Heute jährt sich der Tag der Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten zum 75. Mal. In dieser “Aktion wider den undeutschen Geist” wurden die Werke von unzähligen genialen Schriftstellern dem Feuer übergeben.
Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1933 wurden auch schon die ersten Säuberungsaktionen gegen jüdische, marxistische und pazifistische Schriftsteller geplant. Vor der großen Bücherverbrennung gab es auch schon kleiner, aber diese eine große war von Anfang bis Ende durchorganisiert und systematisch vorbereitet. weiterlesen »
Vor kurzem erschien Dieter Bohlens neuester geistiger Erguss mit dem wunderbaren Titel “Nur die Harten kommen in den Garten” und beweist so, nicht nur, dass er auf eingängige Vorschul-Reime steht, sondern dass er auch schon ganz allein seinen Egotrip auf Papier bringen kann. Bravo! Fleißbildchen!
Hat er seine letzten Bücher (die “Skandal-Biographien“) noch, natürlich in Zusammenarbeit, von einer Klatschkolumnistin schreiben lassen (Warum tut uns die Welt so was an?!
), so versucht er sich nun neuerdings selbst als literarischer Kinderpsychologe.
In seinem Buch möchte er angehenden “Superstars” Tipps geben, wie man dann auch einer wird. Toll! Und natürlich führt der Weg über “Deutschland sucht den Superstar”. Um seine genialen Thesen im Stil “Glaub an dich, arbeite hart und lass dich von deinem Produzenten, deinem Gott, nach seinem Willen formen” an den Mann zu bringen und gleichzeitig natürlich das treudoofe Fanherz zu bedienen, zerlegt er gleich mal alle bisherigen Superstar Finalisten. Einer nach dem anderen kriegt sein Fett weg (und das ja teilweise wortwörtlich…
). Man sollte Mr. Ego nur mal daran erinnern, dass er diese “mittelmäßigen Talente” selbst ins Finale gelassen hat um sie nach Strich und Faden auszubeuten!
Bohlen ist ein gutes Beispiel für unsere heutige Konsumgesellschaft, wenn nicht sogar eines ihrer Symbole. Falsche Träume wecken, Hoffnungen schüren, über Emotionen die Marketingschaukel anschupsen und wenn das Produkt dann ausgelutscht ist, auf den Müll damit. Oder warum hört man von den sogenannten Megasuperstars nach kurzer Zeit nichts mehr?
Das Buch wartet zudem mit tollen Fotos auf und auf jeder Seite ein Spruch des Dieter B. Super! Klein, kurz, Werbeslogan. Ich weigere mich hier einen zu wiederholen… Es reichen einem schon Zitate aus dem Buch wie: “Bei Streitfragen gibt es grundsätzlich zwei Standpunkte – nämlich meinen und den falschen”. Super, oder?!
Bohlen bezeichnet sich in seinem Buch als Gärtner der Stars. Nur ein Gärtner pflegt seine Gewächse und zieht sie langsam groß. Und rodet sie nicht noch während der ersten Ernte mit dem Flammenwerfer.
In dem Buch wird deutlich, dass DSDS für den werten Herrn Bohlen nur für zwei Dinge gut ist: Reichtum und Ruhm zu vermehren und vor allem seine eigene private Egoshow abzufahren. Und dies natürlich auf Kosten anderer. Willkommen in der Welt der Eogozentrik, willkommen in unserer Welt…
Marketingtechnisch hat er es übrigens auch super hinbekommen. Auf einmal streut er in der Sendung väterliche Tipps, wie die Kandidaten am besten ihren Weg verfolgen können. (Ja, hinein in seine Brieftasche!) Wusstet ihr, dass er der neue Jugendpsychologe der Bravo ist?
Superstar, wunderbar, la-di-da!
Schon lange ist sogenanntes Infotainment in unserer Fernsehlandschaft Gang und Gebe. Wir werden in leicht verdaulichen Häppchen mit Alltagswissen bombadiert, das aber nie tiefer geht und so flüchtig ist wie die Erinnerung an unseren letzten Toilettenbesuch.
Solche Sendungen wie zum Beispiel “Galileo” auf Pro7 hatten einmal ganz gut angefangen mit Wissensvermittlung ohne große Theoretisiererei in einer Sprache und Art und Weise, dass es auch jeder versteht. So etwas wie die “Sendung mit der Maus” für Erwachsene.
