Der Name Frank Schätzing wird vielen von seinem Ököthriller “Der Schwarm” her ein Begriff sein. Doch Schätzing, der Leiter einer Werbeagentur, hat zu Beginn seiner Karriere sich eher durch Lokalkrimis im Kölner Raum einen Namen gemacht.
“Tod und Teufel” ist ein Krimi der im Gewand des historischen Romans daherkommt.
Der liebenswerte Dieb und Taugenichts Jakop, der wegen seiner roten Haare auch “der Fuchs” genannt wird, wird im Köln des 13. Jahrhunderts aus Versehen Zeuge eines Mordes. Während er auf einem Baum sitzt und eigentlich nur ein paar Äpfel stehlen will, sieht er wie der Dombaumeister vom Gerüst des gerade entstehenden Kölner Doms gestoßen wird.
Doch, da genau in diesem Moment auch der Ast bricht, auf dem er sitzt, muss ihn wohl auch der Mörder gesehen haben. Jeder, dem Jakop von der Sache erzählt, kommt auf geheimnisvolle Art ums Leben. “Dem Fuchs” wird schnell klar, dass seine einzige Chance sein Leben zu retten darin besteht den Mörder ausfindig zu machen, bevor dieser Jakop findet…
Frank Schätzing beweist mit diesem Buch mal wieder sein Talent, Bücher zu schreiben, an denen jeder etwas findet und die sich deshalb gut verkaufen lassen. Er hat ein unvergleichliches Gespür für den Massengeschmack.
Und so kommt es auch, dass “Tod und Teufel” ein kurzweiliges und gut zu lesendes Buch ist. Die Fakten und die mittelalterliche Lebensweise sind gut recherchiert und so fühlt sich der Leser auf unterhaltsame Art und Weise in der Zeit zurückversetzt.
Zugegeben die Handlung ist nicht besonders originell und auch nur an manchen Stellen spannend, aber in diesem Fall muss sie dies auch nicht zwangsläufig sein.
Es ist ein kurzweiliges Buch, das einen für ein paar Stunden unterhält und das man dann aber auch genauso schnell wieder vergisst. Perfekt zum Beispiel als Urlaubslektüre…
Täglich sehen wir im Fernsehen Bilder über die Unruhen in Tibet. Aufgebrachte Demonstranten wagen es gar die ach so schönen Fackelzeremonien zu den bevorstehenden olympischen Spielen in Peking zu stören. Doch für die Tibeter ist die mediale Aufmerksamkeit vor den Spielen die womöglich letzte Hoffnung sich aus jahrelanger Unterdrückung zu befreien.
In ihrem neusten Buch setzt sich die Filmemacherin und Autorin Maria Blumencron erneut mit dem Thema Tibet auseinander.
In ihrem kürzlich erschienenen Buch beschreibt sie die Lebensgeschichten von solchen Flüchtlingen, Kindern, Fluchthelfern, Nonnen. Diese Menschen nehmen die riesigen und lebensgefährlichen Strapazen auf sich nur um aus der chinesischen Unterdrückung in Tibet zu entkommen und bei ihrem geistigen Oberhaupt dem Dalai Lama ein besseres und vor allem freies Leben zu beginnen.
Der Dalai Lama musste 1959 in das indische Exil fliehen, nachdem China 1951 Tibet gewaltsam annektierte und ein Aufstand gegen das aufgezwungene kommunistische Regime fehlschlug.
Seitdem gengeln die Chinesen die Tibeter wo es nur geht und versuchen ihre Religion und Kultur zu zerstören. Dieses Volk lebt in ständiger Angst und Unterdrückung.
Maria Blumencron will nun erneut auf diese Umstände aufmerksam machen. Allein 1500 Kinder kämpfen sich jährlich über die eisigen Pässe des Himalaya und nicht wenige von ihnen sterben auf dem Weg. Flüchtlingshelfer versuchen diese Menschen zu unterstützen wo es nur geht. Dies tun sie nicht für Geld, sondern aus reinem Idealismus. Sie riskieren hierfür jahrelange Folter in chinesischen Gefängnissen.
“Auf Wiedersehen, Tibet” ist ein beeindruckendes Buch über Verrat, Lügen, Unterdrückung, aber auch über Hoffnung und Liebe zum Menschen und zur Freiheit.
Was ist schon die Störung einer sportlichen Zeremonie gegen das Leid eines ganzen Volkes? Das gehäuchelte Medienmitleid unserer westlichen Welt kann man in Anbetracht der Menschenrechtsverletzungen in Tibet und in China selbst nur als Scheinheiligkeit und blanken Zynismus bezeichnen.
