Büchervielfalt

Für Leseratten & alle die lesen können
 


Archiv: (Auto-)Biographie

Gestern wäre der Meister der Pop Art, Andy Warhol, 80 Jahre alt geworden. Grund genug sich mit einigen seiner Biographie und seinem Werk nochmal genauer auseinander zu setzen.

Ich persönlich liebe Warhol und dies nicht wegen seiner angeblichen Exzentrik oder den auschweifenden Parties in der Factory. Nein, ich finde, keiner hat dem Konsum so deutlich in der Kunst einen Spiegel vorgehalten. Er hat alles vermarktet, was nur geht, hat sich jeder möglichen Ikone, von Elvis über Marilyn bis Mao, bedient und jede neue mediale Form, ob Zeitung, Zeitschrift, Film, Bilder oder Werbung, dafür genutzt, und dies meist mit einem subtile Augenzwinkern. Das Tragische daran ist nur, dass dies nur die wenigsten Leute erkannt haben. Sie sind direkt in die Konsumfalle hineingeschlittert und haben so ganz nach seinem Kunstprinzip gehandelt. weiterlesen »


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Cover zum Bildband “Franz Kafka”Dieses Jahr wäre Franz Kafka, einer der größten Schriftsteller der Moderne, 125 Jahre alt geworden. Nach wie vor hält das Faszinosum Kafka an. Immer noch kommen neue Facetten seiner Werke zum Vorschein. Der Verleger Klaus Wagenbach hat vor Jahren bereits einen Bildband mit etlichen Texten zum Leben Franz Kafkas herausgegeben, das jetzt zum Jubiläum noch einmal ergänzt und erweitert neu aufgelegt wurde.

Klaus Wagenbach, der sich selbst gerne als “die noch einzige lebende Kafka-Witwe” bezeichnet, liebt den Autor und hat im Laufe der Jahre alles gesammelt, was es über Kafka zu finden gibt. Darunter auch etliche Bilder und Fotos von Kafka selbst, von der Stadt Prag, in der er lebte, von seiner Umgebung und seinen Mitmenschen. weiterlesen »


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Cover zu “Ein amerikanischer Traum”Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte kaum jemand von einem gewissen Barack Obama etwas gehört. Doch seit seiner Ankündigung demokratischer Präsidentschaftkandidat in den USA zu werden, ging das Gesicht des Senators von Illinois schlagartig um die ganze Welt.

Wer sich ein ehrliches Bild über Obama machen möchte, dem empfehle ich seine Autobiographie “Ein amerikanischer Traum – Die Geschichte meiner Familie”. Inzwischen kursieren ja so einige Bücher von und über ihn, dich dieses hier ist deshalb so interessant, da sie aus dem Jahr 1995 stammt. Heute würde er sie gewiss anders schreiben, denn er gibt hier Dinge zu, die zum Teil nur wenig in das saubere Bild eine US-Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf passen. weiterlesen »


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Der Ausreißer

Autor: Nina
abgelegt in: (Auto-)Biographie

In “Der Ausreißer” beschreibt der japanische Mangazeichner Hideo Azuma ein Phänomen und dessen Folgen, das auch unser westlicher Kulturkreis nur zu gut kennt, ein Kulturbetrieb, der seine Künstler bis zum Get-No ausbeutet.

Cover zu “Der Ausreißer”Im klassischen Manga-Comic-Stil erzählt er uns in einfachen aber doch bewegenden Zeichnungen seine Autobiographie.

Hideo Azuma war ein Kult-Maga-Zeichner in Japan. Der hohe Leistungsdruck der japanischen Comicindustrie zwang ihn dazu fast ununterbrochen zu zeichnen, hauptsache schnell und viel. Die Kreativität oder man selbst bleiben da natürlich auf der Strecke.

Was hat Azuma also getan? Er machte aus Protest den drastischsten Schritt, den man sich in einer Leistungsgesellschaft nur vorstellen kann. Er kündigte seinen Job und seine Wohnung und entschied sich für ein Leben auf der Straße.

Monatelang lebt er von Müll oder geklautem Essen und verbringt seine Nächte auf der Parkbank. Er wird immer depressiver und schließlich alkoholabhängig.