Doch schnell haben die Verantwortlichen gemerkt, dass es auf Dauer gar nicht so leicht ist, ständig neue und interessante Inhalte zu präsentieren, vor allem wenn die Sendung so gute Einschaltquoten erzielt, dass sie fast täglich eine Stunde lang gesendet wird.
Und genau hier fangen die Probleme aus meiner Sicht aus an. Inzwischen wird wirklich fast immer nur noch unnützes Wissen präsentiert und dies auch noch so primitiv, dass es selbst Kindern teils zu langweilig oder unwirklich erscheint. Hauptsache es geht schnell.
So haben die Verantwortlichen ganz fix nach anderen Möglichkeiten gesucht und den Vorzeige-Moderator Aiman Abdallah auf Mystery Tour geschickt. So als könnte Pro7 und ein TV-Moderator jahrhundertelangen Geheimnissen der Menschheitsgeschichte auf den Grund gehen. Und um die Vermarktung komplett zu machen, gibt es zu “Galileo Mystery” auch noch eine Hörbuch- und Buchreihe.
Das schlimmste aber ist, dass sie so tun als wäre das alles Wissenschaft und keine kommerzilaisierte Drehbuchunterhaltung.
Mit unglaublich wissenschaftlichen Titeln wie “Ninjas – Die dunklen Kampfgötter”, “Wiedergeburt – Das Leben nach dem Tod” oder “Supervulkane – Die tickende Magmabombe unter uns” (BILD könnte es nicht besser!) gaukeln sie den Lesern oder Hörern vor, es würden rein wissenschaftliche Fakten präsentiert.
Das Fazit jeder mysteriösen Sendung kann man sich dann schließlich auch selbst zusammenreimen: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Antwort: Vielleicht. Hat Jesus wirklich gelebt? Antwort: Vielleicht. Gab es König Artus? Antwort: Vielleicht.
Da werden dann auch mal schnell fiktive Bücher wie “Sakrileg” von Dan Brown ernst genommen und versucht diese zu beweisen. Hauptsache schnell und billig auf einen Hype aufspringen!
Und dafür soll man dann noch 15 Euro zahlen. Alles ist so überspitzt, sichtbar gefaket und unrealistisch aufbereitet, dass es nicht einmal mehr unterhaltsam ist. Nichts gegen einfache Wissensvermittlung. Dies ist nur noch Geld- und Effekthascherei!
Aber, was will man von der Ware Mensch denn auch erwarten. Wissen sollen wir haben, aber nicht zuviel…
Ja, jetzt werden viele bestimmt schmunzelnd an so berühmte Tage wie den des Bieres oder der der Parke denken, über deren Sinn oder Unsinn sich streiten lässt. Doch der Welttag des Buches wird in einigen Regionen der Erde sogar traditionell begangen und es finden viele Veranstaltungen rund ums Thema lesen und lesen lassen statt.
Der 23. April wurde 1995 von der UNESCO offiziell zu einem weltweiten Feiertag zu Ehren des geschriebenen Worts und der Rechte der Autoren erklärt. Doch warum gerade dieses Datum?
Erstens ist es der vermutete Geburts- und Todestag William Shakespeares, sowie die Todestage von Miguel de Cervantes und des katalanischen Schriftstellers Josep Pla. Auch der Geburtstag des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness fällt auf dieses Datum.
Zudem wird am 23. April in Katalonien der St. Georgstag traditionell gefeiert. Noch heute ist dies dort der Tag der Liebenden und des Buches (Meiner Meinung nach ein treffender zusammenhang
). Man schenkt all seinen Freunden und Liebsten ein Buch. Viele Buchhändler bieten ihre Ware an diesem Tag zu vergünstigten Preisen an und es gibt besondere Bücherflohmärkte und Stände. Nach altem Brauch schenkt der Mann am Georgstag seiner Liebsten eine Rose und sie ihm im Gegenzug ein Buch.
In Großbritannien und Irland werden in den Schulen Büchergutscheine an die Kinder verschenkt, die sie gegen 10 besondere Bücher einlösen können. Diese Bücher erscheinen nur an diesem Tag und können auch nur hier gekauft werden.