Ich lese ja eigentlich ganz gerne Mystery-Thriller, aber mittlerweile geht mir dieser kommerzille Hype wirklich auf die Nerven. Jede kleinste historische Tatsache, die bei drei nicht auf den Bäumen ist, wird in Romanform gepresst und zu einer Pseudoverschwörungstheorie gewaltsam zusammengedröselt.
So auch bei “Der 77. Grad” von Bill Napier, dem man eigentlich als Professor für Astronomie ein wenig mehr Verständnis zutrauen könnte. Aber Pustekuchen…
Die Geschichte ist schnell erzählt, da man das Grundgerüst schon tausendmal so gelesen hat: Mann entschlüsselt geheime Botschaft, entdeckt etwas Sensationelles, wird verfolgt.
Also, gut
: Der Buchhändler Harry Blake (schon der Name ist einfallsreich!) erhält von einem reichen englischen Lord (!) den Auftrag ein 400 Jahre altes Manuskript aus seinem Familienbesitz zu entschlüsseln. Und schon passiert ein Mord und andere Leute bieten ihm horende Summen für das Manuskript.
Blake lehnt aber ab und beginnt das Werk zu entschlüsseln. Es handelt sich um das Tagebuch des Schiffsjungen Ogilvie, der an einer Expedition von Sir Walter Raleigh zum 77. Grad, dem sogenannten “Längengrad Gottes”, teilnimmt.
Schnell merkt Blake, dass es sich bei dem Manuskript um mehr als nur ein Tagebuch handelt. In ihm ist ein dunkles Geheimnis verborgen. Wird es Blake und seinen Mitstreitern gelingen das Geheimnis zu entschlüsseln? Wer sind die mysteriösen und gewalttätigen Verfolger?
Und die Antworten sind ebenso einfallslos wie offensichtlich. Auch die Charaktere sind absolut hölzern, ohne jegliches Einfühlungsvermögen gezeichnet und dermaßen klischeebehaftet dargestellt, dass einem schon allein dadurch jeglicher Lesespaß vergeht. Je länger das Buch wird, desto konstruierter wirkt zudem die Geschichte.
Ein wunderbares Beispiel dafür, wie Autoren schnelles Geld mit dem gegenwärtigen Trend verdienen wollen, aber dabei Recherche, Spannung und vielschichtige Figuren auf der Strecken lassen.
Dieses Buch würde ich keinem empfehlen, es sei denn er will einen Langeweiletod sterben oder eine Anleitung lesen zum Thema “Dinge, die ich beim Romanschreiben niemals tun sollte.”
Wenn sich zwei, ja, man kann schon fast sagen Kultfiguren der deutschen Kultur- und Satirelandschaft zusammentun, kann eigentlich nur ein spitz pointiertes Machwerk dabei herauskommen. So geschehen beim Kabarettisten Dieter Hildebrandt (Scheibenwischer) und Deutschlands “Vorzeigeintellektuellen” (nicht böse gemeint
) Roger Willemsen.
In “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort” nehmen sie den Leser in einem fiktiven Dialog zu Szenen der Menschheitsgeschichte mit. Und schnell wird einem bewusst, dass die Lüge zum Menschen und dessen Alltag gehört.
Angefangen bei der geradezu reflexartigen Floskel wie “Guten Tag, freut mich Sie zu sehen.” tun es Politiker, wir tun es, die Kaiser im alten Rom taten es… “Die Lüge ist überall.”
Hildebrandt und Willemsen schaffen es mit teils obskuren Episoden der Geschichte den Leser mal zu beeindrucken, mal staunen zu lassen, mal zu unterhalten, aber vor allem aufzurütteln.
Sie decken Gier, Skrupellosigkeit, Machtbesessenheit, Heimtücke und Gewalt unter uns Menschen auf, demaskieren die Politiker und Wirtschaftsbosse und machen eindrucksvoll und geistreich klar wie unsere Welt von Lügen bestimmt wird.
Wenn die zwei sich in dem plaudernden Unterton die Pointen und Spitzfindigkeiten um die Ohren hauen, wirken sie manchmal wie die zwei Alten in ihrer Loge aus der Muppet Show.
Eigentlich als Bühnenprogramm gedacht, hatte es solch einen Erfolg, dass zunächst ein Hörbuch und dann ein Buch daraus gemacht wurde.
Und zurecht! “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort - Die Weltgeschichte der Lüge” ist ein schlaues, satirisch genaues, pointenreiches und dabei absolut unterhaltsames Werk.
