Büchervielfalt

Für Leseratten & alle die lesen können
 


Dieses Wochenende hat der Fußball-Golem Oliver Kahn seine Karriere beendet. Wir werden alle trauern und die hochintelligenten Aussagen dieses bescheidenen Mannes vermissen. Und passend zum Karriere-Aus kommt ein absolut gut gemeinter und selbstloser Ratgeber heraus, in dem der Sigmund Freud des Sports seine Weisheiten in Sachen Psychologie des Erfolges mit uns teilt.

Cover zu “Ich”Passend kommt er dann auch in seinem Buch, mit dem bescheidensten Titel überhaupt, “Ich” zu der grandiosen Erkenntnis, dass “Erfolg von innen kommt”. Bravo!

In einer absolut einmaligen und noch nie dagewesenen Sprache motiviert die Mutter Teresa unserer Generation dazu, Erfolg um jeden Preis zu haben. Überhaupt scheint Erfolg das absolut wichtigste im Leben zu sein. Auch kleine Erfolge besitzen keinen Stellenwert und sind, wenn überhaupt, schmückendes Beiwerk. Erfolg ist anscheinend eine Sache des Geldes und der Anzahl wie häufig man in BILD erscheint.

Und somit ist Herr Kahn wohl ein weiteres Beispiel unserer Zeit. Sich selbst zu finden oder Erfolge in der eigenen Entwicklung zu erreichen, werden alle überschattet von dem finanziellen Ruhm. Unter dem Deckmantel der Selbsterkenntnis wird diese dazu in “Ich” benutzt um seinen Reichtum und sein Ansehen zu vermehren.

Und natürlich fehlen auch die für Skandale vorgemünzten “Enthüllungen” nicht. So habe Kahn sich zum Beispiel unter der Dusche angepinkelt. Was für eine Offenheit! BILD muss ja was zu schreiben haben…

Dieser “Ratgeber” ist dermaßen oberflächlich und von seinem eigenen kleinen Wolkenkuckucksheim aus geschrieben, dass es eine absolute Frechheit ist dies an Menschen unter dem Vorwand der Hilfe und Selbsterkenntnis zu verkaufen. Hauptsache man bleibt über die sportlichen Leistungen hinaus noch im Gespräch.

Sowieso scheinen, nach dem Skandal-Biographien-Hype, jetzt die Ratgeber der Möchtegern-Stars in zu sein. Die Bios dienten wenigstens ziemlich sichtbar nur zur Ruhm- und Geldvermehrung, aber dies jetzt noch unter einem “Wir wollen ja nur das Beste für euch” zu verstecken, ist kommerziell widerlich. Nicht nur, dass in Castingshows von Menschen wie Dieter Bohlen aus Kommerzgründen Träume und Emotionen zerstört werden, so geht es jetzt auch noch den Leuten an den Kragen, die einfach nur von ihren Idolen lernen wollen. Bescheuert genug!

Und so macht es auch Oliver Kahn, der sich im Kapitel über Authenzität beispielsweise lieber mit der Wikipedia (!) Erklärung von Authenzität von Gegenständen definiert als der von Menschen. Die Marke Ego hat gewonnen. Heil euch selbstlosen und rücksichtsvollen Vorbildern, in deren Schatten wir uns suhlen dürfen!


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Die neue Kinderbuchreihe, die Tracy Mack zusammen mit ihrem Mann Michael Citrin geschrieben hat, soll junge Leser an die Abenteuer des berühmten Sherlock Holmes heranführen. Und wer kennt ihn nicht? Den genialen Ermittler, der die Lösungen für den noch so schwierigsten Fall aus dem Ärmel zu schütteln scheint.

“Sherlock Holmes und die Baker-Street-Bande”Und was ist nicht alles schon über ihn geschrieben worden, Parodien, Adaptionen, Verwurstungen und Gerüchte. Eines dieser Gerüchte besagt ja, dass Holmes die Fälle nie allein gelöst hat. Aber nicht nur sein Assistent Watson hat ihm geholfen, sondern auch eine Gruppe von Straßenkindern, die Jungs aus der Baker Street.