Aber auch in Deutschland finden heute unzählige Veranstaltungen statt. Landesweit haben Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken und Schulen Lesungen und Projekte organisiert.
Und wer an keiner Aktion heute teilnehmen kann oder will, für den bleiben ja immer noch der gemütliche Sessel zuhause oder der Park (falls es bei euch heute so schön ist wie hier in Berlin) und natürlich das wichtigste Utensil: ein gutes Buch.
Also, einfach mal wieder abtauchen der sich in den Bücherdschungel stürzen!
Nähere Infos und ein Veranstaltungskalender findet ihr auf der offiziellen Homepage zum Welttag des Buches.
Ursprünglich als Kinderbuch gedacht, hat Jostein Gaarder mit “Sofies Welt” anfang der 1990er einen internationalen Überraschungserfolg auch bei Erwachsenen Lesern gelandet. Sein kleiner leichtverträglicher Ausflug in die Philosophie wurde in 54 Sprachen übersetzt.
Die vierzehnjährige Sofie Amundsen erhält eines Tages einen mysteriösen Brief mit der Frage wer sie denn sei. Daraufhin beginnt sie über ihr Dasein nachzudenken.
Als sie immer mehr Briefe mit Denkaufgaben erhält geht sie der Sache nach und findet heraus, dass die geheimnisvollen Nachrichten von einem älteren Mann namens Alberto Knox stammen.
Anhand von zunächst weiteren Briefen, dann später auch bei sich zuhause, beginnt er ihr auf verständliche und leichte Weise einen Kurs in Philosophie zu geben. Jeder Brief bzw. jede Stunde ist einem bedeutenden Denker und seinen Ansätzen gewidmet.
Mehr und mehr beginnt Sofie ihre kleine Welt zu hinterfragen besonders dann als sich herausstellt, dass sie nicht das ist, wofür sie sie bisher gehalten hat. Ihre Realität gerät ins wanken. Können sie und Alberto sich dagegen zur Wehr setzen?
Jostein Gaarder bringt einem mit diesem Buch auf eine leichte und amüsante Art und Weise die Philosophie näher.
Man lernt, dass die Denkansätze gar nicht so trocken sind und dass sie eigentlich uns alle etwas angehen.
“Sofies Welt” bringt einfach jeden dazu seine eigene Welt und Realität zu hinterfragen und öffnet den Horizont für neue Dinge. Für jeden, der mehr von der Welt sehen und wissen und nicht in staubtrockenen Theorien herumkriechen will, der perfekte Lesesoff.
In seinem bisher wohl besten Buch “Die Vermessung der Welt” nimmt uns der Autor Daniel Kehlmann an den Anfang des 19. Jahrhunderts mit. Hier schildert er um reale historische Gegebenheiten herum die fiktive Biographie zweier der wohl größten Genies Deutschlands, Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß.
Zu Beginn des Romans reist der große Mathematiker und Physiker Gauß mit seinem Sohn Eugen auf Humboldts Einladung hin zum Deutschen Naturforscherkongress nach Berlin. Wir lernen “den Fürsten der Mathematiker” als einen jähzornigen, hochnäsigen und schlechtgelaunten alten Mann kennen, der selbst seinem Sohn gegenüber kein gutes Wort lassen kann.
Im weiteren Verlauf des Buches folgen wir den Biographien der beiden Forscher, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gauß, dem die Menschen egal sind, da sie immer zu langsam denken, und der in seinem Leben nie aus Deutschland herauskommt, und Humboldt (nicht zu verwechseln mit seinem Bruder), der Entdecker und Humanist auf seinen abenteuerlichen Expeditionen durch das Amazonasgebiet.
Was sie verbindet ist ihr Genie, ihre Rationalität, die keine Emotionen zulässt, und ihre unbändige Liebe zu Zahlen und Fakten. Sie beide glauben fest daran die Welt komplett vermessen zu können.
![]()
Durch die Gegenüberstellung dieser beiden Charaktere entzaubert Kehlmann in einer durch und durch lakonischen Sprache die Ruhmeshalle der Wissenschaft, der Dichter und Denker. Er stellt sie in satirischer Weise als Menschen mit “normalen” Schwächen dar, die auch nur Gefangene ihrer Zeit sind. Die Schilderungen der Figuren bleibt hierbei leider immer sehr oberflächlich.