Ursprünglich als Kinderbuch gedacht, hat Jostein Gaarder mit “Sofies Welt” anfang der 1990er einen internationalen Überraschungserfolg auch bei Erwachsenen Lesern gelandet. Sein kleiner leichtverträglicher Ausflug in die Philosophie wurde in 54 Sprachen übersetzt.
Die vierzehnjährige Sofie Amundsen erhält eines Tages einen mysteriösen Brief mit der Frage wer sie denn sei. Daraufhin beginnt sie über ihr Dasein nachzudenken.
Als sie immer mehr Briefe mit Denkaufgaben erhält geht sie der Sache nach und findet heraus, dass die geheimnisvollen Nachrichten von einem älteren Mann namens Alberto Knox stammen.
Anhand von zunächst weiteren Briefen, dann später auch bei sich zuhause, beginnt er ihr auf verständliche und leichte Weise einen Kurs in Philosophie zu geben. Jeder Brief bzw. jede Stunde ist einem bedeutenden Denker und seinen Ansätzen gewidmet.
Mehr und mehr beginnt Sofie ihre kleine Welt zu hinterfragen besonders dann als sich herausstellt, dass sie nicht das ist, wofür sie sie bisher gehalten hat. Ihre Realität gerät ins wanken. Können sie und Alberto sich dagegen zur Wehr setzen?
Jostein Gaarder bringt einem mit diesem Buch auf eine leichte und amüsante Art und Weise die Philosophie näher.
Man lernt, dass die Denkansätze gar nicht so trocken sind und dass sie eigentlich uns alle etwas angehen.
“Sofies Welt” bringt einfach jeden dazu seine eigene Welt und Realität zu hinterfragen und öffnet den Horizont für neue Dinge. Für jeden, der mehr von der Welt sehen und wissen und nicht in staubtrockenen Theorien herumkriechen will, der perfekte Lesesoff.
Das einzig gute daran, wenn Hollywood sich Klassiker der Literatur krallt und glaubt sie durch ihren kommerziellen Fleischwolf drehen zu müssen, ist, dass eben diese Klassiker wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. So geschehen bei der jüngsten Verfilmung mit Will Smith von “I am Legend”.
Die Novelle “Ich bin Legende” von Richard Matheson ist 1954 erschienen und ist wohl eines der wichtigsten Science-Fiction-Werke der amerikanischen Literatur.
Im Los Angeles der Zukunft hat eine Seuche alle Menschen in Vampire verwandelt. Nur Robert Neville scheint als einziger gegen die Krankheit immun zu sein.
Tagsüber, wenn die Vampire schlafen und nicht ins Sonnenlicht treten können, zieht Neville einsam durch die Stadt auf der Suche nach Waffen, Nahrung und eventuellen anderen Überlebenden.
Nachts verbarrikadiert er sich in seinem Haus, das von Vampiren angegriffen wird. Eines Tages trifft er eine Frau, die auch nicht infiziert zu sein scheint. Er nimmt sie mit in sein Haus, doch dann passiert etwas unerwartetes und das Blatt wendet sich…
Richard Matheson hat als Erster sich vom romantischen Image des Vampirs gelöst und sie als eine Art Krankheit und neue Lebensform dargestellt. So hat er geschickt die beiden Genres Science Fiction und Horror miteinader vermischt.
Auch das Ende birgt einen für die damalige Zeit völlig neuen Ansatz Klischees und die Stellung des Menschen neu zu überdenken.
Die spannende Geschichte und die fast schon genialen Denkansätze trösten über die nicht so ganz gelungene Sprache mehr als hinweg.
Ein Klassiker und für jeden, der sich für das Science-Fiction- oder Horrorgenre interessiert, eine absolute Pflichtlektüre.
Zum Schluss noch ein alternatives Ende zu der Verfilmung mit Will Smith, das, meiner Meinung nach, viel besser gewesen und dem Buch näher gekommen wäre:
Tagtäglich sehen wir Bilder aus dem Irak und vom Kampf gegen den Terror, den sich unsere ach so stolze und gesättigte westliche Welt seit dem 11. September auf die Fahne geschrieben hat. Doch dass eine riesige Propagandamaschinerie uns falsche bzw. einseitige Bilder liefert, wird den meisten erst nach und nach, wenn überhaupt, bewusst.
Nur wenige Menschen haben den Mut sich öffentlich mit solch einem Nachdruck gegen diese Medienfarce zu stellen wie Jürgen Todenhöfer dies mit seinem Buch “Warum tötest du, Zaid?” versucht.
Todenhöfer hat unter nicht gerade harmlosen Umständen im Irak selbst längere Zeit recherchiert und ist dort Menschen und Situationen begegnet, die so gar nicht in das Bild, das uns George W. Bush und Co. ständig versuchen einzureden, passen.
