Lesen bildetLesen bildet

Der Vorleser (1995) ist ein dreiteiliger Roman von Bernhard Schlink.

Handlung

Anfangs dreht sich die Erzählung um die ungleiche erotische Beziehung des 15-jährigen Ich-Erzählers Michael zu der 21 Jahre älteren Hanna. Dann konzentriert sich die Darstellung auf ethische Fragen und den Umgang mit den Tätern des Holocaust in der BRD der 1960er Jahre. Die Charaktere im Einzelnen:

Fazit

Ein faszinierender und gleichzeitig beklemmender Roman. Keine ganz leichte Kost, zumal die Schuldfrage des öfteren im Raum steht. Schlinks Stil ist spärlich; er schreibt mit einer eisigen Klarheit, die gleichzeitig enthüllt und verbirgt.

In der wissenschaftlichen Kritik steht die im Roman aufgeworfene komplexe Schuldproblematik im Fokus der Analyse. Mit Bezug auf den Essay „Die Gegenwart der Vergangenheit“, in dem Schlink das Fortdauern der nationalsozialistischen Epoche und ihren immensen Einfluss auf das Bewusstsein seiner Generation behauptet, begreift die Literaturwissenschaftlerin Michaela Kopp-Marx den Vorleser als literarische Auseinandersetzung mit der umstrittenen Kollektivschuld-These.

Das Buch wurde in über 50 Sprachen übersetzt. In den USA erschien es 1997 unter dem Titel "The Reader" und wurde zu einem Bestseller.

Die Verfilmung unter der Regie von Stephen Daldry wurde im Dezember 2008 veröffentlicht. Kate Winslet spielte Hanna, David Kross dem jungen Michael und Ralph Fiennes als dem älteren Mann. Bruno Ganz und Lena Olin spielten Nebenrollen. Der Film wurde für fünf Oscars nominiert, darunter für den besten Film. Winslet gewann den Oscar als Hauptdarstellerin.

Nicht zu verwechseln ist das Werk mit der französischen Erotik-Komödie "Die Vorleserin" (La lectrice, 1988) mit Miou-Miou in der weiblichen Hauptrolle.

Autor

Bernhard Schlink (* 1944 in Großdornberg, heute Bielefeld) ist ein deutscher Jurist, ehemaliger Hochschullehrer und Schriftsteller.