Und genau auf diese Kinder hat sich das Autorenduo konzentriert um eine kindliche Indetifikation bei den Fällen zu schaffen.

Die Baker Street Bande ist ein Gruppe von Jungs, die schon ewig auf den Straßen des viktorianischen Londons hausen. Die meisten von ihnen sind Waisen. Ihr täglicherKampf ums Überleben ist von Hunger und Kälte geprägt und nur zusammen können sie dies überstehen. Ab und zu versuchen sie ein wenig Geld aufzutreiben und die spannendste Art ist es natürlich Sherlock Holmes bei seinen Ermittlungen zu helfen.

In diesem ersten Band der Reihe “Sherlock Holmes und die Baker-Street-Bande - Mord auf dem Hochseil” braucht der Meisterdetektiv die Hilfe der Jungs bei einem Mord im Zirkus Barboza. Die weltberühmten Hochseilartisten “die fliegenden Zalindas” sind vom Trapez gestürt und dabei gestorben. An einen Unfall glauben weder Holmes noch seine Helfer, denn schnell stellt sich heraus, dass das Hochseil manipuliert wurde. Die Kinder spüren einen Verdächtigen nach dem anderen auf und bald weitet sich der Kreis auch über die Welt des Zirkus hinaus aus. Wird es den Kindern gelingen mit Holmes den Fall zu lösen?

Jetzt werden viele denken, nicht schon wieder ein Kinderkrimi, doch die Baker Street Bande überzeugt durch ihr spannendes Tempo. Ein Verdachtsmoment jagt den nächsten und das Buch kann diese auch bis zum Schluss hin halten.

Zudem zeichnet sich die Baker Street Bande durch ihre tragischen Lebensunstände aus, die dem Leser ehrlich übermittelt werden. Das einzige Manko ist, dass die Darstellung der Zeit nicht immer realistisch ist, was aber vor allem nur Erwachsenen auffallen wird.

Ansonsten überzeugt das Buch und wird bestimmt ein paar Fans für die weiteren Bände gewinnen können.


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“Sich fügen heißt lügen”Erich Mühsam schrieb eines seiner wohl berühmtesten Gedichte “Der Revoluzzer” bereits 1907. Bis heute gehört es zum Programm vieler Kabarettisten, wohl auch weil er es schon damals “der deutschen Sozialdemokratie gewidmet” hat. ;-)

Der satirische Stil ist typisch für Mühsam. Frech, ironisch, kritisch und voller Wahrheit entlarvt er die Seele und die Mentalität des “modernen” Menschen.

Und auch unsere momentane politische Lage und die Einstellung vieler Leute beschreibt das Gedicht wie kein zweites…

Aber lest selbst: :D

Erich Mühsam: Der Revoluzzer
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet

Karikatur von Erich Mühsam © erich-mühsam-gesellschaftWar einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: ‘Ich revolüzze!’
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonst unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
Rupft man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer Schrie:
‘Ich bin der Lampenputzer
Diesen guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehen, ich bitt!
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!’

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich wie man revoluzzt
Und dabei noch Lampen putzt.


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Gerade jetzt, so kurz vor den Olympischen Spielen in Peking, tut jedes Buch gut, das offen mit den Machtverhältnissen Chinas umgeht und über die in den gängigen Medien gezeigten Bilder hinausgeht. Und wenn diese Kritik dann noch nicht trocken rüberkommt, sondern in eine interessante und spannende Geschichte verpackt ist, tut das doppelt so gut.