Bei dieser Lebensgeschichte erwartet man nun ein hoch tragisches Werk, doch Azuma gelingt es durch seine humorvollen und distanzierten Bilder eine unterhaltsame und eindringliche Autobiographie zu erzählen.

Es ist eine Warnung vor einem menschenfressenden System und gleichzeitig eine leichte Geschichte, die man sowohl ernsthaft als auch kurzweilig lesen kann.


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Cover zu “Schmetterling und Taucherglocke”Selten hat mich ein Buch so beeindruckt wie die erschütternde und mitreißende Autobiographie “Schmetterling und Taucherglocke” von Jean-Dominique Bauby.

Mit 44 Jahren erleidet der damalige Chefredakteur der “Elle” einen Gehirnschlag und sein bisheriges Leben löst sich von einem Moment zum anderen in Luft auf. Er wacht im Krankenhaus auf und leidet von da an am sogenannten Locked-In-Syndrom (LIS). Er ist zwar bei vollem Bewusstsein, doch sein Körper ist vollständig gelähmt, bis auf sein linkes Auge.

Doch Bauby gibt nicht auf. Er lernt ein Spezialalphabet über alleiniges Blinzeln mit seinem linken Auge zu steuern und diktiert so der Lektorin Claude Mendibil seine bewegende Geschichte.

Als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt, war ich mir nicht sicher, ob ich es überhaupt lesen soll. Deprimiert es mich zu sehr? Will ich mir wirklich 150 Seiten “Gejammer” eines Schwerkranken anhören, den ich gar nicht kenne?

Ja, ich gebe zu, diese Gedanken klingen sehr kalt und egoistisch, aber man weiß ja nie, was aus blanker Sensations- und Kommerzgier so publiziert wird.

Doch dieses Buch ist anders! Bauby erzählt seine Rückschau gar nicht wehleidig (, was man in dieser Situation ja auch verstehen könnte), sondern ehrlich, humorvoll, sehr sensibel und auch hoffnungsvoll.

Er versucht weder Mitleid zu erheischen, noch suhlt er sich in seinem Elend. Im Gegenteil, er versucht seine Wahrnehmung durch die Situation zu schärfen und reflektiert poetisch und voller Witz das Leben und seine Umwelt. Ob da nun eine Fliege quälend auf seiner Nase sitzt oder niemand gerade da ist um ihm seine Lieblingsbücher vorzulesen.

Als “Taucherglocke” beschreibt er seinen Zustand die Welt zu sehen, doch manchmal gelingen ihm Ausflüge in die Fantasie, “Schmetterlinge”, wie er es nennt. Dort kann er dann alles machen, was er nur will und es gibt keine Grenzen und kein halten.

Kurz nach der Veröffentlichung seines Buches und vier Monate nach seinem Gehirnschlage stirbt Jean-Dominique Bauby und hinterlässt uns eine der zauberhaftesten, anrührensten und zugleich tragischsten Geschichten unserer Zeit.

Einer meiner Lieblingregisseure und Künstler Julian Schnabel hat “Schmetterling und Taucherglocke” verfilmt. Der Film ist gerade in den Kinos angelaufen…


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Cover zu “Lou Reed - Eine Biographie”Wir sind es von Künstlerbiographien ja eher gewöhnt, dass der entsprechende Star glorifiziert wird. Häufig verschwindet die Wahrheit hinter Lobeshymnen und dem obligatorischen “I love him!” oder der Promi wird dermaßen in den Dreck gezogen, dass er wie der letzte Unmensch auf uns wirkt. So oder so geht die wahre Person verloren.

Bei dem Buch von Victor Bockris “Lou Reed – Eine Biographie” ist das anders. Er versucht den Künstler als Menschen mit Fehlern und Schwächen, aber auch guten Seiten darzustellen. Man hat stets den Eindruck er meint es ehrlich. Zudem zeigt er Lou Reed nicht nur in irgendwelchen weltfremden Posen, sondern skizziert ihn wie einen “normalen” Menschen.