Anhand der erschütternden Lebensgeschichte des jungen Irakers Zaid klärt uns Todenhöfer über die wirklichen Geschehnisse im Irak auf, wie er sie erlebt hat. Er zeigt uns, dass die meisten Iraker den sinnlosen Dschihad von Al-Qaida genauso ablehnen wie wir und, den USA zwar dankbar sind sie vom Regime Saddam Husseins befreit zu haben, nun aber nicht verstehen können, warum sie ihr Land immer noch besetzen und einen Krieg gegen sie führen.
So schließen sich viele Iraker dem “Widerstand” gegen die USA an, da diese das irakische Volk ungeachtet ihrer Kultur kleinhalten, dämonisieren und mit Greueltaten und Krieg das Land überziehen. Auf diese Art und Weise schüren die US-Truppen noch den Terror als ihn einzudämmen.
Todenhöfer zeigt uns, dass wenn sich der Westen aus ihren Angelegenheiten heraushalten würde, es mit Al-Qaida schnell vorbei wäre, da diese nur eine Minderheit im Irak darstellen.
Hier nur ein kurzer Überblick über die Hauptthesen von “Warum tötest du, Zaid?” und einige sind bestimmt diskussionswürdig, aber im Großen und Ganzen hilft es einem dabei die andere Seite der Medaille zu betrachten und gibt einem die Chance sich selbst eine Meinung zu bilden. Denn wer immer nur eine Seite kennt, wird die andere nie verstehen…
Dieses Buch sollte jeder gelesen haben. Lasst euch nicht von der Bilderflut der westlichen Propaganda einlullen!
Der letzte der Autoren, den ich in meiner Reihe über die Beat Generation vorstellen möchte, ist Jack Kerouac. Ähnlich wie seine zwei Brüder im Geiste Allen Ginsberg und William S. Burroughs, lebt auch Kerouac ein exessives Leben, doch fanden die anderen beiden Wege damit umzugehen oder heraus, zerbrach er daran.
Jack Kerouac wurde 1922 unter dem Namen Jean-Louis Lebris de Kerouac in Lowell, Massachusetts, geboren. Seine Eltern waren Franco-Kanadier und so wurde bei den Kerouacs zuhause kaum Englisch gesprochen, sondern auschließlich der französische Dialekt Joual.
1940 bekam aufgrund seines Talents für Fußball ein Stipendium für die Columbia University in New York, von der er aber bereits ein Jahr später wieder verwiesen wurde, da er seinem Trainer erklärte, er wolle lieber schreiben statt Sport zu treiben.
Er meldete sich bei der Kriegs-und Handelsmarine und fuhr zur See. 1946 wurde er aber schon wieder aufgrund von psychischen Problemen entlassen.
Trotz allem trieb sich Kerouac immer noch auf dem Campus der Columbia umher, wo er dann u.a. Allen Ginsberg und William Burroughs begegnete.
Zunächst schrieb Jack auf seinen unzähligen Reisen durch die USA einen unveröffentlichten Roman nach dem anderen. Erst als seine bereits berühmt gewordenen Freunde, vor allem Allen Ginsberg, Kerouac öffentlich als “den Besten von ihnen” bezeichneten, begannen die Verleger sich für seine Werke zu interessieren. 1957 wurde dann sein wohl berümtestes Werk “On the Road” (zu deutsch “Unterwegs”) veröffentlicht.
Doch dann drehte sich der Ruhm um. Kerouac wurde als der Vorzeige-Beatnik in alle möglichen Talkshows eingeladen und zeitweise andauernd von Fotografen verfolgt.
Total überfordert zog er anfang der Sechziger wieder zu seiner Mutter und starb dann 1969 von Alkohol, Drogen und Depressionen zerfressen.
Jack Kerouacs literarisches Werk kann man mit Fug und Recht als ekstatisch beschreiben. Seine rauschhafte Sprache und seine Lebensgier sind einfach unersättlich. Vor allem das Bild des amerikanischen Außenseiters prägte er entscheidend.
Doch so schnell er lebte, so tragisch ging er auch daran zu Grunde.
Die Beat Generation hat viele gesellschaftliche Tabus und Klischees gebrochen und so einen neuen Weg der Freiheit versucht einzuschlagen. Ein wenig Beatnik würde heutzutage auch nicht schaden…
Mit seinem neuen Buch “Shooting Star” zeigt uns der Autor Peter Temple Australien von seiner anderen Seite - nicht das Australien, das wir von Postkarten her kennen, sondern das Land der Armut, der gesellschaftliche Auseinandersetzungen und der Kriminalität.