Cover zu “Goldener Reis”Mit “Goldener Reis” hat der englische Autor Andy Oakes den Kommissar Sun Piao aus seinem Buch “Drachenauge” wieder bemüht. Und das Anknüpfen an den Vorgängerroman ist ihm vortrefflich gelungen. Das Blut fließt mal wieder in Strömen, die Handlung hat Spannungspunkte, die einen plötzlich Mitreißen, und die Sozialkritik nimmt angesichts der aktuellen und noch kommenden Ereignisse einen noch größeren Stellenwert ein.

Auf der Baustelle des neuen Nationalstadions in Shanghai, in dem in Kürze die Olympischen Spiel 2008 stattfinden sollen, vergewaltigen von ihrem Vorgesetzten gezwungen ein paar Offiziere vier junge Frauen und foltern drei von ihnen mit Rasierklingen zu Tode. Nur eine, Lan Li, kann mit schweren Verletzungen entkommen. Nachdem sich die Soldaten bei der Tat gefilmt haben betonieren sie die Leichen ein.

Inspektor Di übernimmt die Ermittlungen, denn es ist nicht das erste Verbrechen dieser Art. Doch bevor Di überhaupt mit seiner Arbeit beginnen kann, wird ihm der Fall auch schon entzogen und an die Volksbefreiungsarmee abgegeben. Doch anscheinend wusste Di bereits zuviel. Er und sein Partner werden ermordet und ihre Leichen bizarr zur Schau gestellt.

Sun Piao, der im Zuge einer Säuberungsaktion zu einer Art Umerziehung in die Psychatrie gesteckt wurde, kehrt nach dieser Zeit nach Shanghai zurück. Er und sein Partner Pan Yaobang ermitteln nun inoffiziell gegen die Mörder Suns ehemaligen Vorgestzten Di. Doch immer mehr wird klar, dass sich die Morde bis in die Führungspositionen der chinesischen Regierung ziehen. Immer mehr werden sie in eine Welt aus politischen Intrigen, Korruption und Prostitution hineingezogen. Und sie kratzen hierbei nur an der Spitze des Eisberges. Ihre Lage wird zunehmend gefährlicher…

“Goldener Reis” wartet, wie auch schon im Vorgänger, mit einem charismatischen Ermittlerduo auf. Der coole, aber stets sympatische Sun und sein kongenialer Partner Pan, der meist einfach lieber mit dem Kopf durch die Wand geht als den komplizierteren Weg zu gehen, wagn sich in einer gut durchdachten Geschichte in die Kreise der Mächtigen des Landes.

Zwischendrin erfährt man in kleinen Einschüben näheres über die Lage und die Lebenssituation in China. Er prangert offen die Scheindemokratie an, in der das Militär die fats uneingeschränkte Macht inne hat, und eröffnet dem Leser zudem neue und aufschlussreiche Einblicke in die wirtschaftlichen Vorgänge, vor allem der der Ernährungsindustrie.

Bei allen Informationen und gut recherchierten Details lässt Oakes aber nie die Spannung und das Vorantreiben der Geschichte außer Auge. Auch sein sprachlicher Stil überzeugt.

Für alle, die beim Krimilesen das Denken nicht abschalten wollen…


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Nach Jahren voller immer schlechter werdender Romane (ich lasse jetzt mal Themen wie Ghostwriting und Kommerz außer acht ;-) ) dürften eingefleischte Stephen King Fans an seinem neuesten Werk mit dem Titel “Wahn” endlich mal wieder so richtig Freude haben.

Zu Beginn muss ich sagen, dass ich nie so King begeistert war. Bis auf ein paar wenige Kurzgeschichten sind mir die Geschichten meist zu klischeelastig. Die Horrormotive hat man fast alle schon mal gehört und sie überraschen einen auch nicht wirklich. Was Kings Stärke ist, dass er gekonnt Spannung erzeugen kann und ganze emotionale Gebäude errichten, die dann plötzlich und ohne Vorwarnung wieder einstürzen.