Cover zum Album “Velvet Underground & Nico”Lou Reed, geboren 1942 in New York, wird Mitte der Sechziger mit der Gruppe Velvet Underground als anfänglicher Teil von Andy Warhol’s Factory bekannt. Die eher düsteren Texte lassen keinen Tabubruch aus und zeichnen sich durch ein hohes Maß an Poesie aus. Schon früh zeigt sich Reed’s Liebe zur Literatur, die er wohl wegen seiner Studienzeit entdeckte.

Seine Familie und sein Heranwachsen werden beleuchtet. Entgegen aller Behauptungen Reed’s, die wohl eher der Selbstinszenierung dienten, hatte er eine Familie, die trotz aller Tabubrüche versuchte zu ihm zu halten, auch wenn er es ihr nie einfach gemacht hat.

Cover zum Album “Transformer”Man verfolgt Lou Reed durch alle bisherigen Stationen seiner Musikkarriere. Von der Zusammenarbeit mit David Bowie, in der das legendäre Kultalbum “Transformer” entstand, über seine berühmt-berüchtigte Metal-Machine-Music-Phase bis hin zur kurzfristigen Wiedervereinigung mit seiner Hass-Liebe aus Velvet-Underground-Tagen John Cale. Man kann einem Künstler beim Reifen zusehen mit allen menschlichen Schwierigkeiten, die gerade bei einer psychisch labilen Person wie Lou Reed natürlich extremer ausfallen.

Wie schon erwähnt bleibt der Autor immer möglichst sachlich und versucht den Menschen hinter der Maske des Meisters der Selbstinszenierung darzustellen. Vielleicht gelingt ihm das deshalb so gut, weil Victor Bockris selbst das Leben der Factory von Andy Warhol jahrelang begleitet hat. Er war also eher ein Beobachter, als ein Bewunderer. Gute Vorraussetzungen für eine sachliche Beurteilung…

Für Lou-Reed-Fans und alle, die es noch werden wollen, ein gelungenes Buch.


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Bestseller Kerkeling

Autor: Nina
abgelegt in: (Auto-)Biographie

Hape Kerkelings Pilgererfahrungen auf dem Jakobsweg haben den ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste seit ihrem Erscheinen im Mai 2006 nur für wenige Wochen räumen müssen – und anschließend immer gleich zurückerobert. Inzwischen ist das Buch – wohlgemerkt: immer noch im Hardcover – bereits in 2,7 Millionen Exemplaren über den Ladentisch gegangen. Damit hat Kerkeling, der pilgernde Komiker, das meistverkaufte Sachbuch in der Geschichte der Bundesrepublik verfasst, den Bestseller schlechthin.

Kerkeling, der “Buddhist mit christlichem Überbau”, ist weder besonders katholisch, noch entspricht seine Reise den asketischen Vorstellungen, die man von einer Pilgerreise haben mag – egal. Denn lesbar, flott geschrieben und humorvoll ist das Buch allemal. In kurzen Kapiteln beschreibt der Autor jeweils einen Tag; damit der Leser mitkommt, gibt’s am Ende immer ein kleines Fazit, das die vorangegangenen Erfahrungen in einen höheren Zusammenhang stellt. Manchmal übertreibt er es mit den Adjektiven, aber die scharf-ironische Beobachtungsgabe des Komikers macht den bisweilen blumigen Stil locker wett. Hier profitiert übrigens das Hörbuch: Kerkelings Stimmenimitationen machen die gelegentlich eingestreuten Dialoge zu den komischen Höhepunkten des Buchs.

An allzu tiefsinnigen Pilgererfahrungen lässt Kerkeling uns dann aber doch nicht teilhaben – ein kluger Schachzug seines Lektors womöglich, aus Rücksicht auf die Leser. Insofern ist das ganze Spektakel um die spirituelle Seite von “Ich bin dann mal weg” völlig übertrieben – der Text ist eigentlich beliebig.

Wieso also verkauft sich Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg” so gut?

Ganz einfach: In seiner weltanschaulichen Beliebigkeit passt es hervorragend in die Zeit einer Großen Koalition: Unspektakulär, angenehm, leise; ein bisschen wie Vollmilchschokolade oder Kindergottesdienste.

Ein Stück Jakobsweg, kurz vor Santiago de Compostella.


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