In “Shooting Star” geht es um den australischen Familienclan der Carsons, diese besetzen wichtige Ämter, haben Einfluss, Macht und Geld im Überfluss.
Als eines Tages die 15-jährige Anne Carson entführt wird, soll der Ex-Polizist und nun Privatermittler Frank Calder die Geldübergabe stillschweigend und ohne große erzeugte Öffentlichkeit vollziehen.
Doch als ehemaliger Polizist kann Calder nicht anders als ein wenig über den Fall zu recherchieren und findet heraus, dass schon einmal ein Mitglied der Carson-Familie entführt wurde. Nach und nach entdeckt er mehr schmutzige Details aus der Vergangenheit des Clans und bricht bei der Suche nach Wahrheit und Opfer ein Familientabu nach dem anderen. Interessieren sich die Entführer überhaupt für das Geld oder ist Rache ihr eigentliches Motiv?
In einer lakonischen Sprache blickt Peter Temple hinter die Fassade von Ruhm und Reichtum. Sein schwarzer Humor und die spannende Geschichte machen das Buch zu einem fesselnden Erlebnis. Die Charaktere sind äußerst präzise gezeichnet und gut beobachtet.
Ein durch und durch gelungener Roman und absolut empfehlenswert!
Durch den „Käptn Blaubär“ hat Walter Moers bei mir auf ewig einen Stein im Brett. Den Freunden zotigen Humors wird er durch „Das kleine Arschloch“ oder den „Adolf – ich hock in meinem Bonker“- Song vielleicht ebenfalls ein Begriff sein.
Seit 1999 ist er mit dem internationalen Bestseller „Die 13 ½ Leben des Käptn Blaubär“ belletristisch vertreten, davor schrieb er Comicbücher und Kindergeschichten.
Die „Zamonien“- Reihe, die ihren Anfang mit dem erwähnten Titel nimmt, hat für mich in „Die Stadt der träumenden Bücher“ ihren bisherigen Höhepunkt gefunden. Moers präsentiert sich, wie schon in „Ensel und Krete“, als deutscher Übersetzer der Erinnerungen des berühmtesten Dichters des Fantasiereiches Zamonien.
Hildegunst von Mythenmetz, ein junger Lindwurm von der Dichterfeste, auf der die Lindwürmer wohnen und von sogenannten Dichtpaten zu berühmten Dichtern geschult werden sollen, erbt ein Manuskript, dessen Inhalt ihn sprachlos macht. Hier ist vertreten, was er sich mit aller Macht wünscht, schreiben zu können: Die perfekte Geschichte. Sein Pate trägt ihm sterbend auf, sich nach Buchhain aufzumachen, um den Verfasser des Gedichtes ausfindig zu machen. Das ist Hildegunsts einzige Chance, irgendwann einmal am Orm, der Quelle aller guten Dichtkunst, teilhaben zu können.
Das Buch entführt einen in eine Welt, in der Bücher mehr sind als nur Unterhaltung. Sie sind lebendig, sie können gefährlich und unberechenbar sein. Dabei liegt Moers Fokus auf der Erschaffung von Buchhain selbst, einer riesigen Stadt mit unterirdischen Katakomben und verschiedenen Fraktionen, deren Leben sich um den Fakt herum entwickelt hat, dass Bücher einen ähnlichen Stellenwert wie Öl oder Gold besitzen: Je tiefer ein Unerschrockener in die Tiefen der Buchhain-Höhlen vordringt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er ein wirklich wertvolles Buch findet.
Neben der Abenteuergeschichte des jungen Lindwurm-Dichters wird also Wert auf die realistische Kreation einer Fantasiewelt gelegt. Dabei finden sich genug Handlungssprünge und Schock-Erlebnisse im Buch, um das nicht zu einer Fingerübung verkommen zu lassen. Moers lässt den Kitsch und den Gutmenschen-Schwachsinn der meisten anderen Fantasiebücher weg – sein Zamonien ist bis in den letzten Winkel realistisch und gleichzeitig voller Magie. Die zahllosen Referenzen auf das Lesen, Gedanken über die Literatur und vor allem die „Buchlinge“ (nein, das erkläre ich nicht – selber lesen!) machen das Werk sowieso zu einem Muss für jeden Bücherwurm.
Wie so ziemlich jeder erfolgreiche Autor musste auch Moers die Umwandlung seiner aufwändig gestalteten Schwarten in Hörbücher und Taschenbuchausgaben ertragen. Den Preis für die Hardcover-Ausgabe von „Die Stadt der träumenden Bücher“ lohnt sich trotzdem, ich habe selten so schöne Zeichnungen gesehen.