Cover zu “Wahn”Und dies ist auch in seinem neuesten Buch der Fall: Der bisher erfolgreiche Bauunternehmer Edgar Freemantle verliert bei einem Unfall plötzlich einen seiner Arme und erleidet schwere Knochenbrüche und eine Kopfverletzung. Daraufhin wird er von unkontrollierbaren heftigen Wutanfällen heimgesucht. Als deswegen seine Ehe zerbricht, rät Freemantles Psychiater seinem total am Boden zerstörten Patienten auf die kleine Insel Duma Key vor der Küste Floridas zu fahren und sich seinen langgehegten Traum vom Malen zu erfüllen.

Die Insel gehört der 85-jährigen, an Alzheimer erkrankten, Elizabeth Eastlake. Schnell freundet sich Freemantle mit deren Pfleger Wireman an und er beginnt ein Bild nach dem anderen zu malen. Ja, das Malen überfällt ihn regelrecht und die rauschhaften Malattacken dauern dann schonmal die ganze Nacht über. Zudem muss er mit seinen Phantomschmerzen kämpfen. Doch trotzdem beginnt er sich nach und nach besser zu fühlen.

Doch auf einmal beginnen seine Bilder ein rätselhaftes Eigenleben zu entwickeln. Sie werden von selbst immer dämonischer und verwandeln sich in düstere Motive. Anscheinend versucht eine dunkle Macht auf Duma Key Freemantle zu benutzen.

Zusammen mit Wireman kommt er Stück für Stück hinter die unheimliche Familiengeschichte von Elizabeth. Doch Freemantle wird immer mehr von seinen Bildern in den Wahnsinn getrieben…

Wie schon gesagt, halte ich die Geschichten von Stephen King meist für zu sehr an den Haaren herbeigezogen und von anderen Figuren des Horrors abgekupfert. Dies ist auch bei “Wahn” der Fall. Vor allem der Schluss ist leicht lachhaft… Aber einzelne Szenen sind durchaus gut beschrieben und man gruselt sich zeitweise doch ganz schön.

“Wahn” ist definitiv besser als seine Vorgänger und Fans werden ein paar schlaflose Nächte vor sich haben. Für alle anderen ist es ein ganz netter Zeitvertreib. Den Medienhype hat das Buch wirklich nicht verdient.


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Bücher-Scheiterhaufen 1933

Heute jährt sich der Tag der Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten zum 75. Mal. In dieser “Aktion wider den undeutschen Geist” wurden die Werke von unzähligen genialen Schriftstellern dem Feuer übergeben.

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1933 wurden auch schon die ersten Säuberungsaktionen gegen jüdische, marxistische und pazifistische Schriftsteller geplant. Vor der großen Bücherverbrennung gab es auch schon kleiner, aber diese eine große war von Anfang bis Ende durchorganisiert und systematisch vorbereitet. weiterlesen »


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Vor kurzem erschien Dieter Bohlens neuester geistiger Erguss mit dem wunderbaren Titel “Nur die Harten kommen in den Garten” und beweist so, nicht nur, dass er auf eingängige Vorschul-Reime steht, sondern dass er auch schon ganz allein seinen Egotrip auf Papier bringen kann. Bravo! Fleißbildchen!

Hat er seine letzten Bücher (die “Skandal-Biographien“) noch, natürlich in Zusammenarbeit, von einer Klatschkolumnistin schreiben lassen (Warum tut uns die Welt so was an?! :D ), so versucht er sich nun neuerdings selbst als literarischer Kinderpsychologe.

Cover zu “Nur die Harten kommen in den Garten”In seinem Buch möchte er angehenden “Superstars” Tipps geben, wie man dann auch einer wird. Toll! Und natürlich führt der Weg über “Deutschland sucht den Superstar”. Um seine genialen Thesen im Stil “Glaub an dich, arbeite hart und lass dich von deinem Produzenten, deinem Gott, nach seinem Willen formen” an den Mann zu bringen und gleichzeitig natürlich das treudoofe Fanherz zu bedienen, zerlegt er gleich mal alle bisherigen Superstar Finalisten. Einer nach dem anderen kriegt sein Fett weg (und das ja teilweise wortwörtlich… ;-) ). Man sollte Mr. Ego nur mal daran erinnern, dass er diese “mittelmäßigen Talente” selbst ins Finale gelassen hat um sie nach Strich und Faden auszubeuten!

