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Die Räuber (1781) ist das erste Drama von Friedrich Schiller (1759 - 1805) das in der Epoche der Aufklärung entstand und dem Ende der Strömung Sturm und Drang in der deutschen Literatur zuzuordnen ist.

Das Stück verblüffte bei der Erstaufführung (1782) sein Mannheimer Publikum und machte Schiller über Nacht zu einer Sensation. Es wurde später die Grundlage für Verdis gleichnamige Oper „I masnadieri“ (1847).

Die Handlung dreht sich um den Konflikt zwischen zwei adeligen Brüdern, Karl und Franz Moor. Der charismatische, aber rebellische Student Karl wird von seinem Vater zutiefst geliebt. Der jüngere Bruder Franz, der als kalter, berechnender Bösewicht auftritt, plant, Karl das Erbe zu entreißen.
Das Schauspiel verwendet abwechselnde Szenen, um die Brüder darzustellen: während der eine nach Geld und Macht strebt, versucht der andere, eine revolutionäre Anarchie im Böhmerwald zu schaffen.

Das Drama verwendet eine traditionelle fünfaktige Struktur, wobei jeder Akt zwei bis fünf Szenen enthält.

Schillers hinterfragt in seinem Jugendwerk mit einer emotionalen Sprache die Grenzen zwischen persönlicher Freiheit und dem Gesetz und untersucht die Psychologie der Macht, die Natur der Männlichkeit und die wesentlichen Unterschiede zwischen Gut und Böse. Er kritisiert sowohl die Heucheleien von Klasse und Religion als auch die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten der deutschen Gesellschaft.

Die sprachgewaltige Eingängigkeit seiner Verse und seine pointensicheren Bühnendialoge sorgten dafür, dass zahlreiche davon zu geflügelten Worten wurden.

Inspiriert wurde Schiller durch das Theaterstück „Julius von Tarent“ (1774) von Johann Anton Leisewitz, das Friedrich Schiller zu seinen Lieblingsstücken zählte.

Figuren

Maximilian von Moor

Maximilian, Graf von Moor (auch „der alte Moor“ genannt) ist der geliebte Vater von Karl und Franz. Er ist im Herzen ein guter Mensch, aber auch schwach, und hat es versäumt, seine beiden Söhne richtig zu erziehen. Er trägt die Verantwortung für die Perversion der Familie Moor, die dazu geführt hat, dass die Werte der Familie außer Kraft gesetzt wurden. Die Familie Moor fungiert als Analogie zum Staat, eine typische politische Kritik Schillers.

Karl Moor

Karl Moor, der ältere Sohn, ist ein selbstbewusster Idealist. Er ist gutaussehend und von allen gemocht. Er hegt tiefe Liebesgefühle für Amalia. Nachdem sein Vater, verleitet durch Bruder Franz, Karl verflucht und aus dem Haus verbannt hat, wird Karl zu einem schändlichen Verbrecher und mörderischen Brandstifter. Während er eine allgemeine Melancholie über das vielversprechende Leben, das er hinter sich gelassen hat, ausstrahlt, kämpft Karl zusammen mit seiner Räuberbande gegen die Ungerechtigkeit und Korruption der feudalen Obrigkeit. Seine Verzweiflung führt ihn dazu, neue Ziele und Richtungen zu formulieren und zu entdecken und seine Ideale und Träume vom Heldentum zu verwirklichen. Er schreckt nicht davor zurück, das Gesetz zu brechen, denn, wie er sagt, "der Zweck heiligt die Mittel". Er entwickelt eine enge Bindung zu seinen Räubern, vor allem zu Roller und Schweizer, erkennt aber auch die Skrupellosigkeit und Unehrlichkeit von Spiegelberg und seinen anderen Komplizen. Amalia schafft eine tiefe innere Wendung in der Handlung und in Karls Persona. Er hat den Räubern Treue geschworen, nachdem Schweizer und Roller seinetwegen gestorben sind, und er hat versprochen, sich nie von seinen Männern zu trennen, kann also nicht zu Amalia zurückkehren. In tiefer Verzweiflung über den Tod seines Vaters tötet er schließlich seine große Liebe und beschließt, sich dem Gesetz zu stellen.

Franz Moor

Franz Moor, der jüngere Sohn des Grafen, ist ein egoistischer Rationalist und Materialist. Er ist kaltherzig und gefühllos. Er ist eher hässlich und unbeliebt, im Gegensatz zu seinem Bruder Karl, aber durchaus intelligent und gerissen. Da sein Vater jedoch nur seinen Bruder und nicht ihn liebte, entwickelte er einen Mangel an Gefühlen, was die "sündige Welt" für seine Leidenschaften unerträglich machte. Folglich fixierte er sich auf eine rationalistische Denkweise. In der Figur des Franz demonstriert Schiller, was passieren kann, wenn die moralische Denkweise durch reine Rationalisierung ersetzt wird. Franz strebt nach Macht, um seine Interessen durchsetzen zu können.

Amalia von Edelreich

Amalia von Edelreich, die Nichte des Grafen, ist die Geliebte von Karl und eine treue und zuverlässige Person (im Gedicht "Hektorlied" (später überarbeitet und eigenständig als "Hektors Abschied" veröffentlicht) wird mehr über ihre Beziehung erzählt). Sie verbringt den größten Teil des Stücks damit, sich den Avancen des eifersüchtigen Franz zu entziehen und hofft, wieder mit ihrem geliebten Karl vereint zu werden.

Moritz Spiegelberg

Spiegelberg agiert als Gegenspieler von Karl Moor und ist vom Verbrechen getrieben. Außerdem hat er sich selbst zum Hauptmann in Karls Räuberbande ernannt, wurde aber zugunsten von Karl übergangen. Spiegelberg versucht, Karl bei den Räubern negativ darzustellen, um Hauptmann zu werden, was ihm aber nicht gelingt.

Fazit

Ein Klassiker, der anfangs ein wenig unverständlich geschrieben ist und an manchen Stellen ziemlich gestreckt wird, aber dennoch ein Muss, nicht nur für Liebhaber klassischer deutscher Literatur. Das Theaterstück enthält eine für die damalige Zeit beachtliche, wenn auch etwas unterschwellige Botschaft. Wie Schiller bereits im Vorwort niederschrieb, nicht jeder wird dieses Stück richtig verstehen.
Ein amüsantes Buch, das sprachlich sicherlich eine Stufe einfacher gestaltet ist als „Die Leiden des jungen Werther“.