Ironisch schildert er die Erschaffung von Ikonen, deren persönlichen Sichtweisen und die Reaktion der Öffentlichkeit auf sie.
“Die Vermessung der Welt” ist ein witziges, unterhaltsames und sehr kurzweiliges Buch.
Pascal Mercier gelingt das Kunststück, unterhaltsame und anspruchsvolle Gelehrtenromane zu schreiben.
Lange bevor “Nachtzug nach Lissabon” zum Bestseller avancierte, landete der Schriftsteller und Philosoph mit “Perlmanns Schweigen” 1995 einen beachtlichen Erfolg auf dem europäischen Buchmarkt.
Der renommierte Sprachwissenschaftler Philip Perlmann leitet eine Konferenz mit internationalen Kollegen in einem Hotel an der ligurischen Küste. Perlmann, der ein Jahr zuvor seine Frau verloren hat, stellt fest, dass er jegliches Interesse an seiner Arbeit verloren zu haben scheint und fühlt sich unfähig, eigene Beiträge zu den Gesprächen beizufügen. Gleichzeitig traut er sich nicht, sich und seine Krise den anderen Konferenzteilnehmern zu offenbaren – und verstrickt sich in ein Netz aus Lügen, das in ihm schließlich einen Mordplan reifen lässt.
Der Roman ist sechshundert Seiten stark. Dennoch kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf: Mercier, studierter Philosoph, versteht sich großartig auf die psychologisch differenzierte Zeichnung seiner Figuren – natürlich besonders Perlmanns. Der Professor wird in seiner inneren Gebrochenheit, seinem Stolz und seiner Verzweiflung unmittelbar beschrieben. Die inneren Konflikte sind das Zentrum des Romans, aber Mercier gelingen auch schöne Dialoge und treffende Landschaftsbilder. Perlmanns Tochter, die im weiteren Handlungsverlauf zu einer wichtigen Bezugsperson Perlmanns wird und sogar persönlich auftaucht, wird ebenfalls einfühlsam nachgezeichnet.
Bei der Lektüre – und vor Allem im zweiten Teil – musste ich gelegentlich innehalten und vergegenwärtigen, wie ausgeklügelt Mercier die Handlung konstruiert hat. Ohne, dass man es merkt, versteht sich. Allein die Konzeption eines solchen Buchs muss ihn Monate gekostet haben – Chapeau! “Perlmanns Schweigen” ist jede Minute, die man lesend verbringt, wert.
Neulich, während der Mittagspause, entbrannte eine heiße Diskussion über Hörbücher. Eine Kollegin war der Meinung, dass Hörbücher etwas für Leute sind, die lediglich zu faul sind, ihre Nase in ein richtiges Buch zu stecken. Sie selbst würde niemals ein Hörbuch … hören… statt lesen.
Ich war über diese Äußerung sehr entsetzt, da ich selbst sehr gern auf Hörbücher zurückgreife. Ich versuchte ihr zu erklären, dass es eigentlich genau anders herum sei. Dass gedruckte Bücher eher etwas für faule Menschen sind, da Hörbücher meist von Leuten in Anspruch genommen werden, die keine Zeit haben, sich stundenlang aufs Sofa zu setzen und zu schmökern. Ich zum Beispiel, erklärte ich ihr, würde sehr gern während der Autofahrt “hören” und auch über meinen mp3-Player lasse ich mir vorlesen, wenn ich im Fitnessstudio bin oder im Sommer auf Fahrradtouren.
Meine Kollegin war sehr erbost über meine Äußerung. Und weil jetzt auch andere Mitarbeiter in das Gespräch einstiegen, ging die wohlverdiente Mittagspause den Bach
hinunter.
Die Fraktion des gedruckten Wortes, schimpfte gegen den verloren gegangenen Zauber des Bücherlesens, während die Fraktion der digitalen Bücher die perfekt ausgewählten Vor-Leser der Erzählungen lobte. Ein Kollege sprach sogar darauf an, dass es Hörbücher schon seit über 50 Jahren gibt, die aber fast ausschließlich von Blinden- und Sehschwachen-Vereinen vertrieben wurden.
Hätte ich geahnt, dass Hörbücher Deutschland in zwei Lager spaltet, hätte ich mich schön zurück gehalten und mir nach Feierabend genussvoll mein neues Hörbuch vorlesen lassen.