Bohlen ist ein gutes Beispiel für unsere heutige Konsumgesellschaft, wenn nicht sogar eines ihrer Symbole. Falsche Träume wecken, Hoffnungen schüren, über Emotionen die Marketingschaukel anschupsen und wenn das Produkt dann ausgelutscht ist, auf den Müll damit. Oder warum hört man von den sogenannten Megasuperstars nach kurzer Zeit nichts mehr?

Das Buch wartet zudem mit tollen Fotos auf und auf jeder Seite ein Spruch des Dieter B. Super! Klein, kurz, Werbeslogan. Ich weigere mich hier einen zu wiederholen… Es reichen einem schon Zitate aus dem Buch wie: “Bei Streitfragen gibt es grundsätzlich zwei Standpunkte - nämlich meinen und den falschen”. Super, oder?!

Bohlen bezeichnet sich in seinem Buch als Gärtner der Stars. Nur ein Gärtner pflegt seine Gewächse und zieht sie langsam groß. Und rodet sie nicht noch während der ersten Ernte mit dem Flammenwerfer.

In dem Buch wird deutlich, dass DSDS für den werten Herrn Bohlen nur für zwei Dinge gut ist: Reichtum und Ruhm zu vermehren und vor allem seine eigene private Egoshow abzufahren. Und dies natürlich auf Kosten anderer. Willkommen in der Welt der Eogozentrik, willkommen in unserer Welt…

Marketingtechnisch hat er es übrigens auch super hinbekommen. Auf einmal streut er in der Sendung väterliche Tipps, wie die Kandidaten am besten ihren Weg verfolgen können. (Ja, hinein in seine Brieftasche!) Wusstet ihr, dass er der neue Jugendpsychologe der Bravo ist?

Superstar, wunderbar, la-di-da!


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In den letzten Wochen wurde wohl kaum ein Buch-Bestseller so kontrovers diskutiert wie “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche. Die einen haben sich vor Ekel geschüttelt, die anderen sich in Lobeshymnen ergossen.

Im Großen und Ganzen, muss ich sagen, kann ich den veranstalteten Medienzirkus nicht ganz verstehen. Charlotte Roche wollte provozieren und hat es geschafft. Was heutzutage ja gar nicht mehr so einfach ist… (siehe auch Beat Generation oder Lou Reed)

Cover zu “Feuchtgebiete”Neben einer etwas vernachlässigten Story von einem Mädchen das nach einer missglückten “Arschrasur” im Krankenhaus landet, offen mit ihrer Sexualität experimentiert und sich schließlich in ihren Pfleger verliebt, wird man von einem Tabubruch zum nächsten gejagt.

Hier probiert sie den Geruch ihrer Vagina an Männern als eine Art Parfum aus, da beschreibt sie wie sie Avocadokerne züchtet um sie zur Selbstbefriedigung zu nutzen.

Roche verdeutlicht hier durch absolute Überspitzung und sehr direkte Ironie die eigentlich bizarre Einstellung zum menschlichem Körper in unserer Gesellschaft. Wir leben in einer Welt, in der alles Natürliche unterdrückt wird. Angefangen bei Deos, die unseren Geruch übertünchen, über nicht schmatzen, rülpsen oder furzen bis hin zu Sex als etwas tabuisiertes zu betrachten.

Wer die Aussagen in “Feuchtgebiete” allzu ernst nimmt, bestätigt nur noch diese Einstellung. Nicht, dass ich nicht froh wäre über Duschgels und Co., aber wenn man es mal genau bedenkt ist unsere übertriebene Hygieneeinstellung wirklich bizarr.

