gegruselt habe, es aber gleichzeitig nicht aus der Hand legen konnte.
Und es ging offentsichtlich nicht nur mir so, denn das Buch ist schon eine Pflichtlektüre an Schulen (aber eine der Guten
) und eine Inspirationsquelle für so manchen Künstler (Musiker, Filmemacher, Puppenspieler und Theatermenschen). Es gibt bereits einen wirklich schönen Zeichentrickfilm zum Buch und im Herbst diesen Jahres kommt eine neuer “Krabat”-Film in die Kinos mit Daniel Brühl und Robert Stadlober. weiterlesen »
Den meisten wird Werner Schneyder eher durch seine bissigen und herrlich kritischen Texte im Gedächtnis sein. Er machte politisches Kabarett zusammen mit Dieter Hildebrandt und auch allein. Doch in “Krebs” lernt man ihn auf eine völlig neue Weise kennen.
Stellt euch vor, eines Tages bekommt ihr die Nachricht, dass euer Partner, mit dem ihr schon eine halbe Ewigkeit verbracht habt, Krebs hat. Eine grausame Vorstellung, die wohl jeder am liebsten verdrängt, aber irgendwie immer in unserer Gesellschaft unterschwellig präsent ist. Doch was macht man, wenn man in dieser Situation ist? Wie verhält man sich? weiterlesen »
Einigen von euch sind sicherlich noch gut die russischen Überraschungs-Kino-Hits “Wächter der Nacht” und “Wächter des Tages” im Gedächtnis. Der Schöpfer dieser Geschichten ist der russische Autor Sergej Lukianenko, der in seinem Heimatland langsam aber sicher zum Kult avanciert.
Doch Lukianenko kann auch anders. Geht die Wächter-Reihe (dazu in nächster Zeit mehr) eher in die Richtung Fantasy und Mystery, so kann man im Arsenal des Autors aber auch auf einige erstklassige Science-Fiction-Stories treffen. weiterlesen »