Und genau hier setzt Charlotte Roche an, indem sie uns all unseren Ekel drastisch vor Augen führt. Wegen so etwas ein derartiges Spektakel zu veranstalten ist das eigentlich eklige und bizarre… Aber ich gönne ihr den Rummel bezüglich der Verkaufszahlen.

“Feuchtgebiete” ist wirklich witzig und sprachlich ganz gut geschrieben. Ich fand es aber nach ein paar Seiten leider etwas langweilig, da das Schema sich ständig wiederholt - gewollte Provokation löst einen Tabubruch ab usw. Aber das muss wohl auch so sein, damit das Drastische wirkt.

Alles in allem mal etwas anderes und ein direkter Beweis dafür mit wievielen Tabus sich unsere ach so aufgekärte Gesellschaft immer noch herumschlägt.


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Erst kürzlich lief “Die Geheimnisse der Spiderwicks” im Kino. Doch dieser Film basiert auf einer Buchreihe der britischen Autoren Holly Black und Tony DiTerlizzi.

Die Bücher sind als Chroniken angelegt und so wird die Geschichte in (vorerst) sechs Bände unterteilt. An dieser Stelle muss man wohl erwähnen, dass dies sicherlich vom Verlag aus Umsatzgründen so praktiziert wird, denn die einzelnen Bände umfassen jeweils nur etwas über 100 Seiten und sind zudem noch in großen Buchstaben gedruckt. Ein Band ist somit selbst von einem Kind in ein paar wenigen Stunden durchgelesen und schwupps, muss der Neue her.

Doch dieses Kommerzdenken hat in diesem Fall wohl auch seine Vorteile. Kinder, die vor dickeren Büchern Angst haben oder echte Lesemuffel sind, die sich nicht auf längere Geschichten einlassen wollen, finden hier eine spannende Geschichte in kleinen Häppchen und werden so vielleicht zu kleinen Leseratten.

Im ersten Band werden die Leser an die Abenteuer herangeführt. Nach der Scheidung ihrer Eltern finden die Zwillinge Jared und Simon mit ihrer älteren Schwester Mallory und ihrer Mutter Unterschlupf bei einer Großtante. Das Haus der Tante ist ein riesiges altes viktorianisches Anwesen und die Kinder haben überhaupt keine Lust an diesem gruseligen Ort zu wohnen. Und zu allem Überfluss wurde besagte Tante in die Irrenanstalt gesteckt, da sie in ihrem Haus mysteriöse kleine Männchen gesehen hat.

Band 1 der “Spiderwick-Geheimnisse”Tagtäglich geschehen plötzlich merkwürdige Dinge. Mallory werden im Schlaf die Haare ans Bett geknotet und Simons Kaulquappen werden im Eisfach eingefroren. All diese Taten werden Jared in die Schuhe geschoben, der aber stets seine Unschuld beteuert. Also macht er sich auf, die Geheimnisse des Hauses zu erkunden. Ständig hört man seltsamen Geräusche in den Wänden, es gibt geheime Aufzüge und Zimmer und Jared findet auch noch die geheime Bibliothek eines gewissen Arthur Spiderwick.Dieser hat ein Rätsel hinterlassen, das Jared zu einem seltsamen Buch mit dem Titel “Spiderwicks Handbuch der magischen Geschöpfe” führt. Daraus geht hervor, dass all die merkwürdigen Dinge von Elfen und Kobolden verursacht werden. Für die Kinder beginnt ein fantastisches Abenteuer…

Die Sprache des Buches macht vielleicht nicht groß was her und Erwachsenen Lesern wird diese Fantasygeschichte nichts Neues erzählen. Aber gerade für Kinder die sich an solche Geschichten gerade erst heranwagen, sind “Die Spiderwick-Geheimnisse” ein spannender und fantasievoller Lesespaß, der teilweise etwas gruselig daherkommt.

Die Aufmachung der Bücher ist zudem schon ein kleines Kunstwerk für sich. Die Zeichnungen und der Einband sind aufwendig gestaltet und tragen zur Magie der Geschichte entscheidend bei.

Gut, fand ich auch, dass die Kinder in keiner heilen Märchenwelt leben, sondern ihre speziellen Macken haben und sehr unter der Scheidung ihrer Eltern leiden.

Gerade für Leseneulinge ein gelungener Einstieg, für alle anderen ein netter Happen für Zwischendurch.


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Wissen als Ware

abgelegt in: Allgemein

Schon lange ist sogenanntes Infotainment in unserer Fernsehlandschaft Gang und Gebe. Wir werden in leicht verdaulichen Häppchen mit Alltagswissen bombadiert, das aber nie tiefer geht und so flüchtig ist wie die Erinnerung an unseren letzten Toilettenbesuch.

Hörbuch “Galileo Mystery - Ninjas”

Solche Sendungen wie zum Beispiel “Galileo” auf Pro7 hatten einmal ganz gut angefangen mit Wissensvermittlung ohne große Theoretisiererei in einer Sprache und Art und Weise, dass es auch jeder versteht. So etwas wie die “Sendung mit der Maus” für Erwachsene.

Doch schnell haben die Verantwortlichen gemerkt, dass es auf Dauer gar nicht so leicht ist, ständig neue und interessante Inhalte zu präsentieren, vor allem wenn die Sendung so gute Einschaltquoten erzielt, dass sie fast täglich eine Stunde lang gesendet wird.

Und genau hier fangen die Probleme aus meiner Sicht aus an. Inzwischen wird wirklich fast immer nur noch unnützes Wissen präsentiert und dies auch noch so primitiv, dass es selbst Kindern teils zu langweilig oder unwirklich erscheint. Hauptsache es geht schnell.

So haben die Verantwortlichen ganz fix nach anderen Möglichkeiten gesucht und den Vorzeige-Moderator Aiman Abdallah auf Mystery Tour geschickt. So als könnte Pro7 und ein TV-Moderator jahrhundertelangen Geheimnissen der Menschheitsgeschichte auf den Grund gehen. Und um die Vermarktung komplett zu machen, gibt es zu “Galileo Mystery” auch noch eine Hörbuch- und Buchreihe.

Hörbuch “Galileo Mystery - Sakrileg”

Das schlimmste aber ist, dass sie so tun als wäre das alles Wissenschaft und keine kommerzilaisierte Drehbuchunterhaltung.

Mit unglaublich wissenschaftlichen Titeln wie “Ninjas - Die dunklen Kampfgötter”, “Wiedergeburt - Das Leben nach dem Tod” oder “Supervulkane - Die tickende Magmabombe unter uns” (BILD könnte es nicht besser!) gaukeln sie den Lesern oder Hörern vor, es würden rein wissenschaftliche Fakten präsentiert.

Das Fazit jeder mysteriösen Sendung kann man sich dann schließlich auch selbst zusammenreimen: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Antwort: Vielleicht. Hat Jesus wirklich gelebt? Antwort: Vielleicht. Gab es König Artus? Antwort: Vielleicht.

Da werden dann auch mal schnell fiktive Bücher wie “Sakrileg” von Dan Brown ernst genommen und versucht diese zu beweisen. Hauptsache schnell und billig auf einen Hype aufspringen!

Und dafür soll man dann noch 15 Euro zahlen. Alles ist so überspitzt, sichtbar gefaket und unrealistisch aufbereitet, dass es nicht einmal mehr unterhaltsam ist. Nichts gegen einfache Wissensvermittlung. Dies ist nur noch Geld- und Effekthascherei!

Aber, was will man von der Ware Mensch denn auch erwarten. Wissen sollen wir haben, aber nicht zuviel…


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